Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
Ratgeber,
26.03.2026
Ein stolzer Moment: Nach 20 Minuten fuhr der Kleine allein Velo! Im Erfahrungsbericht verrät Redaktorin Julie Nielsen, welche 8 Vorbereitungen – von Balance-Übungen bis zum Schal-Trick – zum Veloerfolg des Sohns führten.
Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
Ratgeber,
26.03.2026
Kürzlich war er da: der grosse Moment. Der kleine Wicht, 3 ½ Jahre alt, fährt Velo. Mit Pedalen. Allein. Und das nach gerade einmal 20 Minuten Üben auf seinem Kindervelo.
Doch gelernt hat er das Fahren nicht in den 20 Minuten auf seinem Velo. Der Grundstein dafür wurde schon viel früher gelegt. Folgende Schritte haben uns zum unkomplizierten Veloerfolg verholfen:
Bevor Kinder überhaupt auf ein Velo steigen, steht etwas anderes im Zentrum: die Balance. Sie ist das Fundament des Velofahrens. Sowohl beim Balancieren auf dem Baumstamm als auch beim Klettern auf dem Spielplatz entwickelte der Kleine einen guten Gleichgewichtssinn und ein Gefühl für seinen Körper. Diese Erfahrungen sind entscheidend. Wer sich sicher bewegt, wird später auch auf zwei Rädern rascher Vertrauen gewinnen.
Beim Balancieren entstehen wichtige neuronale Verknüpfungen, die für Koordination und Bewegung nötig sind.
Mit einem vierräderigen Spielzeugvelo hat unser Sohn etwa im Alter von 1 ½ Jahren gelernt, sich mit den Füssen abzustossen und gezielt vorwärtszukommen. Dabei passiert viel mehr, als man denkt: Es wird nicht nur die Koordination geschult, sondern auch das Zusammenspiel von Bewegung, Richtung und Geschwindigkeit wird erfahrbar. Eine wichtige Vorbereitung fürs spätere Velofahren.
Bei ersten langsamen Ausfahrten konnten wir bereits Regeln im Aussenraum und in der Nähe von Strassen etablieren.
Wir benutzen das Velo regelmässig in unserem Familienalltag. Der kleine Wicht hat durch unsere Begeisterung selbst ein grosses Interesse für Velos entwickelt und findet Velofahren «einfach so cool». Entsprechend war er sehr stolz, als er mit dem Laufrad ein erstes «Velöli» bekam.
Das Laufrad, auch «Like a Bike» genannt, ist ein wichtiger Schlüssel zum Velofahren. Kinder lernen darauf ganz intuitiv, die Balance auf zwei Rädern zu halten, ohne sich um Pedalen oder Bremsen kümmern zu müssen. Das macht den späteren Umstieg auf ein richtiges Velo mit Pedalen sehr viel einfacher.
Am Anfang liessen wir ihn das «Velöli» in Ruhe untersuchen. Es ist schon etwas anderes, wenn das Fahrzeug nicht mehr von allein steht, sondern selbst gehalten und dann beim Fahren stabilisiert werden muss. So ist der Kleine zu Beginn einfach mit dem Laufrad zwischen den Beinen herumspaziert. Mit ein wenig Anschubhilfe konnte er dann später das mit dem Rutschfahrzeug erlernte Bewegungsmuster anwenden.
Auf dem Like a Bike wird Reaktion und Koordination trainiert und das Gehirn lernt: «So fühlt sich Gleichgewicht in Bewegung an».
Als er das Prinzip einmal verstanden hatte, dauerte es nicht lange, bis die Füsse in die Luft gehoben wurden und er begann – mit wachsender Sicherheit – mit verschiedenen Abstosstechniken zu experimentieren.
Die Begeisterung war geweckt. Als er merkte, dass er Geschwindigkeit aufnehmen und das Gleichgewicht selbst halten kann, wich die anfängliche Vorsicht purer Freude.
Im Alter von 3 Jahren äusserte der kleine Wicht den Wunsch, bald richtig mit Pedalen Velofahren zu lernen. Doch bevor es mit mehr Tempo und Pedalen losgehen sollte, war mir wichtig, dass er sich mit dem Bremsen vertraut macht. Das Bremsen ist mindestens genauso wichtig wie das Fahren selbst. Kinder müssen lernen, wie stark sie bremsen müssen, wie sich das anfühlt und wann sie reagieren müssen. Ich bin überzeugt, dass es sinnvoll ist, sich Schritt für Schritt ans Velo heranzutasten. So müssen sodass sich Kinder nicht auf zu viele neue Dinge auf einmal konzentrieren. Deshalb habe ich am neuen grossen Kindervelo zuerst die Pedale entfernt und den Kurbelarm mit Kabelbindern am Rahmen fixiert.
Dann war es so weit: Die erste Fahrt auf dem Velo stand an. Der erste Versuch mit Pedalen lief bei uns – entgegen allen Erwartungen – nicht rund. Die Balance war da, das Vertrauen auch. Aber sobald es ums Treten ging, wurde es schwierig.
Im Nachhinein wurde schnell klar, woran es lag: Wir hatten uns zu stark auf das Laufrad konzentriert. Das Balancehalten hat unser Sohn dadurch zwar hervorragend gelernt, doch das eigentliche Pedalieren kam zu kurz. Dreiräder oder andere Fahrzeuge mit Pedalen hatten wir schlicht vernachlässigt.
Als er dann plötzlich zügig in die Pedale treten sollte, fehlte ihm genau dieses Bewegungsmuster. Der kleine Wicht wusste nicht recht, wie er die Füsse einsetzen muss.
Für uns als Eltern war das eine wichtige Erkenntnis: Balance ist das eine, aber das Pedalieren muss genauso geübt werden.
Bevor es aufs «richtige» Velo geht, lohnt sich deshalb ein Zwischenschritt mit Pedal-Fahrzeugen, die besonders stabil sind. Hier lernen Kinder die grundlegende Bewegung des Tretens. Wie funktioniert der Antrieb? Was passiert, wenn ich schneller in die Pedale trete? Gleichzeitig festigt sich das Bewegungsmuster. Das wiederholte Pedalieren verankert den Ablauf im Kopf und macht ihn zunehmend automatisiert und selbstverständlich.
Dann kam der Moment der Wahrheit. Pedale wieder dran und los.
Das Anfahren ist für viele Kinder die grösste Hürde: Zuerst müssen die Pedalen in die richtige Stellung gebracht werden. Nach dem ersten Tritt muss mit dem zweiten Fuss zügig in die Pedalen getreten werden, damit das Velo Fahrt aufnimmt. Denn fährt das Velo zu langsam, wird es instabil. Beim kleinen Wicht war es nicht anders. Hilfreich sind deshalb leicht abschüssige – nicht zu steile – Strecken. Sie sorgen für die nötige Anfangsgeschwindigkeit, damit sich das Kind auf das Treten und Platzieren der Füsse konzentrieren kann.
Am Anfang haben wir unseren Sohn mit einem Schal um den Oberkörper stabilisiert, später nur noch leicht an der Jacke gehalten. Und dann haben wir ihn losgelassen. Und er ist gefahren. Allein. Und das nach gerade einmal 20 Minuten Üben auf dem Kindervelo. Ein grosser Moment.
Seitdem heisst es: Fahren, Fahren, Fahren. Ein klar abgegrenzter, sicherer Raum wie etwa ein leerer Parkplatz oder ein ruhiger Pausenplatz bietet ideale Bedingungen. Dort kann der kleine Wicht ausprobieren, Kurven fahren, bremsen, anfahren. In seinem Tempo, bis er die Abläufe automatisch kann. Seine Schwester, die Kichererbse, übt dort auch fleissig mit ihrem kleinen Laufrad.
Doch Velofahren lernt man nicht an einem Nachmittag, denn die Technik ist nur der Anfang. Das eigentliche Velofahren beginnt mit dem Verstehen von Situationen, dem richtigen Einschätzen von Tempo und Umgebung und dem sicheren Bewegen im Alltag.
Die wichtigste Basis für das Velofahren ist der Gleichgewichtssinn. Dieser wird schon früh durch Klettern, Balancieren auf Spielplätzen und später durch Rutschfahrzeuge trainiert. Das Laufrad (oft auch «Like a Bike» genannt) ist dann der entscheidende Schlüssel: Hier lernen Kinder intuitiv, die Balance auf zwei Rädern zu halten, was den späteren Umstieg aufs Velo enorm erleichtert.
Bevor Kinder gleichzeitig treten, lenken und das Gleichgewicht halten müssen, sollten sie das Bremsen üben. Wenn man die Pedale vorübergehend abmontiert (und die Kurbelarme z. B. mit Kabelbindern am Rahmen fixiert), kann sich das Kind ohne Überforderung voll und ganz darauf konzentrieren, wie die Bremsen funktionieren und wie sich das Verzögern anfühlt.
Ein Laufrad trainiert die Balance hervorragend, vernachlässigt aber die Tretbewegung. Wenn Kinder nie auf einem Dreirad oder einem stabilen Tretauto geübt haben, fehlt ihnen oft schlichtweg dieses motorische Bewegungsmuster. Ein Zwischenschritt mit einem stabilen Pedalfahrzeug hilft dabei, das Treten zu verinnerlichen und zu automatisieren, bevor es auf das «richtige» Velo geht.
Das Anfahren mit dem Fahrrad ist für Kinder anfangs oft die grösste Hürde. Ein bewährter Trick: Binden Sie dem Kind einen Schal um den Oberkörper (Brustbereich). So können Sie es beim wackeligen Anfahren sicher stabilisieren, ohne das Velo selbst krampfhaft festzuhalten. Zusätzlich hilft eine leicht abschüssige Strecke, um zu Beginn einfacher Schwung zu holen.

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