Von der «blöden» Schülerin zu Europas Top-Velomechanikerin

Die beste Velomechanikerin Europas kommt aus dem bernischen Guggisberg und arbeitet bei Thömus. Im Interview mit Velojournal äussert sie sich dazu, wie die E-Bikes die Velowelt verändern.

Pete Mijnssen ist Chefredaktor des Velojournals.

Pete Mijnssen, Chefredaktor (pete.mijnssen@velojournal.ch)
News, 01.09.2021

Pete Mijnssen: Die Elektronik hat das Berufsbild komplexer gemacht. Dennoch gilt Velomechaniker immer noch eher als Beruf für Absolventinnen und Absolventen der Sek B (Realschule) als für Sek-A-Schülerinnen und -Schüler.

Sandra Schmied: In der 6. Klasse hat mich die Lehrerin als «blöd» bezeichnet. Ich habe dann auch die Realschule (Sek B) besucht. Es hätte auch für die Sek gereicht, aber ich dachte mir: Lieber eine gute Realschülerin als eine vielleicht nicht so gute Sekschülerin (lacht). Als es um die Berufswahl ging, schnupperte ich bei Thömus. Am Ende der Schnupperwoche haben sie mir die Lehrstelle angeboten. Da musste ich nicht lange überlegen.  

Nachdem ich die Swiss-Skills-Meisterschaft gewonnen hatte, kam meine ehemalige Primarlehrerin übrigens zu mir, um zu gratulieren.

Hat Ihnen das Sich-selbst-Helfen auch bei den Swiss Skills geholfen?

Ich denke schon. Vor dem Wettbewerb haben wir von 2rad Schweiz die Überthemen erhalten, also jene Themen, die am Wettkampf vorkommen könnten. Zur Vorbereitung habe ich einige Tage freigenommen und mich mit den Themen vertraut gemacht.

Und wie lief der Wettbewerb ab?

Es gab verschiedene Posten mit Aufgaben, die zu erledigen waren. Zu den Aufgaben gab es jeweils eine Anleitung, die zu befolgen war. Die Aufgaben mussten jeweils in 90 Minuten ausgeführt werden.

«Nachdem ich die Swiss-Skills-Meisterschaft gewonnen hatte, kam meine ehemalige Primarlehrerin übrigens zu mir, um zu gratulieren.»

Was war die grösste Herausforderung?

Am Kompliziertesten war das Einstellen einer elektronischen Schaltung von Campagnolo. Die Anleitung lag nur in italienischer Sprache vor. Das war ein harter Brocken …

Sie haben den grössten Teil des Berufslebens noch vor sich. Was denken Sie, in welche Richtung sich die Velobranche entwickeln wird?

Ich denke, dass die hohe Nachfrage noch eine Weile weitergeht. Bei den E-Bikes gibts nach wie vor viel Potenzial. Es werden sich wohl noch mehr ältere Personen ein Elektrovelo zulegen, als das heute schon der Fall ist. Zudem wird das Velo immer mehr zum Hightech-Produkt. Die Integration von Komponenten schreitet weiter voran. Irgendwann wird man wohl keine Kabel mehr sehen an einem Fahrrad.


Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Velojournal hat anlässlich der Cycle Week im August ausführlich mit Sandra Schmied gesprochen. Mehr über die erfolgreiche Velomechanikerin gibts in Velojournal 5/21 zu lesen, ab 17. September am Kiosk oder direkt bei uns online.

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