Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
News,
06.11.2025
Beim Cycling Hack Zürich traf Erfindergeist auf Veloliebe: Fünf Teams entwickelten in nur einer Woche visionäre Ideen, um Zürichs Verkehr auf zwei Räder zu bringen. So kann die Zukunft aussehen.
Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
News,
06.11.2025
Der einzigartige Hackathon fürs Velo kürte drei Podestplätze. (Bild: Cycling Hack / Urs Breitenmoser)
«Wie bringt man mehr Menschen in Zürich aufs Velo?» Mit dieser Frage begann Ende Oktober der Cycling Hack Zürich. Der Innovationswettbewerb führt Technik, Design, Kommunikation und Velobegeisterung zusammen. Eine Woche lang entwickelten Teams aus Studierenden, Berufsleuten, Tüftlerinnen und Stadtliebhabern Lösungen, die das Velofahren in Zürich einfacher, sicherer und attraktiver machen sollen.
Am Pitch-Abend an der ETH Zürich wurden fünf kreative Projekte vorgestellt. Jedes eine einzigartige Idee. Die siebenköpfige Jury mit Vertreterinnen aus Forschung, Stadt und Kanton sowie Fachpersonen von Pro Velo Schweiz und dem Bundesamt für Strassen Astra bewertete die Projekte nach Kreativität, Skalierbarkeit und Wirkung. Ob auf dem Podest oder nicht: Jedes Projekt inspiriert zum Umsatteln und Pedalieren. Velojournal hat sich die Pitches angeschaut und fasst die kreativen Ideen zusammen.
Das Gewinnerprojekt «Race the Tram» kombiniert Wettkampf, Stadtleben und Spassfaktor. Das Projekt will ein öffentliches Velorennen auf gesperrter Strasse entlang einer Tramlinie durchführen. Ziel dabei ist es, auf dem Alltagsvelo schneller zu sein als das Tram.
Das Projektteam hat Bewegungsdaten von Züricher Pendlern ausgewertet und konnte so zeigen, dass das Velo auf vielen Strecken im Schnitt 30 Prozent schneller als der ÖV und 15 Prozent schneller als das Auto ist. Dieses Wissen will «Race the Tram» erlebbar machen. Der konkrete Vorschlag sieht ein Rennen auf einer Teilstrecke der Tramlinie Nummer 14 vor. Dies ist eine stark frequentierte Strecke mit hoher Sichtbarkeit.
«Race the Tram – beat the tram – cycle more» bringt die Mission auf den Punkt: Eine spielerische Einladung, die Stadt neu zu erfahren. Im eigenen Tempo, aber schneller als gedacht. Erst wer selbst erfahren hat, dass das Velo tatsächlich schneller ist als der ÖV, würde umsatteln, meint das Projektteam. Dank Partnerschaften mit Sharing-Velodiensten und dem ÖV könnte das Format laut der Präsentation leicht skaliert werden und auch in anderen Schweizer Städten durchgeführt werden.
Das Gewinnerteam präsentiert die kreative Bewerbung ihrer Idee. (Bild: Cycling Hack / Urs Breitenmoser)
ie bringt man Menschen, die ein Velo besitzen, aber kaum benutzen, wieder in den Sattel? Das Team «Make Cycling Great Again» will mit einer cleveren Mischung aus Motivation, Werbung und spielerischen Anreizen punkten. Mit einer App sollen tägliche Fahrten automatisch registriert werden. Belohnt werden Velokilometer mit «Chainlinks», digitalen Gliedern einer Kette, die bei regelmässigem Fahren wächst. Wer an fünf aufeinanderfolgenden Tagen pedaliert, erhält eine physische Belohnungen, wie etwa Rabatte oder Gutscheine bei Partnerfirmen.
Der Ansatz beruht auf einer simplen aber aussagekräftigen Erkenntnis: Dreissig Minuten Bewegung pro Tag halbieren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ersparen in Zürich durchschnittlich 94 Staustunden pro Jahr und Person. Um diese Botschaft unter die Leute zu bringen, setzt das Team auf auffällige, humorvolle Kampagnen. «Wir müssen Velofahren wieder cool machen», lautete ihr Credo. Plakate, Social-Media-Clips und die App sollen gemeinsam die Verbindung zwischen Spass, Gesundheit und Mobilität schaffen.
Während andere Projekte auf Technik oder Kampagnen setzten, stand bei «Velotandem» der Mensch im Mittelpunkt. Die beiden Initiantinnen wohnen selbst erst seit Kurzem in Zürich. Dadurch haben sie festgestellt, dass viele Neuankömmlinge gerne Velo fahren möchten, sich dies aber in der fremden Stadt nicht zutrauen. Daher die Projektidee, ähnlich einem «Sprachtandem» einen Austausch zwischen neuen und erfahrenen Velofahrerinnen in Zürich zu schaffen.
«Guides» begleiten «Explorers» auf ihren ersten Fahrten, erklären Verkehrsregeln, helfen bei der Routenwahl und vermitteln Sicherheit im Alltag. Über eine kostenlose Online-Plattform sollen diese Paare gebildet werden. Neben dem sicheren Velofahren profitieren Neuankömmlinge und die Stadt auch von Integrations- und Gesundheitsförderung sowie sozialer Vernetzung. «Je mehr Menschen auf dem Velo sind, umso sicherer wird das Velofahren», betont das Projektteam.
Nicht immer ist das Velo das bequemste Verkehrsmittel: Steile Strecken, plötzlich einsetzender Regen oder lange Distanzen können abschrecken. «Rack’n’Ride» will diese Hürden abbauen, indem das Velo einfacher mit dem öffentlichen Verkehr kombiniert werden soll.
Das Team stellte sich Busse und Trams mit fest installierten Veloträgern vor – inspiriert von Städten in Nordamerika, wo solche Systeme bereits im Einsatz sind.
«Mit dem Rack kann man das Beste aus beiden Welten kombinieren», erklärten sie. Laut Berechnungen des Teams müssten nur etwa ein Viertel der 279 Zürcher Busse ausgerüstet werden, um über 200’000 Nutzungen pro Jahr zu erreichen. Besonders in topografisch anspruchsvollen Städten wie Zürich versprechen sich die Initianten eine zusätzliche Motivation für Velofahrende. Gleichzeitig soll die Idee zeigen, dass multimodale Mobilität praktisch und alltagstauglich sein kann.
Wer nicht bergauf fahren will, soll sein Zweirad per Rack am ÖV befestigen können. (Bild: Cycling Hack / Urs Breitenmoser)
Die Kombination von ÖV und Velo ist effizient – aber oft kompliziert in der Planung. Das Team «Velolink», oder wie es sich scherzhaft selbst nennt: LLM-Team – «Lazy Last Mile Team», will das ändern. Ihre Vision ist eine App, die ÖV- und Veloverbindungen intelligent zusammenführt und so die letzte Meile vereinfacht. Das Konzept nutzt bestehende Daten von SBB, ZVV und Publibike. Wer etwa von Dietikon nach Wiedikon fährt, könnte in der App die schnellste Route angezeigt bekommen, inklusive der sichersten Velostrecke, Umsteigemöglichkeiten und Zeitvorteilen.
Wird diese Strecke aktuell mit der SBB-App berechnet, so dauern die letzten zwei Kilometer der Reise eine knappe Viertelstunde, fast so lange wie die ersten vierzehn Kilometer. Aufgrund mehrmaligen Umsteigens wird das Vorankommen im Stadtkern träge. «Was wäre, wenn wir einfach nicht warten müssten?», fragte das Team in seiner Präsentation. Die App soll nicht nur Pendlerinnen und Pendler ansprechen, sondern auch spontane Fahrten erleichtern. Dank Swisspass-Integration und bestehenden Sharing-Angeboten wäre die Umsetzung technisch realistisch. «Velolink» will zeigen, wie digitale Lösungen den Umstieg auf nachhaltige Mobilität vereinfachen können: pragmatisch, benutzerfreundlich und datenbasiert.
Das stolze Gewinnerteam besticht mit dem Rennen gegen das Tram. (Bild: Cycling Hack / Urs Breitenmoser)
Nach intensiven Pitches, Fragerunde und der Jurybesprechung stehen die Gewinner fest:
1. Platz:Race the Tram
2. Platz:Make Cycling Great Again
3. Platz:Velolink
Neben Anerkennung gab es handfeste Preise für die Gewinnerteams: Publibike-Abos, Gutscheine lokaler Velowerkstätten, Tissot-Velodrome-Erlebnisse.
Zum Abschluss betonten die Organisatoren Zürich Sports Analytics Club, Swiss Cycling und Eviden die nachhaltige Idee hinter dem Event: Die besten Projekte sollen weiterentwickelt und vielleicht sogar pilotiert werden. Der nächste Cycling Hack ist bereits in Planung – wiederum mit dem Ziel, innovative Köpfe zusammenzubringen und Zürich ein Stück velofreundlicher zu machen.

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