Velo-Ikonen: Das Bouncing Bike

1933 kam in den USA das sogenannte Bouncing Bicycle auf den Markt. Dessen spezielle Antriebsweise ohne Pedalen versprach einen zusätzlichen Trainingseffekt für schöne Beine und einen flachen Bauch. Bis heute existiert das unorthodoxe Velo in einer Nische.

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Julie Nielsen
08.01.2020

Fitness ist schon lange ein wichtiges Thema. Auch Anfang der 1930er-Jahre, als in den USA das Bouncing Bicycle auf den Markt kam. Das skurrile Velo verfügte über eine spezielle Konstruktion mit mehreren Gelenken am Rahmen.

Der Antrieb auf dem Fahrrad ohne Pedale erfolgte durch eine rhythmische Auf- und Abwärtsbewegung des Sattels und der Beine. Diese etwas eigenartig anmutende Art der Fortbewegung versprach eine straffe Oberschenkelmuskulatur und einen flachen Bauch.

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Gut zwanzig Jahre später wurde das Konzept eines Fahrradantriebs, der nicht mit den Füssen über Pedalieren, sondern durch Körperbewegungen betrieben werden sollte, wieder aufgegriffen. Der deutsche Maschinen- und Flugzeugbauingenieur Günter Bals konzipierte in den 50er-Jahren erstmals ein Kindervelo mit einem den ganzen Körper einbeziehenden Veloantrieb.

In den 70er-Jahren designte Bals einen ersten Prototypen für Erwachsene: Das «Balsbike». Der Rahmen bestand aus vier Gelenken, von denen zwei Rahmenrohre als Schubstange auf die Kurbelarme des Antriebzahnrads wirkten. Der Antrieb erfolgte durch ein Auf- und Niederwippen. Eine Art der Fortbewegung, die ans Reiten erinnert.

cavallo bike, hercules«Cavallo» von Hercules

Solche «Fun Bikes» sind typisch für die 1970er. Nach dem Zweiten Weltkrieg stagnierte die Entwicklung des Velos. Direkt nach Kriegsende war an den Kauf eines neuen Velos ohnehin nicht zu denken, und während des folgenden Wirtschaftswunders verkam das Velo zu einem billigen Massenverkehrsmittel und das Auto rückte in den Vordergrund. Erst mit der Erdölkrise Mitte der 70er-Jahre rückte das Velo als Verkehrsmittel wieder in den Fokus.

Viele Hersteller versuchten damals, durch unkonventionelle Velos zu punkten. So entstanden neue, teilweise bis heute erhältliche Velotypen wie BMX-Räder, Mountainbikes, Liege- und Klappräder. Im Zuge dessen erwarb der Velohersteller Hercules Ende der Siebziger die Lizenz zu Bals «Reitrad« und brachte es mit dem passenden Namen «Cavallo» auf den Markt. Jedoch wurde die Herstellung nach einer Serie bereits wieder eingestellt.

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Der Erfinder Günther Bals hat jedoch an der Idee festgehalten und das mechanische Prinzip seines «Balsbikes» zum «Swingbike» weiterentwickelt, welches nun wie das Bouncing Bike 1933 vor allem als Fitnessgerät und in der Physiotherapie als eine Art Ergometer nach Operationen am Bewegungsapparat eingesetzt wird.

 

 

Foto: oldbike.eu

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