Dänemark tritt weniger in die Pedale

Ausgerechnet im Veloland Dänemark verliert das Alltagsvelo an Bedeutung. Besonders Junge steigen seltener aufs Rad. Zahlen der Universität Süddänemark zeigen: Der Trend bedroht Gesundheit, Klima und Verkehrswende.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 29.05.2026

Dänemark gilt als Vorbild in Sachen Velokultur. Doch die Realität verändert sich. Laut der grossen Studie «Danmark i Bevægelse» (Dänemark in Bewegung) fahren heute deutlich weniger Menschen regelmässig mit dem Velo zur Arbeit oder Ausbildung als noch 2020. Besonders stark ist der Rückgang bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Forschende sprechen von einem Warnsignal.

 

Dänemark exportiert seine Velokultur seit Jahrzehnten in die ganze Welt. Kopenhagen dient als Blaupause für urbane Veloplanung. Die dänische Hauptstadt trumpft mit den berühmten Cycle Superhighways und speziell errichteten Velobrücken auf. Kaum ein anderes Land wird so stark mit Alltagsradeln verbunden wie das nordische Königreich. Umso alarmierender wirken die neuen Zahlen der Universität Süddänemark (SDU): Die Dänen steigen seltener aufs Velo.

Junge lassen das Velo am häufigsten stehen

Gemäss der aktuellen Untersuchung, für die fast 200’000 Personen befragt wurden, ist der Anteil jener Erwachsenen, die mindestens dreimal pro Woche mit dem Velo zur Arbeit oder Ausbildung fahren, zwischen 2020 und 2025 von 28 auf 26 Prozent gesunken. Besonders markant zeigt sich der Rückgang in diesem Zeitraum bei jungen Menschen. Bei den 15- bis 19-Jährigen ist der Anteil der Velopendelnden um 16 Prozent gesunken, bei den 20- bis 29-Jährigen um 11 Prozent.

Die Forschenden sehen darin mehr als eine statistische Schwankung. Das Velo als Transportmittel sei für viele Menschen eine zentrale Quelle täglicher Bewegung, erklärt das Forschungsteam der SDU. Wenn diese Wege wegfallen, sinke nicht nur die körperliche Aktivität, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass Bewegung selbstverständlich in den Alltag integriert wird.

Sorge um die Gesundheit

Der Projektleiter Jens Høyer-Kruse sagt: «Das wirft ernsthafte Fragen zur künftigen öffentlichen Gesundheit und Stadtplanung auf». Das Velo bildete lange Zeit das Rückgrat der Mobilität junger Menschen. Dass es nun zunehmend stehen bleibt, könnte weitreichende Folgen für ihre späteren Bewegungsgewohnheiten haben. «Das ist aus Sicht der öffentlichen Gesundheit besorgniserregend», sagt er und fordert einen stärkeren Fokus auf die Gründe, weshalb junge Menschen immer seltener aufs Velo steigen.

Agglomeration verzichtet zunehmend aufs Velo

Die Entwicklung zeigt sich in ganz Dänemark aber besonders in der Agglomeration und den ländlichen Regionen, wo seit 2020 16 beziehungsweise 15 Prozent weniger Personen mit dem Velo zur Arbeit fahren. Die Agglomeration hat typischerweise viele Pendler. Der Rückgang könnte ein Indiz sein dafür, dass die Alltagslogistik gegen das Velo spricht.

«Wer den Veloverkehr fördern will, sollte Pendlerinnen und Pendlern den Weg zum Zug, Bus oder zu Park-and-Ride-Anlagen entlang grösserer Verkehrsachsen erleichtern», schlägt Jens Høyer-Kruse vor.

Auch Städte betroffen

Ein Rückgang ist aber auch dort, wo das Velo am häufigsten zum Einsatz kommt – in den Städten – sichtbar. In den grossen urbanen Zentren sank der Anteil der Velopendelnden von 47 auf 44 Prozent.

Die Entwicklung überrascht, weil gleichzeitig immer mehr E-Bikes unterwegs sind und Dänemark weiterhin massiv in Veloinfrastruktur investiert. Forschende weisen jedoch darauf hin, dass Infrastruktur allein nicht genügt. Entscheidend seien sichere, direkte und zusammenhängende Netze sowie attraktive Alternativen zum Auto auch ausserhalb der Städte.

Warnsignal für die Schweiz

Die Debatte ist auch für die Schweiz ein Hinweis darauf, dass eine starke Velokultur kein Selbstläufer ist. Selbst in einem Land, das international als Fahrradnation gilt, verändern sich Mobilitätsgewohnheiten rasch. Vor allem bei jungen Menschen. Velofahren muss attraktiv gemacht werden.

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