Pedale unter Strom: Hier schaut das Velo beim Auto ab

Mit «Pedal-by-Wire», kräftigem Motor und modularem Rahmen kommt ein ungewöhnliches Velo-Konzept nach Europa, welches ganz ohne Kette oder Riemen auskommt und auf Technologien aus dem Autobereich setzt.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 27.08.2026

Erneut stellt ein Hersteller das Konzept des Hinterradantriebs via Kette oder Riemen infrage und lanciert eine neue Kategorie Velo. Das neue «Also TM-B» setzt auf einen Antrieb, wie man ihn eher aus dem Auto kennt. 

Hinter dem Projekt steht «Also», ein Spin-off des amerikanischen Elektroautoherstellers Rivian. Das TM-B ist das erste Modell des Start-Ups und wurde mit dem Core77 Design Award ausgezeichnet. Es handelt sich dabei um ein modular konzipiertes E-Bike, bei dem eine neue Softwarestruktur mit der aus dem Automobilbau bekannten Batterietechnik verbunden wird. 

Pedale ohne mechanische Verbindung 

Das Herzstück ist das sogenannte «Dream-Ride-System». Wer in die Pedale tritt, treibt das Hinterrad nicht direkt an, wie es beim herkömmlichen Hinterradantrieb mit Kette oder Riemen der Fall ist. Stattdessen erzeugt ein Generator Strom, der in den Akku fliesst. 

Ein separater Elektromotor am Hinterrad sorgt für den Antrieb. Die Verbindung zwischen Fahrer und Antrieb ist damit elektrisch und softwaregesteuert: «Pedal-by-Wire» statt Kettenblatt und Ritzel. 

Das eröffnet neue Möglichkeiten. Eine klassische Gangschaltung gibt es nicht. Im Automatikmodus bestimmt die Software eine passende Trittfrequenz, im manuellen Modus lassen sich virtuelle Gänge per Knopfdruck wählen. Bis zu 180 Newtonmeter Drehmoment verspricht «Also». Zudem kann das System beim Bremsen Energie zurückgewinnen. 

Auch beim Akku zeigt sich die Nähe zur Automobiltechnik. Angeboten werden 538 und 808 Wattstunden, mit einer angegebenen Reichweite von rund 100 beziehungsweise 160 Kilometern. Der herausnehmbare Akku lässt sich zudem als Powerbank nutzen. 

Vom Solo zum Mini-Cargo 

Ungewöhnlich ist auch der Rahmen. Über einen werkzeuglosen Schnellverschluss lässt sich das TM-B an unterschiedliche Einsatzzwecke anpassen. Als Solo-Bike bleibt es sportlich, mit einer anderen Konfiguration wird daraus ein Mini-Transportrad oder ein Zweisitzer. Bis zu 35 Kilogramm können hinten und 11 Kilogramm vorne transportiert werden. Mit 120 Millimetern Federweg an beiden Achsen, 24-Zoll-Ballonreifen und einem Gewicht von 40 bis 43 Kilogramm ist das TM-B allerdings kein Leichtgewicht. 

Dafür bringt es eine Menge Technik mit: Touchdisplay, Smartphone-Anbindung, Navigation, drahtlose Updates und eine elektronische Diebstahlsicherung gehören zum Konzept. 

Tempo raus

In den USA kostet die Launch Edition 4500 Dollar. Eine günstigere Version für 3500 Dollar soll folgen. Für Europa muss das TM-B noch angepasst werden: Statt der amerikanischen Unterstützung bis 45 km/h soll es als zulassungsfreies Pedelec mit maximal 25 km/h auf die Strasse kommen. Wann genau, ist noch offen.

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