Thömus-Chef verkauft Anteile: Publibike wird britisch

Der Veloverleih wird in die Hände einer Investmentfirma aus Grossbritannien gelegt. Es ist das nächste Kapitel einer mitunter holprigen Unternehmensgeschichte.

Frederic Härri, Redaktor (frederic.haerri@velojournal.ch)
News, 11.08.2026

Der Veloverleih Publibike ist nicht mehr in Schweizer Hand: Die bisherigen Aktionäre haben ihre Anteile verkauft. Zu diesen gehört auch Thömus-Gründer Thomas Binggeli. «Für mich ist dies der richtige Zeitpunkt, mich wieder voll auf meine Kernaufgaben zu konzentrieren», sagt der Velounternehmer gegenüber «Schweiz heute». 

Neu gehört Publibike der britischen Private-Equity-Firma Vision Edge One. Einzig Markus Bacher bleibt als Firmenchef und Minderheitsaktionär an Bord. Unter der neuen Eigentümerschaft wolle Publibike in den Fahrzeugbestand, Dienstleistungen und die Technologie investieren, heisst es in einer offiziellen Mitteilung. Das Angebot soll künftig ausgeweitet werden. 

Stadtangestellte profitieren 

Heute betreibt Publibike rund 10'500 Velos in ungefähr 120 Schweizer Städten und Gemeinden, darunter in Aarau, Bern, Basel und Zürich. Für den Betrieb des Veloverleihs erhält Publibike Beiträge der öffentlichen Hand, wie zum Beispiel in Bern, wo die Stadt für die Jahre 2026 bis 2029 zwischen 340'000 und 440'000 Franken pro Jahr zahlt. Diese geleisteten Zahlungen sind nicht frei von Kritik, weil es oft die Städte selbst sind, die zu den wichtigsten Kunden zählen. 

So müssen etwa in Bern bis zu 6500 Stadtangestellte keine Leihgebühr für Publibike-Velos zahlen, da dies von ihrem Arbeitgeber – und letztlich auch durch Steuergelder – finanziert wird.

Die Post wurde das defizitäre Geschäft los 

Einst hatte Publibike versprochen, seine Dienstleistungen ohne Subventionen erfüllen zu können. Doch das Unternehmen blieb in den roten Zahlen und war zunehmend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Über viele Jahre gehörte Publibike dem Post-Konzern, der irgendwann die Reissleine zog und das defizitäre Geschäft 2022 schliesslich an Markus Bacher, Thomas Binggeli und den IT-Unternehmer Guido Honegger verkaufte. 

Gegenüber «Schweiz heute» sagt Bacher: «Seit 2024 schreiben wir operativ schwarze Zahlen.» Damit bezieht sich Bacher aber wohl auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Ob das Unternehmen wirklich keine Verluste mehr ausweist, scheint fraglich. 

Den neuen Eigentümern aus Grossbritannien wird jedenfalls daran gelegen sein, Publibike möglichst profitabel zu gestalten. Das Ziel von Private-Equity-Firmen ist es schliesslich noch immer, Geld zu verdienen.

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