Veloflicken wie ein Profi in Zürich

Velofahren liegt weiterhin im Trend. Entsprechend explodiert auch die Nachfrage nach Veloreparaturen. Wer selbst flicken lernen möchte, kann das in einem Veloflickkurs in Zürich tun.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 12.10.2022

In seiner kleinen Werkstatt Velo-Klinik in Zürich Altstetten bietet Tommaso Arzilla neben Reparaturservice auch Veloflickkurse für alle Alters- und Interessengruppen an.

Dass die Kursbesucher nachher ihr Velo selber reparieren können und nicht mehr auf seinen Werkstatt-Service zurückgreifen müssen, spielt für Tommaso keine Rolle. Im Gegenteil. Er schätzt es, mit den Teilnehmenden nach dem Kurs fachsimpeln zu können.

Alles begann 2018

Vor vier Jahren hat der velobegeisterte gebürtige Italiener einen kleinen Lagerraum gemietet, diesen als Fahrradwerkstatt eingerichtet und begonnen, nebenbei zweistündige «Light-Veloflickkurse» anzubieten.

In dem Kurs lernen die Teilnehmenden die Basics rund ums Reparieren von Fahrrädern, etwa einen Schlauchwechsel zu machen oder die Bremsen zu justieren.

Das Angebot stiess auf reges Interesse und schnell stieg auch die Nachfrage nach weiterführenden und vertieften Kursen für Reparaturarbeiten. Diese Nachfrage wird seit 2019 mit dem «Pro-Veloflickkurs» gedeckt. Bei sehr spezifischen Fragen bietet Arzilla auch Kurse für Einzelpersonen an.  

 

Auch für die Kleinsten

Tommaso Arzilla setzt aber schon bei den Kleinsten an. Zusammen mit dem Sportamt Zürich bietet er für Kinder ab dem Alter von 6 Jahren ebenfalls Veloflickkurse an.

Die wichtigsten Handgriffe wie zum Beispiel einen Schlauch flicken, das Velo putzen oder auch den Fahrradsattel richtig einstellen werden da spielerisch an einem Nachmittag vermittelt. «Zum Glück sind die Kurse im Sommer», meint er schmunzelnd. «Es wird oft ziemlich nass.»

Neue Ideen in der Krise

Die Coronakrise verschaffte dem Velo 2020 einen sprunghaften Aufschwung. Dadurch stieg auch der Bedarf an Reparaturen und an Velomechanikern, die Reparaturen Ausführen können.

Für dieses Problem rief Arzilla kurzerhand einen weiteren Kurs ins Leben. Die «Masterclass». Dieser Kurs richtet sich an Velomechaniker-Quereinsteiger und Menschen, die beruflich mit dem Fahrrad arbeiten möchten, sei es als Mechaniker oder in der Velovermietung.

In dem 8-wöchigen Kurs mit anschliessender Praktikumswoche wird alles, was man wissen muss, kompakt vermittelt. Ein ehemaliger Kursteilnehmer, der jetzt in einer Werkstatt arbeitet, meint dazu: «Für mich war der Kurs genau das Richtige. Ich wollte in den Beruf des Velomechanikers einsteigen und habe alles gelernt, was ich dafür benötigte. Sogar, wie man eine Werkstatt einrichtet und Inventur macht.»

Der unermüdliche Velomensch

Auch Tommaso Arzilla sieht in seinem «Masterclass»-Kurs viel Potenzial und hat schon weitere Ideen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Zum Beispiel mit einem Pool von Velomechanikerinnen und -mechanikern, die über eine Sharingplattform nach ihren spezifischen Fertigkeiten auf Stundenbasis gebucht werden könnten.

Bis jetzt gehen seine Konzepte auf. Mitte Oktober eröffnet er eine zweite Werkstatt an der zentral gelegenen Europaallee beim Zürcher Hauptbahnhof. Wie seine Werkstätten möchte er auch die Kurse weiter ausbauen. Diese Arbeit liebt er – genauso wie das Velo und das Networking.

 

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