Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
Kommentar,
26.01.2026
Fachkräftemangel, Preiskämpfe und «giftiges» Kapital: Am Branchentreffen Infotech wurde Klartext geredet. Wie der Schweizer Velohandel trotz Margenschwund bestehen will und wo in der Krise Hoffnung liegt.
Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
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26.01.2026
Die Schweizer Velobranche trifft sich jeweils zum Jahresanfang an der Infotech. Die Veranstaltung vermittelt ein Stimmungsbild der Branche. (Fotos: ZVG)
Am alljährlichen Velo-Branchentreffen bilden neben den Seminaren traditionell die Podiumsdiskussionen das Herzstück. Dieses Jahr hatte sich das Organisationsteam besonders viel vorgenommen und lud gleich zu drei Gesprächsrunden.
Den Auftakt machte eine Vorstellungsrunde mit Nathalie Schneitter, der neuen Präsidentin und Geschäftsführerin des Schweizerischen Fahrradlieferantenverbandes Velosuisse, sowie Robert Weishaupt, dem Präsidenten des Branchenverbands 2rad Schweiz.
Zum Auftakt der 23. Infotech begrüssten 2-Rad-Schweiz-Präsident Robert Weishaupt (links) und Velosuisse-Präsidentin Nathalie Schneitter das Publikum. (Foto: ZVG)
Die zweite Runde widmete sich dem akuten Fachkräftemangel. Laurens van Rooijen von Cyclinfo lieferte dazu die Zahlen einer repräsentativen Umfrage. In der anschliessenden Diskussion waren sich die Fachpersonen bei der Analyse zwar einig, bei den Lösungen zeigte sich jedoch die Komplexität der Lage: Das angestaubte Image des «Velomechs», die geringe Wertschöpfung im Handel und die stetig steigenden Ansprüche der Kundschaft bereiten Sorgen.
Ein mögliches Fazit der Runde: Wer heute bestehen will, muss Menschen mögen, den Betrieb effizient organisieren und das Spannungsfeld zur Onlinekonkurrenz aushalten können.
Auch das grosse Branchen-Abendforum unter der Leitung von Christian Rocha befasste sich mit den Umwälzungen in der Wertschöpfungskette. In seinem kurzweiligen Input-Referat skizzierte Velosuisse-Vizepräsident Christian Bättig (Chris Sports), wie sich der Markt im letzten Jahrzehnt gewandelt hat.
«Omnichannel» lautet die Zauberformel in der heutigen globalisierten Marktwirtschaft. Dem Kaufverhalten der Kundschaft folgend, nutzen inzwischen fast alle Akteure mehrere Kanäle – auch den Online-Verkauf.
«Private-Equity-Gesellschaften sind Gift für die Branche.»
Christian Bättig, Chris Sports
Im Nachgang der Corona-Pandemie, geprägt von Lieferkettenproblemen und dem darauffolgenden globalen Überlager, gerieten die Preise auf allen Handelsstufen unter Druck. Die Folgen: Margenerosion und ein Abwandern von Erträgen in den reinen Online-Handel.
Dass diese Entwicklung nicht spurlos am stationären Fachhandel vorbeigeht, verdeutlichte das anschliessende Podiumsgespräch mit Fachhändler und Swiss-Primebike-Group-Präsident Urs Vogelsanger, Veloplus-Geschäftsführer Dominique Metz, Reto Meyer (Co-CEO Tour de Suisse Rad) sowie Christian Bättig.
Zum Auftakt des Branchenforums bot Christian Bättig einen Abriss über Veränderungen in der Wertschöpfungskette.
Bättig zeichnete einen Abriss der Marktentwicklung: Während die «Big Four» (Cannondale, Trek, Specialized, Giant) in den 1990er-Jahren dominierten, sei die Planbarkeit im Handel bis 2019 noch intakt gewesen. Die Pandemie und der Einstieg branchenfremder, kapitalkräftiger Player hätten den Markt jedoch massiv verändert.
Diese Private-Equity-Gesellschaften bezeichnete er drastisch als «Gift für die Branche». Auch wenn er sich zahlenmässig nicht direkt in die Karten blicken liess, deutete er an, dass das vergangene Jahr wohl noch schwieriger ausgefallen sei als erwartet. Bättig konstatierte nüchtern: «Es kommt immer einer, der günstiger ist», und fragte rhetorisch in die Runde: «Sind Tagespreise das nächste?»
«Tolle Produkte werden das Velo – die schönste Mobilitätsform überhaupt – weiterbringen.»
Reto Meyer, Tour de Suisse Rad
Mit Ausnahme des Segments Gravel verlaufe der Abverkauf weiterhin «klebrig». Dennoch bleibt Bättig optimistisch, dass die familiengeführten Firmen der Bikebranche diese Krise gemeinsam überwinden werden. Zentrale Voraussetzungen seien eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Industrie und das Gelingen, die junge Generation (14–24 Jahre) wieder vermehrt als Kunden zu gewinnen.
Für Dominique Metz von Veloplus ist die Velobranche ein «Ökosystem», in dem alles zusammenhängt. Der direkte Kundenkontakt – Stichwort Emotionen – sei elementar, Rabattschlachten für den Fachhandel hingegen tödlich. Metz folgert daraus, dass die Branche zwingend in Ausbildung und gute Personalpolitik investieren müsse. Zudem sei über die «Velopolitik» der Einsatz für eine bessere Infrastruktur unabdingbar – ein Votum, das ihm Szenenapplaus einbrachte.
Reto Meyer von Tour de Suisse schloss den Anlass mit einer positiven Note: Er ist überzeugt, dass «tolle Produkte das Velo – die schönste Mobilitätsform überhaupt – weiterbringen werden.»
Die Branche hat turbulente Jahre hinter sich, zeigte sich am Treffen aber bereit, weiterzukämpfen.

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