Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
30.04.2025
Gibt es geschlechterspezifische Unterschiede in der Velonutzung von Frauen und Männern? Und wie können Frauen dazu motiviert werden, häufiger aufs Velo zu steigen? Ein Expertinnen-Gespräch ging diesen Fragen nach.
Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
30.04.2025
Für Frauen spielt die Sicherheit beim Velofahren eine deutlich grössere Rolle als für Männer. (Foto: abus.de | pd-f)
Ein Pressegespräch des Pressedienst-Fahrrad beschäftigte sich jüngst mit der Frage, ob Frauen das Velo anders nutzen als Männer und warum Frauen seltener Rad fahren. Dabei wurden infrastrukturelle, ergonomische und alltagsrelevante Punkte diskutiert.
Spätestens mit dem Einsetzen der Pubertät sei bei Mädchen ein Desinteresse am Radsport und am Velofahren zu beobachten, weiss Julia Wiegand vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Wiegand nannte schulische Initiativen wie eine Mountainbike-Klasse als Möglichkeit, mehr Interesse am Velofahren zu wecken. Gleichzeitig wies sie aber darauf hin, dass solche Angebote oft nur von Jungs besucht werden.
Eine Ursache dafür, dass sich Mädchen nicht fürs Biken interessieren, sieht die Designerin und Produktentwicklerin des Fahrradherstellers Stevens, Leonie Sperling, schon in einem früheren Alter und der kindlichen Mobilität. «Mädchen wird einfach weniger zugetraut – auch beim Fahrradfahren», sagt Sperling. Mädchen und Jungs werden bereits im Kindesalter bei der Wahl des Velos unterschiedlich behandelt. Für Jungs gibt es eher das sportliche Mountainbike, mit dem man viel ausprobieren kann. Mädchen erhielten dagegen häufig ein Alltagsvelo, auf dem man gerade sitzt. Auf einem solchen Velo kann man nicht sportlich fahren. Sperling empfiehlt, Mädchen deshalb bereits früh zu vermitteln, dass auch sie sportiv Radfahren können.
Bei sportlichen Velos muss aber darauf geachtet werden, dass das Velo zur Frau oder dem Mädchen passt. Speziell beim Sattel gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, die beachten werden sollten, bemerkt der Sportmediziner in der Expertenrunde Dr. Kim Tofaute.
Aber auch die Infrastruktur trägt massgeblich dazu bei, ob Frauen das Velo nutzen wollen, sind sich die Teilnehmenden des Gesprächs sicher. Wiegand berichtet von Frauen, die gerne häufiger mit dem Velo unterwegs wären, aber Velofahren zu gefährlich fänden. Frauen seien besorgter, die subjektive Sicherheit spiele eine grössere Rolle.

Frauen sind häufiger mit Kindern unterwegs als Männer. (Foto: r-m.de | pd-f)
«Die Frage wäre eigentlich: Ist die Infrastruktur für 8- bis 80-Jährige geeignet? Würde ich meine Kinder dort fahren lassen?» Da Frauen häufiger für die Care-Arbeit zuständig seien, müsste der Begriff Frau auch auf Kinder und ältere Menschen ausgedehnt werden, findet Wiegand.
Für vulnerable Personen braucht es eine intuitive, durchgängige und vom motorisierten Verkehr abgetrennte Infrastruktur – besonders auf kurzen Alltagswegen zur Kinderkrippe oder Schule, Freizeitaktivitäten und zum Einkaufen. «Diese Wege müssen leicht und gerne mit dem Fahrrad zu schaffen sein. Und man muss in der Lage sein, mit Taschen und Einkäufen zu fahren», erklärt Wiegand.
Sichere Alltagswege sind auch wichtig, um eine Veloroutine zu erlangen. Wer häufiger für kurze Strecken aufs Velo steigt, wird es generell häufiger als Transportmittel benutzen. Davon ist Juliane Schumacher, Buchautorin und Bloggerin aus Berlin überzeugt. Sie betont deshalb, wie wichtig breite, durchgehende Radwege im Alltag sind. Sie ist selbst häufig mit ihren Kindern und dem Lastenvelo unterwegs und der Meinung: «Je breiter der Weg, desto besser». Um möglichst sicher und schnell unterwegs sein zu können, baue sie sich ihre eigenen Routen zusammen. «Wenn man seine Stadt gut kennt, kann man auch die Wege besser planen», sagt sie. Es sei deshalb enorm wichtig, regelmässig Velo zu fahren und ein persönliches Wegenetz zu haben. Dieses fehle aber vielen Frauen, was zu Unsicherheiten und eben dazu führe, dass das Velo stehen gelassen wird.

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