Beeinflussen Pop-up-Velowege die Verkehrspolitik?

Die Corona-Pandemie hat das Mobilitätsverhalten beeinflusst. Das Velo hat sich als sicheres Transportmittel profiliert. Zahlreiche Städte haben darauf reagiert.

Julie Nielsen, Redaktorin

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
popup-veloweg, News, 12.02.2021

Um die nötigen Hygieneabstände gewährleisten zu können und das in Pandemiezeiten sichere Velo aktiv zu fördern, haben viele Städte den verfügbaren Strassenraum umverteilt. Durch die neuen, temporären Veloinfrastrukturen wurde die Debatte über die Aufteilung des öffentlichen Raums zwischen den verschiedenen Mobilitätsmitteln neu angestossen.

In der Schweiz wurden die sogenannten Pop-up-Velowege hauptsächlich in der Westschweiz, in den Kantonen Waadt und Genf erfolgreich umgesetzt. Genf zieht aus den Massnahmen eine positive Bilanz und bestärkt die Behörden, die temporären Velospuren dauerhaft in die Infrastruktur einzubinden.

Der positive Nebeneffekt

Die Plattform Mobilservice hat Städte und Gemeinden zu ihren Erfahrungen mit temporärer Veloinfrastruktur befragt. Das Resultat: 80% wünschen mindestens einen Teil der temporären Veloinfrastruktur permanent beizubehalten. Die Erfahrungen während der Pandemie können durchwegs als positiv gewertet werden. So beabsichtigen einige Gemeinden, bei zukünftigen Projekte gleich vorzugehen wie während der Krise.

Durch die sogenannte taktische Planung wird zuerst eine temporäre Infrastruktur erstellt, die getestet werden kann. Anschliessend kann sie anhand der Beobachtungen angepasst und verbessert werden, bevor sie nach einer weiteren Testphase definitiv umgesetzt wird.

Laut Rückmeldung der von Mobilservice befragten Städte und Gemeinden erlaube dieses Vorgehen generell eine bessere Akzeptanz von solchen Umsetzungsvorhaben. Denn tatsächlich scheitere der Ausbau von Veloinfrastruktur häufig an der fehlenden Akzeptanz der beteiligten Akteurinnen und Akteure und den hohen Kosten für eine lediglich temporäre Massnahme.

Städte und Gemeinde tun gut daran, das Velofahren weiter zu fördern. Nicht nur, weil es mit dem Fahrrad während der Pandemie möglich ist Abstand, zu halten, sondern auch, weil das Velo ein nachhaltiges Transportmittel ist und eine Schlüsselrolle bei der Verkehrswende spielt. Die Rechnung ist einfach: Stimmt die Infrastruktur, wird automatisch mehr Velo gefahren.

Nützliche Infos

Aufgrund ihrer Beratung des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg hat die niederländische Mobycon das Handbuch «Temporäre Einrichtung und Erweiterung von Radverkehrsanlagen» herausgegen. Es kann auf der Webseite von Mobilservice kostenlos heruntergeladen werden.