Vanmoof definitiv am Ende

Mitte Juli räumte ein Bezirksgericht dem niederländischen E-Bike-Hersteller Vanmoof noch Gläubigerschutz ein. Nun hat das gleiche Gericht das Unternehmen für insolvent erklärt. Was ging da genau schief?

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@cyclinfo.ch)
News, 07.08.2023

Mit durchgestylten E-Bikes, einer starken Präsenz im digitalen Raum und einem schlanken, direkt auf Endkonsumentinnen und -konsumenten gerichteten Vertriebsmodell zogen Vanmoof und Cowboy in den vergangenen Jahren Kunden wie Investoren an.

Beide Marken setzten auf stylische Elektrovelos für die Stadt, mit weitgehender Integration von teils eigens für diese E-Bikes entwickelten Komponenten. Und beide haben mit tiefen Preisen operiert, um neue Käufergruppen zu erschliessen und schnell zu wachsen.

Zuletzt machten aber beide Marken auch mit gravierenden Problemen Schlagzeilen: Cowboy musste den Wert der Firma markant herabsetzen, um überhaupt an weiteres Kapital von Investoren zu kommen.

Und der einstige Investoren-Liebling Vanmoof musste gar Gläubigerschutz beantragen – ehe die Lichter ganz ausgingen.

Kampfpreise zum eigenen Schaden

Insbesondere die Probleme von Vanmoof wurden in den Niederlanden auch von der Tagespresse beleuchtet. Auf Basis der Geschäftszahlen der Unternehmen bietet der Finanzanalyst Floris van der Pijl interessante Einblicke und Erkenntnisse und bestätigt die Vermutung, dass viele Start-ups nicht für einen wirtschaftlichen Abschwung gerüstet und in ihrem Fortbestehen damit stark von der Konjunktur abhängig sind.

Konkret ortet van der Pijl eine Reihe von Problemen bei Vanmoof und Cowboy. So setzen beide Unternehmen die Preise ihrer Produkte zu tief an, wodurch sie keine vernünftige Marge erzielen. Cowboy hat diesen Fehler erkannt und die Preise nach oben angepasst, wodurch der Trend hin zu mehr Verlusten gebrochen werden konnte.

Vanmoof: Rasche Expansion mit unausgereiftem Produkt

Im Fall von Vanmoof kam erschwerend dazu, dass mit der Vanmoof-«S3»-Serie ein technisch mangelhaftes Produkt in grossen Stückzahlen auf den Markt gebracht wurde.

Allein im Jahr 2021 musste Vanmoof darum 316 (!) neue Stellen im Bereich Service schaffen – mit den entsprechenden Folgekosten und der Konsequenz, dass jedes E-Bike faktisch mit Verlust verkauft wurde.

Zudem gönnte sich Vanmoof bei einem Jahresvolumen von 40'000 E-Bikes eine eigene Fertigung in Taiwan, statt wie üblich Partnerschaften mit bestehenden Produzenten zu suchen.

Dies trieb die laufenden Betriebskosten des Unternehmens weiter in die Höhe und führte zu einer Erosion des Betriebskapitals.

Auswege aus der Misere

Am Schluss seiner Analyse wagt sich van der Pijl an einen Ausblick und kommt zum Schluss, dass zwei Aufgaben vorrangig sind: Erstens müssen die E-Bikes von Cowboy und Vanmoof realistisch eingepreist und damit deutlich teurer werden, damit eine solide Marge erzielt werden kann. Zweitens muss bei der Zuverlässigkeit markant nachgebessert werden, damit im Aftersales-Bereich weniger Folgekosten anfallen.

Generell müssten beide Unternehmen ihre Ausgaben überprüfen und Kosten reduzieren. Um künftig wieder zu einem Thema für Investoren zu werden, müssten beide Unternehmen zudem schneller als der gesamte E-Bike-Markt wachsen.

Mit der Insolvenz von Vanmoof hat sich die Sanierung bei einem der beiden Unternehmen bereits erübrigt.

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