Laurens van Rooijen,
Autor
(lvr@cyclinfo.ch)
News,
Kultur,
08.01.2026
Cannondale-Gründer Joe Montgomery ist tot. Von Alurahmen-Innovationen über den MTB-Boom bis zum Beinahe-Konkurs: Ein Rückblick auf das Erbe des Visionärs, der die Velowelt mit «Handmade in the USA» nachhaltig prägte.
Laurens van Rooijen,
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08.01.2026
Die Geschichte von Cannondale begann im Jahr 1971 – aber noch nicht mit Velos, sondern mit dem Anhänger «The Bugger». In der Folge ergänzte Cannondale das Sortiment um Packtaschen, Outdoor-Bekleidung und Zelte. Erst 1983 kam Montgomery mit einem Luftfahrts-Ingenieur ins Gespräch.
Dieser schwärmte vom Potenzial von Aluminium als Baumaterial für Velorahmen: Wenn man die Rohrdurchmesser erhöhe und die Wandstärken reduziere, sei dies dem bewährten Stahl mindestens ebenbürtig. Das Resultat war das Cannondale «ST500», ein Trekking- und Tourenvelo mit einem Rahmen aus Oversized-Alurohren.
Beim Firmennamen liess sich Joe Montgomery von diesem kleinen Bahnhof in Wilton, Connecticut inspirieren.
Der grosse Wachstumsschub von Cannondale folgte mit dem Mountainbike-Boom: Mit dem «E.S.T.» präsentierten die US-Amerikaner 1991 einen Rahmen mit Hinterrad-Federung und hohem Drehpunkt. Ein Jahr später erfolgte die Lancierung der eigenen Federgabel-Marke Headshok und die Eröffnung einer Europa-Zentrale in den Niederlanden.
Ein fester Bestandteil von Produktentwicklung und Marketing war dabei über Jahrzehnte das Engagement im Rennsport: Im Gelände gab das Volvo-Cannondale-Werksteam mit den Ton an und mit dem Saeco-Team griff Cannondale auch in den Strassenrennsport ein. Später gewann auch Peter Sagan auf Rennern von Cannondale.
Cannondale überraschte in den 1990er-Jahren immer wieder mit wilden Konzept-Bikes: Dieser Entwurf von Alex Pong blieb ein Konzept.
Um den Weg für weiteres Wachstum frei zu machen, brachte Joe Montgomery Cannondale schon 1995 an die Börse. Das verschaffte Zugang zu Kapital, zwang das Unternehmen aber auch zu stetem Wachstum und machte es von den Launen der Konjunktur und der Investoren abhängig. Mit Selbstläufern wie dem «Super V» und dem «Raven» als einem der ersten Carbon-Fullies auf dem Markt war das zunächst kein Problem.
Als Cannondale jedoch eigene Cross-Motorräder und ATVs mit selbst entwickelten Motoren zu bauen begann, war der Bogen überspannt – zumal sich auch die Wirtschaft wegen dem Platzen der Dot-Com-Blase im Abschwung befand: Die US-Amerikaner verlochten USD 80 Millionen statt der vorgesehenen USD 20 Millionen mit dem Projekt, brachten dennoch kein fertiges Produkt auf den Markt und mussten 2003 Gläubigerschutz beantragen.
Schon 1998 stellte Cannondale mit dem «DHR Flucrum» einen Boliden mit virtuellen Drehpunkt und indirektem Antrieb auf die Räder.
Dieser Schritt war das Ende des Familienunternehmens Cannondale: Joe Montgomery schied aus dem Unternehmen aus, dafür stieg mit Pegasus ein Spezialist für Restrukturierungen ein. Dieser zog dem Motorrad-Projekt den Stecker und brachte das Unternehmen wieder in die Gewinnzone, ehe es an Dorel Sports verkauft wurde.
Die Kanadier verlegten 2014 die Rahmenfertigung und Montage von den Vereinigten Staaten nach Taiwan und in die Niederlande, womit der alte Slogan «Handmade in the USA» hinfällig war.
Im Oktober 2021 wechselte die gesamte Velosparte von Dorel dann unter das Dach des rasch wachsenden Pon.Bike-Konzerns – Cannondale inklusive. Joe Montgomery selbst hatte nach dem Ausscheiden aus dem von ihm gegründeten Unternehmen umgesattelt und in das Geschäft mit Software gewechselt.
Joe Montgomerys rastloses Leben ist nun zu Ende. Der Branchenpionier ist am 2. Januar im Alter von 86 Jahren verstorben.

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