Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velogisch.ch)
21.11.2025
Velorahmen aus Carbon werden nicht nur im Rennsport verbaut, sondern zunehmend auch an Alltagsvelos und E-Bikes. Leicht und formschön ist der Werkstoff gemäss Martin Gerber. Ökologisch fragwürdig für Andrea Fröhlich.
Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velogisch.ch)
21.11.2025
Im sportiven Segment sind Velorahmen aus Carbon Standard. Zunehmend wird Carbon für Rahmen aber auch im Alltagsbereich und bei E-Bikes verwendet. (Fotos: ZVG)
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«Carbon ist ein ästhetischer Werkstoff, man kann daraus fast jede Form herstellen», sagt Martin Gerber. Seine Leidenschaft für die Kohlefaser stammt aus der Autobranche, wo er als Kraftfahrzeugmechatroniker Carbonteile repariert und selbst hergestellt hat. Heute ist Gerber leidenschaftlicher Mountainbiker und Werkstattleiter bei Rent a Bike, dem schweizweit grössten Vermieter von E-Bikes.
Viele der Mietbikes sind mit Teilen oder einem Rahmen aus Kohlefaser ausgestattet. Daher weiss Gerber aus Erfahrung, dass Carbonrahmen nicht nur leicht, sondern auch langlebig sein können. «Wenn man sorgfältig mit Carbon umgeht, hält es über mehrere Generationen», erklärt er. Carbon sei witterungsbeständiger als Alu oder Stahl, müsse aber entsprechend sorgfältig behandelt werden. Der Werkstoff ist nämlich auf Zug und Druck äusserst belastbar, steckt Schläge oder punktuelle Belastung aber schlecht weg. Insbesondere beim Befestigen der Mietbikes am Montageständer geht Gerber sorgsam vor.
«Wenn man sorgfältig mit Carbon umgeht, hält ein Velo über mehrere Generationen.»
Die Ästhetik ist für den Fachmann ein wichtiger Pluspunkt. «Carbon kann auf einfache Weise in allen Farben lackiert werden», sagt er. In seiner Freizeit ist der Werkstattleiter auf Mountainbiketrails anzutreffen – mit einem Carbonrahmen. «Mein Bike muss so leicht und steif sein wie möglich», gibt er zu. Ein Carbonrahmen wiege rund ein Drittel weniger als ein Rahmen aus Stahl, man spüre die Kraftübertragung auf das Zweirad direkt. Wer das Maximum an Performance eines Velorahmens erhalten wolle, ohne Rücksicht auf Preis und Nachhaltigkeit, lande unweigerlich bei Carbon.
Auch für moderne E-Bikes sieht Gerber im geringen Gewicht des Rahmens einen Vorteil, da schliesslich mit zunehmender Reichweite Akkus und Motoren immer schwerer würden. Vor Schäden am Rahmen warnt der Fachmann aber. Wie er selbst bereits ausprobiert hat, kann der Faserverbundwerkstoff nur bedingt repariert werden. Das Verkleben von neuen Carbon-Geweben sei sehr aufwendig und würde kaum umgesetzt. Mit wenigen während der Pandemie gewährten Ausnahmen entfalle zudem die Herstellergarantie.
Für Berufsschullehrerin und Velomechanikerin Andrea Fröhlich kommt Carbon als Rahmenmaterial grundsätzlich nicht infrage. In ihrem Laden «Velo nah und fern» in Winterthur steht Nachhaltigkeit an erster Stelle. «Unsere Kunden wollen ein Velo fürs Leben. Carbon passt da nicht ins Konzept», erklärt sie. Carbon ist ein Faserverbundstoff aus Kohlenstofffasern und Epoxidharz. Matten aus Kohlefasern werden in eine Form gelegt, mit Harz getränkt und zur Aushärtung vakuumiert und gebacken. Die Herstellung sei energieintensiv und mit einer hohen Menge an Abschnitten der Kohlefasern verbunden. Ausserdem müsse für jedes Modell und jede Rahmengrösse eine neue Form hergestellt werden.
Im Gegensatz dazu kann eine verstellbare Rahmenlehre zur Fertigung von Alu- oder Stahlrahmen für verschiedenste Rahmengeometrien verwendet werden, weiss Fröhlich. Auch das Recycling von Carbon sei noch wenig entwickelt und nicht etabliert. «Derzeit werden hundertmal mehr Carbonfasern produziert, als die bestehenden Recyclingkapazitäten verarbeiten können», erklärt die Fachfrau. Das Recyclingprodukt sei minderwertig und könne lediglich als Füllstoff eingesetzt werden.
«Bei einem Stahlrahmen weiss ich sofort, ob er noch sicher ist.»
Beschädigt würden Carbonrahmen oft unbemerkt, weiss Fröhlich aus Erfahrung: «Knallt das Oberrohr bei einem Sturz auf eine Kante, kann der Rahmen unbrauchbar werden.» Was bei einem Stahlrahmen lediglich zu einem Lackabplatzer oder einer Delle führt, kann im Carbon sogenannte Mikrorisse zur Folge haben. Diese Schäden sind meist von aussen nicht sichtbar, was die Beurteilung eines Rahmens in ihrer Werkstatt verunmögliche.
«Bei einem Stahlrahmen weiss ich sofort, ob er noch sicher ist», bestätigt Fröhlich. Bei einem Carbonrahmen kann sie keine Garantie geben. Sie empfiehlt allen, die mit einem Carbonvelo liebäugeln, sich dessen Einsatzzweck genau zu überlegen. Bikepacking sei beispielsweise mit einem Carbonrahmen nur eingeschränkt möglich. Das vom Hersteller zulässige Systemgewicht sieht nicht immer den Gepäcktransport vor. Auch beim Nachrüsten von Ständer oder Gepäckträger bestünden Einschränkungen, da der Werkstoff nicht punktuell belastet werden soll. Trotzdem erkennt sie Vorteile in der Kohlefaser für spezifische Anwendungen wie etwa Gabeln von sportlichen Velos, die dadurch besonders agil werden. Nichtsdestotrotz wünscht sie sich, «dass Menschen Velos kaufen, die sie langfristig fahren wollen und die repariert werden können».

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