«Fahrradzeit» für Migrantinnen

Designstudierende der Fachhochschule Münster haben ein Programm entwickelt, das Migrantinnen helfen soll, das Velofahren zu erlernen. Das Velo soll den Frauen den Alltag erleichtern und zu einfacher Mobilität verhelfen.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 03.03.2021

Die beiden Studentinnen Anna Oestreich und Mirjam Bauer haben gemeinsam das Projekt «Fahrradzeit» entwickelt. Die Idee dahinter: Eine schlicht gehaltene App vernetzt Migrantinnen mit Freiwilligen, um während eines achtwöchigen Programms gemeinsam das Velofahren zu üben und Theorie rund um das Radfahren zu erlernen.

«Viele Migrantinnen durften das Fahrradfahren in ihren Heimatländern nicht erlernen. Hier in Deutschland aber würde es ihren Alltag erleichtern. Mobilität ist die Voraussetzung für die Teilhabe an der Gesellschaft», erklärt Initiantin Anna Oestreich. Als Co-Designerinnen haben die beiden Initiantinnen zwei junge Frauen aus Syrien und der Elfenbeinküste gewinnen können. Mit ihnen als Expertinnen an der Seite versuchten die zwei Studierenden, Lösungen für eine einfache Handhabung und Gestaltung der App zu finden.

«Mobilität ist die Voraussetzung für die Teilhabe an der Gesellschaft.»

Anna Oestreich

Erste Tests waren ein voller Erfolg. Basma und Bintou, die beiden zugewanderten Frauen, die an der App mitgearbeitet haben, waren sehr motiviert, das Velofahren zu erlernen. Es fehlte einzig der Zugang zum Fahrrad und eine Person, die zeigt, wie man radelt. «Mithilfe der App werden wöchentliche Treffen organisiert. Gemeinsam absolviert ein Tandemteam die Übungen, das Fahrrad stellen die Freiwilligen zur Verfügung. Um die Kinder der Frauen in die Treffen einzubeziehen, schlägt die App geeignete Orte wie Spiel- oder Sportplätze vor», erklärt Oestreich.

So konnte mithilfe der App Woche für Woche das Grundwissen über die Verkehrsregeln vermittelt und mit einer Freiwilligen geübt werden. Zum Schluss beherrschten die Veloanfängerinnen bereits das Abbiegen mit Handzeichen. Die vier Frauen sind sich einig: Sie würden sich wünschen, irgendwann die Möglichkeit zu haben, die Initiative zu realisieren und vielen Migrantinnen die Möglichkeit zu bieten, das Velofahren zu erlernen.

In der Schweiz bietet Pro Velo speziell auf Migrantinnen und Migranten zugeschnittene Kurse an. Diese richten sich an Personen, die nie gelernt haben, Velo zu fahren oder sich schon seit Langem nicht mehr auf dem Sattel geschwungen haben. Die mehrteiligen Kurse finden auf Schularealen oder in Verkehrsgärten statt.

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