Kreiselfahren macht Schule

Verkehrskreisel sind Velounfall-Hotspots. Ein Vorzeigeprojekt in Uster lehrt Schülerinnen und Schüler das richtige Befahren eines Kreisels und sensibilisiert gleichzeitig motorisierte Verkehrsteilnehmer.

Fabian Baumann, Redaktor

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 02.07.2021

Verkehrskreisel stellen für Velofahrerinnen und Velofahrer eine besondere Herausforderung dar. Alleine im Jahr 2019 (Daten für 2020 liegen noch nicht vor) verunfallten in der Schweiz mehr als 400 Person mit dem Fahrrad in einem Kreisel. Mehr als 60 erlitten gravierende Verletzungen.

Bei jedem dritten Unfall in einem Kreisel ist eine Radfahrerin oder ein Radfahrer involviert. Die Schuld am Unfall tragen sie aber nur in vier von hundert Fällen. Meist werden Personen auf Fahrrädern von Automobilistinnen und Automobilisten aufgrund fehlender Achtsamkeit «übersehen» und umgefahren.

«Auf Kreisverkehrsplätzen können Radfahrer vom Gebot des Rechtsfahrens abweichen.»

Um die eigene Sicherheit im Kreisel zu erhöhen, dürfen Radfahrende in der Mitte der Spur durch den Kreisel fahren. Artikel 41b, Absatz 3 der Verkehrsregelnverordnung besagt: «Auf Kreisverkehrsplätzen können Radfahrer vom Gebot des Rechtsfahrens abweichen.» Pro Velo und die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU raten allen Velofahrenden, von dieser Regel Gebrauch zu machen.

Uster macht es vor

In der Stadt Uster üben seit acht Jahren auch die 6. Klässlerinnen und 6. Klässler das sichere Velofahren im Kreisel. Gleichzeitig machen sie die Automobilisten darauf aufmerksam, dass das in der Mitte der Spur fahren erlaubt und ausdrücklich empfohlen ist. Die Idee dazu entstand 2012, sagt Alexandra Pfister, ehemalige Elternrätin und heutige Schulpflegerin in Uster. Seit 2013 wird das Kreiselfahr-Projekt jedes Jahr kurz vor den Sommerferien durchgeführt.

In Gruppen von sechs bis acht Personen fahren die Jugendlichen durch alle Kreisel. Auf ihrer Runde legen sie mit rund 10 Kilometer eine ordentliche Strecke zurück. «Uster ist eine Kreiselstadt», sagt Pfister. Es gibt nur ein Lichtsignal bei einem Bahnübergang, dafür aber 18 Kreisel. An der Spitze fährt ein Stadtpolizist in Uniform. Den Abschluss bildet jeweils eine Person des Elternrads mit Velo und Anhänger. Am Anhänger prangt ein Schild, dass den Automobilisten die Aktion «sicher durch die Mitte» kurz und knapp erklärt.

Mit 100 durch den Kreisel

An diesem Mittwochmorgen Ende Juni nehmen 99 Schülerinnen und Schüler der Primarschule an der Aktion teil, erzählt Projektleiter Andreas Jossi. Auch er ist Mitglied des Elternrats und überzeugter Velofahrer. Das Interesse der lokalen Schulen am Projekt sei gross, sagt Jossi. Dieses Jahr habe er leider zwei Klassen absagen müssen. «Wir möchten verhindern, dass sich auf den Strassen ein Stau bildet.» Die Aktion soll bei Automobilisten keinen Ärger auslösen, sondern Sympathie für die Anliegen der Velofahrenden wecken.

Jossi ist überzeugt, dass das Kreiselprojekt seit der Einführung viel bewirkt hat. Er habe den Eindruck, dass die Velofahrinnen – aber auch die Autofahrer – in Uster das Kreiselfahren besser beherrschten als anderenorts in der Schweiz. Gut möglich, dass das Kreiselprojekt einen Teil dazu beigetragen hat.

Kurz vor dem Mittag geht das Kreiselfahren in Uster ohne nennenswerte Zwischenfälle zu Ende. «Ein Kettenriss, eine Schaltung defekt und ein leichter Sturz mit Schürfungen. Und unzählige Autofahrer, die etwas gelernt haben im Kreisel», zieht Andreas Jossi Bilanz.

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