Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
News,
30.07.2026
Velocamping geht auch komfortabel: Statt Zelt und Isomatte setzen einige Hersteller auf Wohnanhänger fürs Velo. Die Auswahl ist klein, die Konzepte kreativ. Wir zeigen im Überblick die spannendsten Modelle.
Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
News,
30.07.2026
Der Spezielle unter den Besonderern: Der Camperanhänger von BeTriton kann nicht nur als Zweirad und mobiles Zuhause, sondern auch als Boot eingesetzt werden (Bild: BeTrition)
Wer mehrere Tage mit dem Velo unterwegs ist, kennt das Ritual: Nach der Etappe wird das Zelt aufgebaut, die Isomatte aufgeblasen und am nächsten Morgen alles wieder verstaut, egal ob trocken oder klatschnass.
Genau dieses tägliche Auf- und Abbauen wollen Velo-Camper überflüssig machen. Die Idee ist einfach: Die Unterkunft fährt jederzeit einsatzbereit im Anhänger mit. Am Ziel wird sie lediglich aufgeklappt oder aufgeblasen und ist innert weniger Minuten bezugsbereit.
Doch während Wohnwagen hinter Autos längst selbstverständlich sind, bleibt das Angebot für Zweiräder erstaunlich klein. Wir stellen Modelle und Erfolgsgeschichten vor.
Ein bekannter Vertreter der Velo-Camperanhänger ist der «Wide Path Camper» aus Dänemark. Während der Fahrt misst der Anhänger lediglich rund 1,5 Meter Länge. Auf dem Campingplatz wird die hintere Hälfte aufgeklappt und verwandelt sich in einen kleinen Wohnwagen. Innen finden zwei Personen Platz zum Schlafen, tagsüber dient der Innenraum als Sitzgruppe für bis zu vier Personen. Rund 300 Liter Stauraum befinden sich unter der Liegefläche. Laut Hersteller dauert der Aufbau weniger als drei Minuten und kommt ohne Werkzeug aus.
Der Komfort hat allerdings seinen Preis: Der Camper kostet rund 4400 Franken und bringt deutlich mehr Gewicht auf die Strasse als ein klassisches Bikepacking-Setup. Damit richtet er sich eher an gemütliche Touren oder an Reisende mit E-Bike.
Klein aber oho! Der Anhänger Wide Path Camper bietet mehr Komfort als jedes Zelt. (Bild: Wide Path Camper)
Der «QTvan» sorgte als einer der ersten Schlafanhänger bereits 2012 für Schlagzeilen. Entwickelt wurde er in Grossbritannien ursprünglich als der kleinste Wohnwagen der Welt. Im geschlossenen Zustand erinnert er an einen kompakten Anhänger, aufgeklappt bietet er Platz für eine Person zum Schlafen. Zur Ausstattung gehörten – je nach Version – eine ausziehbare Küche, Stauraum sowie Extras wie Solarpanels, Radio oder sogar ein kleiner Fernseher. Anders als neuere Konzepte wurde der QTvan nie in grösseren Stückzahlen gebaut und blieb vor allem ein spektakuläres Demonstrationsprojekt. Nichtsdestotrotz hat es der «QTvan» 2014 als der «world’s smallest caravan» ins Guiness Buch der Weltrekorde geschafft.
Zu frühen Entwicklungen der Camperanhänger für Velos gehört auch der seit 2012 verfügbare «Kamp-Rite Midget Bushtrekka». Diese Spezialentwicklung setzte nicht auf einen Mini-Wohnwagen, sondern auf eine Kombination aus Gepäckanhänger, Feldbett und Zelt. Tagsüber transportierte der Anhänger das Gepäck, nachts entsteht daraus mit wenigen Handgriffen ein erhöhtes Bett mit integriertem Zelt. Das Konzept gilt als leicht und geländetauglich. Dieser modulare Aufbau ist mit rund 400 Franken deutlich günstiger als Mini-Camper mit luxuriöser Ausstattung.
Das österreichische Produkt «B-Turtle» wiederum setzt auf Luftkammern, welche den transportablen Wohnbereich aufrechterhalten. Im Fahrbetrieb sieht «B-Turtle» wie ein gewöhnlicher Gepäckanhänger aus. Dieser verwandelt sich aber auf dem Campingplatz in wenigen Minuten in einen kleinen Wohnwagen mit integriertem Klappzelt. Der Anhänger selbst dient dabei als Bettplattform, darüber spannt sich das aufblasbare Zelt auf. Dadurch bietet der «B-Turtle» deutlich mehr Platz als klassische Bikepacking-Zelte, bleibt aber wesentlich leichter als ein Mini-Wohnwagen. Je nach Ausführung wiegt das System rund 30 Kilogramm und lässt sich mit zusätzlichem Gepäck beladen. Der Hersteller setzt auf eine modulare Bauweise mit Küche, Stauraum und verschiedenen Komfortoptionen. Ohne Zelt kann der Anhänger im Alltag als einfacher Transportanhänger am Velo eingesetzt werden.
Das wohl aussergewöhnlichste Konzept «BeTriton» stammt aus Lettland. Das Fahrzeug vereint drei Funktionen: ein elektrisches Lastendreirad, ein kleines Boot und eine Schlafkabine für zwei Personen. Die Idee entstand während einer über 30 000 Kilometer langen Veloreise des Firmengründers. Inzwischen ist daraus ein serienreifes Fahrzeug entstanden. Die aktuelle Version erreicht als E-Trike bis zu 150 Kilometer Reichweite, auf dem Wasser rund 25 Kilometer. Im Innern befinden sich zwei Schlafplätze, Stauraum, Beleuchtung sowie USB-Anschlüsse. Parallel dazu entwickelt «BeTriton» auch einen leichteren Anhänger, der hinter einem gewöhnlichen Velo oder E-Bike gezogen werden kann und ebenfalls als schwimmfähiger Mini-Camper dient.
Serienmässig produzierte Velo-Wohnwagen sind bis heute eine Seltenheit. Umso spannender sind kleine Manufakturen und Tüftler, die ihre Konzepte kontinuierlich weiterentwickeln. Dazu gehört das Schweizer Projekt «Velotark». Vor rund vier Jahren entstand in Uzwil der erste Prototyp eines Schlafanhängers von «Velotark». Dies aus dem Wunsch der Tüftler heraus, nachhaltiges und unabhängiges Reisen mit dem Velo zu ermöglichen. Heute entstehen die Wohnwagen in Handarbeit und werden individuell an die Wünsche der Kundschaft angepasst. «Velotark» bietet drei Grundvarianten an: Single Trailer für eine, sowie den Twin Trialer für zwei Personen und das Modell Voyager mit Hilfsmotor. Dahinter steht die Überzeugung, dass langsames Reisen mehr Begegnungen, intensivere Naturerlebnisse und grössere Freiheit ermöglicht.
Dass sich Velo-Camper bislang kaum durchgesetzt haben, überrascht nicht. Moderne Bikepacking-Ausrüstung ist leicht, kompakt und vergleichsweise günstig. Ein Mini-Wohnwagen bedeutet dagegen zusätzliches Gewicht, höhere Anschaffungskosten und Einschränkungen auf schmalen Wegen. Viele Hersteller raten bereits online, ihre Produkte ausschliesslich mit elektrischem Hilfsmotor zu ziehen und die Routenwahl dem Fahrzeug anzupassen.
Dennoch üben die rollenden Mini-Häuser eine besondere Faszination aus. Sie sprechen weniger sportliche Kilometerjäger an als Menschen, die das Reisen selbst zelebrieren möchten. Wer nicht jeden Morgen Zeltstangen sortieren, sondern nach wenigen Minuten bei einer Tasse Kaffee vor seinem kleinen mobilen Zuhause sitzen möchte, findet im Velo-Camper eine ungewöhnliche Alternative.
Für Veloanhänger gibt es keine ausdrücklich festgelegte Maximallänge. Entscheidend ist, dass das Gespann sicher geführt werden kann und die Verkehrsregeln eingehalten werden.
Sofern das Velo-Rücklicht vom Anhänger verdeckt wird, muss der Anhänger bei Nacht oder schlechter Sicht mit einem Rücklicht ausgestattet sein.
Anhänger müssen über nicht-dreieckige Rückstrahler verfügen.
Veloanhänger benötigen weder ein Kontrollschild noch eine Zulassung.
Das Systemgewicht des Anhängers (Fahrzeug und Ladung) darf maximal 80 kg betragen.

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