Der Corona-Rotstift wirft seinen Schatten

Die Corona-Pandemie macht auch der Velobranchen zu schaffen. Das zeigt eine Umfrage der europäischen Herstellervereinigung Cycling Industry Europe (CIE).

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Laurens van Rooijen
16.04.2020

In der Schweiz dürfen Velogeschäfte ihre Werkstätten in Betrieb halten und die Bevölkerung kann Rad fahren. Anders sieht es in verschiedenen Ländern Europas aus. Dort gelten im Moment deutlich strengere Regeln, bis hin zur Ausgangsperre.

Das schränkt die Möglichkeit, Velos zu nutzen oder zu verkaufen, ausgerechnet während der wichtigsten Zeit des Jahres ein. Dazu kommt die Verunsicherung in bedeutenden Bevölkerungsschichten, wie sicher der Arbeitsplatz und die kommende Lohnzahlung unter diesen Bedingungen noch ist. Das Velo ist sowohl Fortbewegungsmittel wie Sportgerät – und damit von der Konsumentenstimmung abhängig.

Umsatz auf Tiefstand

Als Europäische Herstellervereinigung wollte Cycling Industries Europe (CIE) die Effekte der Coronavirus-Pandemie genauer beziffern können und hat darum eine Umfrage unter den Mitgliedern durchgeführt.

Die Auswertung zeigt, dass sich die Velobranche der allgemeinen Krisenstimmung nicht entziehen kann: Im Vergleich mit den Zahlen vom März 2019 registrierten 72 Prozent der antwortenden Unternehmen einen Rückgang beim Umsatz – in Extremfällen gar einen Komplettausfall.

Etwas überraschend meldeten 15 Prozent einen Zuwachs. Dieser dürfte auf einmalige Effekte zurückzuführen sein, wenn sich Kunden noch vor einer Schliessung der Ladenlokale auf Vorrat eindeckten.

Die Corona-Pandemie macht auch der Velobranche zu schaffen.
Anders als etwa in Spanien oder Italien darf man in der Schweiz weiterhin Velo fahren. 

Krisenindikatoren

Die Umsätze sind aber nicht die einzigen Krisenindikatoren: 70 Prozent der antwortenden Hersteller berichten von Problemen bei der Zulieferkette, abnehmenden Verkäufen und aufgeschobenen Investitionen.

38 Prozent der antwortenden Firmen waren zudem mit Personalmangel in Folge der Isolationsmassnahmen konfrontiert. Apropos Personal: Bei 41 Prozent der Antwortenden kam es bereits zu Entlassungen. Im Schnitt sank die Belegschaft um 35 Prozent, aber bei 13 Prozent der Firmen wurde die Belegschaft gar um mehr als 80 Prozent reduziert. Am härtesten sind Bikesharing-Anbieter von der aktuellen Krise betroffen.

Ausser Entlassungen gibt es weitere Methoden, mit denen Unternehmen ihre Kosten auf die Schnelle zu reduzieren suchen. So haben 82 Prozent der antwortenden Firmen ihre Ausgaben fürs Marketing reduziert. Und das im Schnitt um ein Drittel – Fachmedien wie Velojournal bekommen dies in Form fehlender Inserate schmerzhaft zu spüren.

69 Prozent der an der CIE-Umfrage teilnehmenden Firmen haben den Sparstift auch im Bereich der Produktentwicklung und der Forschung angesetzt und die Ausgaben im Schnitt um 34 Prozent gesenkt. Die Folgen dieser Sparmassnahmen werden wohl noch weit länger zu spüren sein als die eigentlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie.

Fotos: ZVG

 

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