Hier drückt der Schuh

Am 10. September endete die Vernehmlassung zum Schweizer Veloweggesetz. Wie dringend es dieses braucht, zeigt eine Umfrage von Velojournal.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
15.09.2020

Im September 2018 hat die Schweizer Bevölkerung dem «Bundesbeschluss Velo» überaus deutlich zugestimmt. Diesen Frühling hat der Bundesrat nun das neue Veloweggesetz präsentiert und in die Vernehmlassung geschickt. Der Bau von Radwegen soll weiterhin Aufgabe der Kanton bleiben. Diese haben künftig aber die Pflicht, Velowege verbindlich zu planen und für ein zusammenhängendes und sicheres Wegnetz zu sorgen.

Wie wichtig das ist, zeigt eine Umfrage unter Velojournal-Leserinnen und Lesern. Das vielerorts mangelhafte Velonetz wird besonders heftig kritisiert.

So sind 87 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen der Ansicht, dass das Routennetz in der Schweiz lückenhaft ist. «Radstreifen sollten an Engstellen (Fussgängerinsel) nicht ausgesetzt werden wie heute üblich, sondern durchgehend markiert sein, um den Autofahrern optisch zu signalisieren, dass es da eben zu eng zum Überholen ist», so die Kritik eines Velojournal-Lesers. Und ein anderer Leser sagt: «Flickenteppiche und Schlaglochansammlungen sind einer Veloroute nicht würdig, sind aber in der Schweiz Alltag.»

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Dementsprechend kritisch geht die Velojournal-Leserschaft mit der Veloinfrastrukur am Wohnort ins Gericht. Nur jede zehnte Leserin beurteilt diese als gut, während 36 Prozent die Veloinfrastruktur als schlecht oder knapp genügend taxieren.

Sieben von zehn Leserinnen finden, dass Radstreifen und Radwege zu schmal sind. Und gut 60 Prozent der Befragten sind sich einig, dass es hierzulande mehr Velostrassen braucht und dass Schnellrouten (Velobahnen) zwischen den Städten und den Agglomerationen fehlen.

Nicht wenige Leserinnen und Leser fühlen sich vom motorisierten Verkehr auf dem Velo bedroht. Viele wünschen sich einen festgelegten Mindestüberholabstand oder vom übrigen Verkehr abgetrennte Radwege. 

Auf das Veloweggesetz legt die Leserschaft darum grosse Hoffnung. Sechs von zehn Befragten denken, dass dieses eine Verbesserung bringen wird.

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Die Vernehmlassungsfrist endete am 10. September. Der Bundesrat und das federführende Bundesamt für Strassen Astra werden nun die eingegangenen Antworten auswerten. Danach wird das Parlament über den finalen Gesetzesartikel zu befinden haben. Das Veloweggesetz dürfte aber frühestens im Frühling 2021 in die eidgenössischen Räte kommen.

Foto: Fabian Baumann

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