Schattenseite der Mobilität

Im vergangenen Jahr wurden 227 Menschen bei Strassenverkehrsunfällen in der Schweiz getötet. Grund zur Besorgnis gibt die Entwicklung bei den Velofahrenden. Es verloren deutlich mehr Radfahrende ihr Leben als im Vorjahr.

Fabian Baumann, Redaktor

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 19.03.2021

Das Bundesamt für Strassen Astra hat die Strassenverkehrsunfallstatistik für das Jahr 2020 veröffentlicht. Im vergangenen Jahr wurde bei Verkehrsunfällen auf Schweizer Strassen 227 Menschen getötet und 3793 schwer verletzt. Die Zahl der Verkehrstoten und der Schwerverletzten stieg damit gegenüber dem Vorjahr an.

Die Unfallzahlen von Velo- und E-Bike-Fahrenden bewegen sich seit Jahren auf hohem Niveau. 2020 verloren 29 Radfahrende ihr Leben. Das sind 13 Personen mehr als im Vorjahr. Bei den schwer verletzten Personen verzeichnet die Unfallstatistik einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Besonders ins Auge sticht die Unfallentwicklung bei den E-Bike-Fahrenden. Im vergangenen Jahr wurden 15 Menschen bei E-Bike-Unfällen getötet. Insgesamt 521 Menschen zogen sich bei Unfällen mit Elektrovelos schwere Verletzungen zu – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 77 Prozent.

Ursachenforschung

Laut Astra ist der Anstieg der Unfallzahlen zum Teil auf die stärkere Velonutzung im vergangenen Jahr zurückzuführen. Die mit Fahrrädern und E-Bikes zurückgelegten Distanzen haben zwischen Frühling und Herbst deutlich zugenommen. Das zeigt ein Forschungsprojekt der ETH Zürich.

«Während des Corona bedingten Lockdowns sind viele Menschen – auch weniger Geübte – aufs Velo gestiegen, um sich zu bewegen und um die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. Dies hat zweifellos zu zusätzlichen Unfällen geführt.»

Pro Velo Schweiz

Auch Pro Velo Schweiz sieht in der höheren Zahl Velofahrender einen Grund für die gestiegenen Unfallzahlen. «Während des Corona bedingten Lockdowns sind viele Menschen – auch weniger Geübte – aufs Velo gestiegen, um sich zu bewegen und um die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. Dies hat zweifellos zu zusätzlichen Unfällen geführt», schreibt der Verband in einer Stellungnahme. Gleichzeitig falle auf, dass vermehrt ältere Menschen auf dem Velo schwer verunfallten. Hier komme die höhere Verletzlichkeit dieser Bevölkerungsgruppe hinzu.

Der Interessenverband schlägt darum verschiedene Massnahmen vor, um die Radfahrenden im Strassenverkehr besser zu schützen. So solle etwa das Tempo innerorts gesenkt werden. Auch bei der Infrastruktur ortet Pro Velo Verbesserungspotenzial: «Die Veloinfrastruktur – sofern es überhaupt eine hat – ist oftmals zu schmal. Dies kann kritisch werden, wenn Velos andere überholen wollen. Mit den Elektrovelos kommt es immer häufiger zu solchen Überholvorgängen. Pro Velo setzt sich dafür ein, dass Velowege und Radstreifen genügend breit gebaut werden.»

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