Velounfälle 2025: Das Pingpong um die Schuldfrage

Die Velounfall-Statistik 2025 zeigt: Die Strassen bleiben gefährlich. Das Astra gibt oft den Lenkenden die Schuld. Pro Velo wehrt sich vehement, kritisiert fehlende Velowege und wirft dem Bund lückenhafte Zahlen vor.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 19.03.2026

Der Blick auf die Daten tut weg. Wer gehofft hatte, dass die Verkehrssicherheit für Zweiräder in der Schweiz spürbar besser wird, wird von der Unfallstatistik 2025 enttäuscht. Der Vergleich der letzten Dekade zeigt ein ernüchterndes Bild: Es geht schlicht nicht vorwärts.

Die bittere Unfallbilanz 2025 in Zahlen

  • Todesfälle: 20 Personen starben auf dem Velo (±0 zum Vorjahr), 24 auf dem E-Bike (-1).
  • Schwerverletzte (Velo): 671 Personen (+38).
  • Schwerverletzte (E-Bike): 586 Personen (+53).

Besonders der Anstieg bei den schweren Verletzungen lässt aufhorchen. Doch anstatt gemeinsamer Lösungssuche offenbart sich bei der Ursachenforschung ein tiefer Graben.

Das Astra sagt: «Oft selbst schuld»

Geht es nach dem Bundesamt für Strassen (Astra), sitzt das Problem in den meisten Fällen auf dem Sattel. Das Astra macht bei knapp 65 Prozent der schweren Velounfälle die Lenkenden als Hauptverursachende aus. Bei den langsamen E-Bikes klettert dieser Wert gemäss Statistik sogar auf 77 Prozent.

Die Diagnose des Bundesamts lautet: Unaufmerksamkeit, Ablenkung und fehlerhaftes Verhalten. Das Bild auf den Strassen werde demnach stark von Schleuder- und Selbstunfällen dominiert.

Pro Velo kontert: «Die Statistik ist lückenhaft!»

«Zu kurz gedacht», heisst es dazu bei Pro Velo. Für den Verband ist der Schuldspruch des Astra eine bequeme Ausrede, die das eigentliche Problem kaschiert: den eklatanten Mangel an sicheren, durchgehenden Velowegen. Angesichts des anhaltenden Velo- und E-Bike-Booms werde die veraltete Infrastruktur immer mehr zur Gefahrenquelle.

Delphine Klopfenstein Broggini, Präsidentin von Pro Velo, geht noch einen Schritt weiter und greift die Datengrundlage des Bundes direkt an:

«Heute sind die statistischen Zahlen lückenhaft und die darauf basierenden Aussagen teilweise falsch.»

Das Problem der fehlenden Relation: Wenn mehr Menschen Velo fahren, steigen logischerweise auch die absoluten Unfallzahlen. 

Um ein ehrliches Bild der Verkehrssicherheit zu zeichnen, fordert Pro Velo zwingend, dass die Unfälle ins Verhältnis zu den effektiv gefahrenen Kilometern gesetzt werden.

Fazit: Es fehlt am politischen Willen

Zwar nimmt der Interessenverband die Radfahrenden durchaus in die Pflicht – regelkonformes Verhalten bleibt essenziell. Die Hauptkritik richtet sich jedoch an die Politik. Die wirkungsvollen Massnahmen zur Vermeidung von Unfällen lägen längst auf dem Tisch. «Es fehlt jedoch schlicht am Willen, sie rasch umzusetzen», bilanziert Pro Velo.

Bis dieser Wille gefunden ist, bleibt den Velofahrenden in der Schweiz vor allem eines: Besonders gut auf sich selbst aufzupassen.

Erfasst werden alle polizeilich gemeldeten Unfälle auf öffentlichen Strassen. 

  • Als getötet gelten Personen, die auf der Unfallstelle oder innerhalb von 30 Tagen an den Unfallfolgen sterben.
  • Als schwerverletzt gelten Personen mit schweren körperlichen Verletzungen, die in der Regel eine Hospitalisierung erfordern.
  • Seit 2015 wird bei den Schwerverletzten zwischen «lebensbedrohlich» und «erheblich» verletzt unterschieden. 2025 waren rund 4 Prozent lebensbedrohlich und 96 Prozent erheblich verletzt.

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