Wenn die Tage kürzer und kälter werden, verschwinden viele Velos im Keller. Eine umfangreiche Schweizer Studie hat nun untersucht, wie sich Velofahrende auch in der kalten Jahreszeit motivieren lassen.
Im Winter geht die Velonutzung zurück. Natürlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen – etwa Oulu, eine finnische Stadt am Polarkreis. Doch für viele Schweizer Städte stimmt diese Aussage.
Doch wie lässt sich dieser Trend effektiv umkehren? Dieser Frage widmete sich ein Forschungsteam der Hochschule Luzern (HSLU) in einer aktuellen Studie. Dafür führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine umfassende Online-Befragung mit mehr als 11’000 «Bike to Work»-Teilnehmenden durch.
Die Untersuchung mit dem Titel «Braving the elements» ist laut den Forschenden die erste ihrer Art, die verschiedene Verhaltensanreize für das Velofahren im Winter systematisch unter die Lupe nimmt.
Fünf Anreize im Vergleich
Die Forschenden testeten die Wirkung von fünf verschiedenen Anreizen (sogenannten «Stimuli»), um die Bereitschaft zu erhöhen, im Winter häufiger aufs Velo zu steigen.Dazu gehörten:
- Ein finanzieller Anreiz (Rabatt auf die Krankenkassen-Zusatzversicherung)
- Die Möglichkeit zum sozialen Vergleich (die eigene Fahrzeit mit der von anderen abgleichen)
- Ein zusätzlicher, bezahlter Ferientag
- Wettbewerbspreise oder die Verlosung von Gutscheinen/Velozubehör
- Das Setzen persönlicher Ziele und das Nachverfolgen des eigenen Fortschritts
Alle fünf Methoden zeigten gemäss der Studie eine positive Wirkung. Am effektivsten war jedoch der zusätzliche Ferientag. Und dies aus verschiedenen Gründen: Der extra Ferientag hat einen hohen wahrgenommenen Wert, da freie Zeit für viele kostbarer ist als Geld oder kleine Preise. Gleichzeitig ist die Belohnung klar und direkt mit dem Verhalten verknüpft – wer im Winter in die Pedale tritt, gewinnt spürbar Freizeit.
Zudem vermittelt ein Ferientag Wertschätzung seitens des Arbeitgebers und wirkt universell attraktiv, unabhängig von Fitness oder Ehrgeiz. Diese Kombination aus praktischem Nutzen, emotionaler Attraktivität und symbolischer Anerkennung macht ihn stärker als andere untersuchte Massnahmen.
Am wenigsten überzeugte laut Studie hingegen der soziale Vergleich. Das Wissen darum, wie viel andere fahren, scheint für die eigene Motivation eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Identität schlägt Sicherheitsbedenken
Die Studie identifizierte auch vier zentrale psychologische Faktoren, die die Motivation massgeblich beeinflussen. Eine starke Velo-Identität (sich selbst als Velofahrerin oder Velofahrer zu sehen) und ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein sind starke Treiber, um auch in der Kälte in die Pedale zu treten.
Zentral sind zudem Sicherheitsbedenken. Die Studie unterscheidet hierbei zwischen Wetter-Sicherheitsbedenken (Sorgen wegen Nässe, Kälte und Dunkelheit) sowie Fahrbahn-Sicherheitsbedenken (Angst vor schnee- und eisbedeckten Wegen).
Interessanterweise beeinflussen vor allem die Sorgen vor schlechtem Wetter wie gut die Anreize wirken. Bei Personen mit geringen Wettersorgen ist der zusätzliche Ferientag besonders wirksam.
Freie Tage als Turbo für die Velomobilität
Die Ergebnisse liefern Hinweise für Gemeinden, Unternehmen und Velo-Organisationen. Anstatt nur auf kostspielige Infrastrukturmassnahmen zu setzen, können auch «weiche» Verhaltensanreize viel bewirken.
Ein von Unternehmen angebotener Ferientag könnte ein wirksames Instrument sein, um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu fördern und nachhaltige Mobilität zu stärken. Gleichzeitig unterstreichen die Studienautoren die Wichtigkeit von gut geräumten Velowegen, um die primäre Angst vor Schnee und Eis zu reduzieren.







