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Mit dem Rad durchs Riff

Die Schweiz wacht aus dem Lockdown auf. Das Leben findet draussen statt, der Verkehr nimmt zu. Und dies in einem Tempo, welches die lorem ipsum dolor sit amen playa manus.

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Den Gotland-Krimi lesen wir auf der Anreise und machen uns mit Kommissarin Maria Wern auf die Pirsch: südwärts mit Stopp in Klintehamn, nordwärts nach Lärbro, mit Blaulicht zurück nach Visby. Bösewichte, seid gefasst, die Kommissarin jagt euch automobil. Eine Kommissarin mit dem Velo? Das sei schon wegen der Dialoge nicht machbar, sagt Autorin Anna Jansson. Ob sie immerhin selber Velo fahre? «Nie», antwortet Jansson. Da verpassen die beiden Frauen aber etwas. Wir im Sattel finden nämlich Sand an blaugrünem Wasser, pedalen durch wüstengleiche Einöden, begegnen einer steinernen Jungfrau und schliessen Bekanntschaft mit geschäftstüchtigen Bauern. Es stimmt, was Sören Grytting sagt, der für Cykelfrämjandet, die schwedische Pro Velo, Touren über die Insel begleitet: «Gotland hat am meisten Sonnenstunden in Schweden, die Natur ist vielfältig und die Kulturlandschaft reich.» Das grösste Eiland der Ostsee lässt sich auf dem Velo leicht in zwei Wochen erfahren. Einziger Nachteil: Die Anreise mit Zug und Schiff ist umständlich. «The law» – und deshalb nur Wasser Schlecht planen lässt sich mit dem Wind. Er zer­zaust am zweiten Tag unsere Idee, die Vogelinsel Stora Karlsö südlich des Hauptorts Visby zu erkunden: Die kleine Fähre legt nicht ab – zu hoher Wellengang. Also machen wir rechtsumkehrt und pedalen von der Enttäuschung zum Erlebnis. Zwei Stunden nördlich von Visby biegen wir in eines dieser unscheinbaren Strässchen ein, die es sich zu nehmen lohnt, weil sie oft an ein wunderbares Nicht-mehr-weiter führen: an einen Strand, in ein altes Fischerdorf, zu einem Café mit Streuselkuchen. In Lickershamn zelten wir gleich am Meer. Über unseren Schlaf wacht eine kalksteinerne Dame, Jungfrau genannt und 27 Meter hoch. Die steht hier seit Urzeiten und ist eine Rauke, ein Gebilde aus Kalkstein, wie es die letzte Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren vielerorts an Gotlands Küste ausgewaschen hat. «Der gotländische Boden ist zu einem grossen Teil aus Korallenriffen aufgebaut, die sich in einem tropischen Meer vor etwa 400 Millionen Jahren gebildet haben», lesen wir später auf einer Informationstafel. Damals lag

«The law» – und deshalb nur Wasser

Schlecht planen lässt sich mit dem Wind. Er zer­zaust am zweiten Tag unsere Idee, die Vogelinsel Stora Karlsö südlich des Hauptorts Visby zu erkunden: Die kleine Fähre legt nicht ab – zu hoher Wellengang. Also machen wir rechtsumkehrt und pedalen von der Enttäuschung zum Erlebnis. Zwei Stunden nördlich von Visby biegen wir in eines dieser unscheinbaren Strässchen ein, die es sich zu nehmen lohnt, weil sie oft an ein wunderbares Nicht-mehr-weiter führen: an einen Strand, in ein altes Fischerdorf, zu einem Café mit Streuselkuchen. In Lickershamn zelten wir gleich am Meer. Über unseren Schlaf wacht eine kalksteinerne Dame, Jungfrau genannt und 27 Meter hoch. Die steht hier seit Urzeiten und ist eine Rauke, ein Gebilde aus Kalkstein, wie es die letzte Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren vielerorts an Gotlands Küste ausgewaschen hat. «Der gotländische Boden ist zu einem grossen Teil aus Korallenriffen aufgebaut, die sich in einem tropischen Meer vor etwa 400 Millionen Jahren gebildet haben», lesen wir später auf einer Informationstafel. Damals lag Gotland noch in der Nähe des Äquators. Ein paar Erdzeitalter weiter südlich also. Das Fräulein Jungfrau ist also älter als jede schwedische Gesetzestafel, gleichwohl und leider kann sie uns nicht zu jenem Bier Rauke, ein Gebilde aus Kalkstein, wie es die letzte Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren vielerorts anverhelfen, das wir in der nahen Sommerbar zur Abrundung unserer Freiluftküche ordern wollen. Alkohol über die Gasse gibts in Schweden nicht. «The law», erklärt die Bedienung freundlich, aber bestimmt. Dafür füllt sie unseren Wassersack. Gratis.

«The law» – und deshalb nur Wasser

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Schlecht planen lässt sich mit dem Wind. Er zer­zaust am zweiten Tag unsere Idee, die Vogelinsel Stora Karlsö südlich des Hauptorts Visby zu erkunden: Die kleine Fähre legt nicht ab – zu hoher Wellengang. Also machen wir rechtsumkehrt und pedalen von der Enttäuschung zum Erlebnis. Zwei Stunden nördlich von Visby biegen wir in eines dieser unscheinbaren Strässchen ein, die es sich zu nehmen lohnt, weil sie oft an ein wunderbares Nicht-mehr-weiter führen: an einen Strand, in ein altes Fischerdorf, zu einem Café mit Streuselkuchen. In Lickershamn zelten wir gleich am Meer. Über unseren Schlaf wacht eine kalksteinerne Dame, Jungfrau genannt und 27 Meter hoch. Die steht hier seit Urzeiten und ist eine Rauke, ein Gebilde aus Kalkstein, wie es die letzte Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren vielerorts an Gotlands Küste ausgewaschen hat. «Der gotländische Boden ist zu einem grossen Teil aus Korallenriffen aufgebaut, die sich in einem tropischen Meer vor etwa 400 Millionen Jahren gebildet haben», lesen wir später auf einer Informationstafel. Damals lag Gotland noch in der Nähe des Äquators. Ein paar Erdzeitalter weiter südlich also. Das Fräulein Jungfrau ist also älter als jede schwedische Gesetzestafel, gleichwohl und leider kann sie uns nicht zu jenem Bier Rauke, ein Gebilde aus Kalkstein, wie es die letzte Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren vielerorts anverhelfen, das wir in der nahen Sommerbar zur Abrundung unserer Freiluftküche ordern wollen. Alkohol über die Gasse gibts in Schweden nicht. «The law», erklärt die Bedienung freundlich, aber bestimmt. Dafür füllt sie unseren Wassersack. Gratis.

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Gotland noch in der Nähe des Äquators. Ein paar Erdzeitalter weiter südlich also. Das Fräulein Jungfrau ist also älter als jede schwedische Gesetzestafel, gleichwohl und leider kann sie uns nicht zu jenem Bier verhelfen, das wir in der nahen Sommerbar zur Abrundung unserer Freiluftküche ordern wollen. Alkohol über die Gasse gibts in Schweden nicht. «The law», erklärt die Bedienung freundlich, aber bestimmt. Dafür füllt sie unseren Wassersack. Gratis.

Bullars und Kaffee bis zum Abwinken

Grosszügig sind die Schweden auch mit dem Kaffee. Dieser dampft im Restaurant in einem Glaskrug auf einer Wärmeplatte, frisch gefiltert. Man bezahlt einmal, kaum drei Franken, und schenkt nach, so viel man mag. Påtår heisst diese Regel, ausgesprochen «Poortuur». Als wir der Wirtin beim Znüni am anderen Morgen erklären, wie viel ein Café crème in der Schweiz kostet, schüttelt sie den Kopf: «Und das für nur eine Tasse?» Frisch gestärkt, auch mit einer Bullar, einer Zimtschnecke, wie es sie in allerlei leckeren Varianten gibt, radeln wir nordwärts weiter. Die menschenleere Strasse führt durch eine karge Landschaft; Bäume und Büsche gedeihen auf dem kalkigen Boden nur spärlich. Eine Abzweigung später, im Hall-Hangvars-Naturreservat auf nunmehr gekiestem Grund, wirds wieder üppig am Wegrand: Natternzorn und Malven, Wegwarten und Königskerzen. In Hall scheint die Strasse bei einer Handvoll Fischerhütten im Meer zu enden. Hier liesse es sich endlos verweilen. Es gibt Sonne und Wind, die Wolken werfen kaum Schatten. Doch es ist kühl. Ohne warme Jacke lässt es sich im Norden nicht gemütlich verweilen.

Kopfüber in die «Blaue Lagune»

Bis Kappelshamn geht es weiter durch lichten Wald, auf einem Panoramasträsschen über dem Meer. Felswände stürzen steil ins Wasser, Spuren von Urgetier finden sich darin, Steinsammler werden hier reich. Abends hat der Zeltplatzwart Peter Rinke Zeit für einen Schwatz und listet auf, wohin sich Abstecher lohnen. Wir lassen uns anderntags vom ehemaligen Kalkwerk Bläse beeindrucken und springen am Nachmittag in die «Blaue Lagune», Gotlands berühmtesten Badesee. Im ehemaligen Kalkbruch sammelt sich das Wasser klar und warm, von den steilen Ufern springen die Wagemutigen kopfüber. Abends treffen wir Peter mit seinen Kollegen in Bademänteln plaudernd vor dem Zeltplatzhäuschen. Saunatreff. «Für die Frauen von sechs bis acht, gemischt von acht bis zehn», ruft einer der Männer. Zur Abkühlung tauchen Mann und Frau ins nahe Meer. Wir werfen einen Blick aufs Badethermometer, das im Wasser hängt: 16 Grad. Unsere Tour führt kreuz und quer durch Wald und Landschaft. Wirklich etwas los ist auf Gotland nur im Hauptort Visby und auf der nördlich vorgelagerten kleineren Insel Fårö, und auch das bloss im Sommer, wenn sich doppelt so viel Volk hier tummelt wie die 60 000 Personen während des restlichen Jahres. Einsam ist es gleichwohl nirgends. Es gibt kaum einen Hektar Wald, in dem nicht ein Haus oder Häuschen steht. Schweden ist gehäuselt, in Schwedenrot, Schwedenblau und Schwedengelb; Rosen ranken, es riecht nach Rasenmähen, und in der Einfahrt parkt ein Allrad-Volvo. Wie das? Und weshalb? «Wir Schweden leben einfach gerne im Wald», meint ein Stockholmer. Seinesgleichen zieht es in

Die Tour auf Gotland - in Zusammenarbeit mit relive.cc

Schweden leben einfach gerne im Wald», meint ein Stockholmer. Seinesgleichen zieht es in der hellen Jahreszeit zuhauf vor allem auf Fårö. Berühmtester Häusler ebenhier war der Filmregisseur Ingmar Bergman (1918–2007), der 1965 seinen Wohnsitz auf die kleine Insel verlegte und einige seiner wichtigsten Filme auf Fårö drehte.

Dünen, Stille und Fischerhütten

Wer sich für Bergman interessiert, heftet sich an seine Spuren. Wir lassen das ihm gewidmete Museum links liegen und pedalen vom Zeltplatz in Ekeviken in Tagesrunden durch eine Inselwelt, die vielfältiger nicht sein könnte. Ganz im Norden etwa versteckt sich ein Sandstrand, wie man ihn vom Strässchen aus, das durch den Wald um den Inselarm führt, nicht erwarten würde. Ein Hauch von Karibik an der Ostsee, meterhohe Dünen, stille Weite. Im Westen dann führt die Strasse hinaus zum Inselfinger Langhammars durch eine menschenleere Landschaft. Die Sonne hat sie braun gebrannt, hunderte Meter lange Steinmauern teilen die alten Felder ein. Die Küste, an der skurrile Kalksteinsäulen (Raukar) die Fantasie anregen, reicht weit ins Land hinein, der Wind streicht über das karge Flach, an das sich geblumtes Grün klammert. In Helgumannen erzählt eine Handvoll rotbrauner Fischerhütten von den Bauern, die hier einst im Frühling und im Herbst wochenlang lebten und ihren Fang vor Ort im Rauch haltbar machten.

«Wir Schweden leben einfach gerne im Wald, meint ein Stockholmer. Seinesgleichen zieht es zuhauf auf Fårö.»

Name Zitatgeber

Am dritten Tag auf Fårö lassen wir das Velo stehen; in der Nacht hatte der Regen laut aufs Zeltdach getrommelt und ein Sturm an der Verspannung gezerrt. Norsholmen ist eine der vielen vorgelagerten Inseln und Halbinseln, die nur zu Fuss erkundet werden können. Bis Mitte Juli, nach Ende der Brutzeit vieler Vögel, dürfen sie in der Regel überhaupt nicht betreten werden. Der Wind pfeift uns um die Ohren, die Kitesurfer legen sich in wärmenden Neoprenanzügen mit ihm an.

Die Schweiz wacht aus dem Lockdown auf. Das Leben findet Verkehr nimmt zu. Und wie. hier kommt eine dritte Zeile auf uns zu damit das nicht zu krass wird. Das kann gut gehen.

Wärmendes zum Abschied erstehen wir im «Fårö Hantverkshus», wo es allerlei Gestricktes aus einheimischer Wolle gibt. Das Schaf ist Gotlands Wappentier. Uns zieht’s nun wieder südwärts, und wir setzen mit der Fähre in wenigen Minuten nach Fårösund auf Gotland über. Der Gotlandsleden, an den wir uns halten, ist eine rund 500 Kilometer lange Route, die rund um die Insel führt. Es gibt ihn schon seit bald 40 Jahren, der Trail wird aber erst jetzt erneuert, sodass die Beschilderung noch Lücken aufweist. Ohne Karte gehts nicht. Die Strassen wellen sich sanft ins Land. Viele Kilometer führen auf unbefestigten Wegen durch Felder und Wald, doch auch manche entlang stärker befahrener Verbindungen. Andere Tourenfahrer begegnen uns wenige. «Aber die Zahl steigt», heisst es bei Gotland Tourismus. Dass die Einheimischen selbst kaum Velo fahren, kann Sören Grytting nachvollziehen: «Das Velo hat keine Tradition auf Gotland. Die Distanzen sind zu gross, es gibt keine Velowege ausserhalb von Visby und wenig Busse.» Diese haben freilich Haken, um Velos zu transportieren.

Das Handelsmonopol auf Eichhörnchenfelle

Unsere Runde neigt sich dem Ende zu, derweil die Kurzweil anhält: einsame Höfe, verwunschene Wälder, niedliche Cafés. Wir touren auf der Ostseite mit Zwischenhalten bis zur breitesten Stelle Gotlands in Östergarn. Die Schilder und Ortsnamen, die in unseren Ohren eigenartig klingen, lassen uns immer wieder schmunzeln: Hunddagis, Lummelanda oder Kräklingbo. Eines sonnigen Morgens, auf der letzten Etappe zurück nach Visby, kreuzen wir ferner Gammelgarn, wo nicht etwa verschimmelte Wolle feilgeboten wird, sondern wo Jan Winter vom dortigen Heimatverein uns eine Lektion in gotländischer Geschichte erteilt und den Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert eigens für uns öffnet. Die gotländischen Bauern waren einstmals gewitzte Geschäftemacher, sie besassen sogar in Russland einen Stützpunkt und Handelsmonopole. Zum Beispiel für das Winterfell des Eichhörnchens oder für Bienenwachs. «Beides war damals von Königshäusern in ganz Europa sehr begehrt», weiss Winter. Der «enorme Reichturm» der damaligen Landbauern und Handelsfürsten zeige sich bis heute in der grossen Zahl von Silberschätzen, die noch aus der Gotlanderde ausgegraben würden. Den grössten Fund machte man vor 20 Jahren: «67 Kilo schwer, der weltweit grösste Wikingerschatz überhaupt», erzählt Winter. 14 000 Münzen seien das gewesen. Eine davon investieren wir auf der Weiterfahrt in einen Schluck aus der Whisky-Brennerei in Romakloster, die dort 2004 in einer ehemaligen Zuckerfabrik eröffnet wurde. Auch in Sachen Bier schmeckt Gotland hervorragend, wie wir inzwischen wissen. Am selben Abend lassen wir uns wieder im sommerlichen Getümmel von Visby treiben. In der alten Hansestadt mit ihrer 3,6 Kilometer langen Wehrmauer belächeln wir die Klappvelos der Millionäre auf ihren Jachten und nehmen den Möchtegerns im Kreisel die Vorfahrt. Vor der Theke von «Europas största Glassbar» stehen wir dann in der gleichen Schlange an. Dafür mehrmals. Denn Glace gibts dort in 300 Sorten.

Gotland noch in der Nähe des Äquators. Ein paar Erdzeitalter weiter südlich also. Das Fräulein Jungfrau ist also älter als jede schwedische Gesetzestafel, gleichwohl und leider kann sie uns nicht zu jenem Bier verhelfen, das wir in der nahen Sommerbar zur Abrundung unserer Freiluftküche ordern wollen. Alkohol über die Gasse gibts in Schweden nicht. «The law», erklärt die Bedienung freundlich, aber bestimmt. Dafür füllt sie unseren Wassersack. Gratis.

Bullars und Kaffee bis zum Abwinken

Grosszügig sind die Schweden auch mit dem Kaffee. Dieser dampft im Restaurant in einem Glaskrug auf einer Wärmeplatte, frisch gefiltert. Man bezahlt einmal, kaum drei Franken, und schenkt nach, so viel man mag. Påtår heisst diese Regel, ausgesprochen «Poortuur». Als wir der Wirtin beim Znüni am anderen Morgen erklären, wie viel ein Café crème in der Schweiz kostet, schüttelt sie den Kopf: «Und das für nur eine Tasse?» Frisch gestärkt, auch mit einer Bullar, einer Zimtschnecke, wie es sie in allerlei leckeren Varianten gibt, radeln wir nordwärts weiter. Die menschenleere Strasse führt durch eine karge Landschaft; Bäume und Büsche gedeihen auf dem kalkigen Boden nur spärlich. Eine Abzweigung später, im Hall-Hangvars-Naturreservat auf nunmehr gekiestem Grund, wirds wieder üppig am Wegrand: Natternzorn und Malven, Wegwarten und Königskerzen. In Hall scheint die Strasse bei einer Handvoll Fischerhütten im Meer zu enden. Hier liesse es sich endlos verweilen. Es gibt Sonne und Wind, die Wolken werfen kaum Schatten. Doch es ist kühl. Ohne warme Jacke lässt es sich im Norden nicht gemütlich verweilen.

Kopfüber in die «Blaue Lagune»

Bis Kappelshamn geht es weiter durch lichten Wald, auf einem Panoramasträsschen über dem Meer. Felswände stürzen steil ins Wasser, Spuren von Urgetier finden sich darin, Steinsammler werden hier reich. Abends hat der Zeltplatzwart Peter Rinke Zeit für einen Schwatz und listet auf, wohin sich Abstecher lohnen. Wir lassen uns anderntags vom ehemaligen Kalkwerk Bläse beeindrucken und springen am Nachmittag in die «Blaue Lagune», Gotlands berühmtesten Badesee. Im ehemaligen Kalkbruch sammelt sich das Wasser klar und warm, von den steilen Ufern springen die Wagemutigen kopfüber. Abends treffen wir Peter mit seinen Kollegen in Bademänteln plaudernd vor dem Zeltplatzhäuschen. Saunatreff. «Für die Frauen von sechs bis acht, gemischt von acht bis zehn», ruft einer der Männer. Zur Abkühlung tauchen Mann und Frau ins nahe Meer. Wir werfen einen Blick aufs Badethermometer, das im Wasser hängt: 16 Grad. Unsere Tour führt kreuz und quer durch Wald und Landschaft. Wirklich etwas los ist auf Gotland nur im Hauptort Visby und auf der nördlich vorgelagerten kleineren Insel Fårö, und auch das bloss im Sommer, wenn sich doppelt so viel Volk hier tummelt wie die 60 000 Personen während des restlichen Jahres. Einsam ist es gleichwohl nirgends. Es gibt kaum einen Hektar Wald, in dem nicht ein Haus oder Häuschen steht. Schweden ist gehäuselt, in Schwedenrot, Schwedenblau und Schwedengelb; Rosen ranken, es riecht nach Rasenmähen, und in der Einfahrt parkt ein Allrad-Volvo. Wie das? Und weshalb? «Wir Schweden leben einfach gerne im Wald», meint ein Stockholmer. Seinesgleichen zieht es in

Schweden leben einfach gerne im Wald», meint ein Stockholmer. Seinesgleichen zieht es in der hellen Jahreszeit zuhauf vor allem auf Fårö. Berühmtester Häusler ebenhier war der Filmregisseur Ingmar Bergman (1918–2007), der 1965 seinen Wohnsitz auf die kleine Insel verlegte und einige seiner wichtigsten Filme auf Fårö drehte.

Dünen, Stille und Fischerhütten

Wer sich für Bergman interessiert, heftet sich an seine Spuren. Wir lassen das ihm gewidmete Museum links liegen und pedalen vom Zeltplatz in Ekeviken in Tagesrunden durch eine Inselwelt, die vielfältiger nicht sein könnte. Ganz im Norden etwa versteckt sich ein Sandstrand, wie man ihn vom Strässchen aus, das durch den Wald um den Inselarm führt, nicht erwarten würde. Ein Hauch von Karibik an der Ostsee, meterhohe Dünen, stille Weite. Im Westen dann führt die Strasse hinaus zum Inselfinger Langhammars durch eine menschenleere Landschaft. Die Sonne hat sie braun gebrannt, hunderte Meter lange Steinmauern teilen die alten Felder ein. Die Küste, an der skurrile Kalksteinsäulen (Raukar) die Fantasie anregen, reicht weit ins Land hinein, der Wind streicht über das karge Flach, an das sich geblumtes Grün klammert. In Helgumannen erzählt eine Handvoll rotbrauner Fischerhütten von den Bauern, die hier einst im Frühling und im Herbst wochenlang lebten und ihren Fang vor Ort im Rauch haltbar machten.

Am dritten Tag auf Fårö lassen wir das Velo stehen; in der Nacht hatte der Regen laut aufs Zeltdach getrommelt und ein Sturm an der Verspannung gezerrt. Norsholmen ist eine der vielen vorgelagerten Inseln und Halbinseln, die nur zu Fuss erkundet werden können. Bis Mitte Juli, nach Ende der Brutzeit vieler Vögel, dürfen sie in der Regel überhaupt nicht betreten werden. Der Wind pfeift uns um die Ohren, die Kitesurfer legen sich in wärmenden Neoprenanzügen mit ihm an.

Wärmendes zum Abschied erstehen wir im «Fårö Hantverkshus», wo es allerlei Gestricktes aus einheimischer Wolle gibt. Das Schaf ist Gotlands Wappentier. Uns zieht’s nun wieder südwärts, und wir setzen mit der Fähre in wenigen Minuten nach Fårösund auf Gotland über. Der Gotlandsleden, an den wir uns halten, ist eine rund 500 Kilometer lange Route, die rund um die Insel führt. Es gibt ihn schon seit bald 40 Jahren, der Trail wird aber erst jetzt erneuert, sodass die Beschilderung noch Lücken aufweist. Ohne Karte gehts nicht. Die Strassen wellen sich sanft ins Land. Viele Kilometer führen auf unbefestigten Wegen durch Felder und Wald, doch auch manche entlang stärker befahrener Verbindungen. Andere Tourenfahrer begegnen uns wenige. «Aber die Zahl steigt», heisst es bei Gotland Tourismus. Dass die Einheimischen selbst kaum Velo fahren, kann Sören Grytting nachvollziehen: «Das Velo hat keine Tradition auf Gotland. Die Distanzen sind zu gross, es gibt keine Velowege ausserhalb von Visby und wenig Busse.» Diese haben freilich Haken, um Velos zu transportieren.

Das Handelsmonopol auf Eichhörnchenfelle

Unsere Runde neigt sich dem Ende zu, derweil die Kurzweil anhält: einsame Höfe, verwunschene Wälder, niedliche Cafés. Wir touren auf der Ostseite mit Zwischenhalten bis zur breitesten Stelle Gotlands in Östergarn. Die Schilder und Ortsnamen, die in unseren Ohren eigenartig klingen, lassen uns immer wieder schmunzeln: Hunddagis, Lummelanda oder Kräklingbo. Eines sonnigen Morgens, auf der letzten Etappe zurück nach Visby, kreuzen wir ferner Gammelgarn, wo nicht etwa verschimmelte Wolle feilgeboten wird, sondern wo Jan Winter vom dortigen Heimatverein uns eine Lektion in gotländischer Geschichte erteilt und den Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert eigens für uns öffnet. Die gotländischen Bauern waren einstmals gewitzte Geschäftemacher, sie besassen sogar in Russland einen Stützpunkt und Handelsmonopole. Zum Beispiel für das Winterfell des Eichhörnchens oder für Bienenwachs. «Beides war damals von Königshäusern in ganz Europa sehr begehrt», weiss Winter. Der «enorme Reichturm» der damaligen Landbauern und Handelsfürsten zeige sich bis heute in der grossen Zahl von Silberschätzen, die noch aus der Gotlanderde ausgegraben würden. Den grössten Fund machte man vor 20 Jahren: «67 Kilo schwer, der weltweit grösste Wikingerschatz überhaupt», erzählt Winter. 14 000 Münzen seien das gewesen. Eine davon investieren wir auf der Weiterfahrt in einen Schluck aus der Whisky-Brennerei in Romakloster, die dort 2004 in einer ehemaligen Zuckerfabrik eröffnet wurde. Auch in Sachen Bier schmeckt Gotland hervorragend, wie wir inzwischen wissen. Am selben Abend lassen wir uns wieder im sommerlichen Getümmel von Visby treiben. In der alten Hansestadt mit ihrer 3,6 Kilometer langen Wehrmauer belächeln wir die Klappvelos der Millionäre auf ihren Jachten und nehmen den Möchtegerns im Kreisel die Vorfahrt. Vor der Theke von «Europas största Glassbar» stehen wir dann in der gleichen Schlange an. Dafür mehrmals. Denn Glace gibts dort in 300 Sorten.

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Braucht es ein Zugticket für das Velo? Ja, für das Velo ist ein Billett Pflicht. Für welche ÖV-Angebote zählt das Ticket? Diese Velo-Tickets gelten bei den SBB, bei Privatbahnen, bei Postauto und weiteren Transportunternehmen. Wie erkenne ich reservierungspflichtige Postautos oder Züge? Die Züge und Postautos mit Reservierungspflicht sind im Fahrplan am Velosignet mit rechteckigem Rahmen erkennbar. Was ist, wenn ich mein Velo ohne Reservierung in einem Zug abstelle? Wenn du in einem reservierungspflichten Zug keine Reservierung vorweisen kannst, wird ein Zuschlag von 10 Franken verrechnet. Einen Platz für dein Velo

Braucht es ein Zugticket für das Velo? Ja, für das Velo ist ein Billett Pflicht. Für welche ÖV-Angebote zählt das Ticket? Diese Velo-Tickets gelten bei den SBB, bei Privatbahnen, bei Postauto und weiteren Transportunternehmen. Wie erkenne ich reservierungspflichtige Postautos oder Züge?  

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