Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
Reisen,
04.03.2026
Die Reisebranche bleibt trotz Krisen lebendig. Aber sie verändert sich – auch durch die Digitalisierung. Velojournal nahm bei Veloreiseanbietern den Puls.
Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
Reisen,
04.03.2026
Wie viel in der Schweiz gereist wird, sieht man an den Frequenzen am Flughafen Kloten. Dort wurden letztes Jahr alle Rekorde gebrochen. Was die Klimabewegung und Corona bremsten, wird nun ungehemmt wieder ausgelebt – Flugscham ade, es lebe der Hedonismus. Und klar, die Schweizerinnen und Schweizer haben offenbar noch immer das nötige Kleingeld dazu.
Wie aber sieht es mit Veloreisen aus? Sind Gruppenreisen immer noch begehrt oder sind die Reiselustigen nunmehr individuell unterwegs? Und: Gibt es noch die Allrounder auf den sogenannten Bio-Bikes oder ist jetzt alles «elektrisch»? Nach Auswertung der eingegangenen Feedbacks ist wohl von allem etwas der Fall. Thomas Wegmüller, ehemaliger Strassenprofi, der seit 30 Jahren mit Bike Cyprus geführte Veloabenteuer anbietet, bestätigt nach seiner Ferienmessen-Rundtour: «Normales Velofahren taucht nur noch bei einzelnen Anbietern auf. Mehr und mehr wandert alles zum E-Bike oder E-Mountainbike hin.» Die Bio-Biker würden älter, junges Publikum sehe er an Ferienmessen fast nicht mehr. Seinen Beobachtungen zufolge vertraue die Velo-Community inzwischen lieber den «GPS-Verirr-Plattformen», wie er es ausdrückt. Von Emotionen und Erlebnissen zehre aber seine langjährige Kundschaft und sichere damit nicht zuletzt sein Geschäftsmodell. Zum Glück gelinge es ihm immer auch wieder, so neue Gäste von seinem Angebot zu überzeugen.
Auch Jogi Brunner von 2WheelHoliday beobachtet, dass immer mehr Zeit allein vor dem Bildschirm verbracht wird. Gerade deshalb «steigt der Wunsch, wieder mehr Zeit gemeinsam mit anderen zu verbringen», so Brunner. Der Radsport biete dafür eine ideale Möglichkeit, da er Bewegung, Natur und soziale Begegnungen verbinde.
Schaut man sich bei den Komfort- und Genussreisen um, stellt Daniela Baade von Thurgau Travel einen Trend und «eine klare Professionalisierung des Segments bei Velo- und Schiff-Angeboten» fest. Aber auch dort hat das E-Bike das klassische Tourenrad als Standard fast vollständig abgelöst. Mit einer Flotte hochwertiger E-Bikes und klassischen Velos garantiere man den Gästen zuverlässiges Equipment, das auf die Topografie der eigens organisierten Veloreisen entlang der Ostseeküste abgestimmt sei.
Auch bei Marktleader Twerenbold bleibt die Elektrifizierung des Velos ein Trend. «Ob klassisches E-Bike, E-Mountainbike oder das noch eher neue E-Gravel; das Elektrovelo bringt immer mehr Menschen dazu, sich in der Natur zu bewegen», sagt Patrick Lohri, Leiter Veloreisen. Mit dem ehemaligen Bahnfahrer Franco Marvulli hat Twerenbold zudem einen Velobotschafter an Bord, der dem landläufigen, etwas biederen Golden-Ager-Image entgegenwirkt. Er stehe für ein «Velo-Leben», das vielen Menschen das ihrige um 15 Jahre verlängert habe, sagt Lohri. So war Marvulli mit einer Kleingruppe vor zwei Jahren im Balkan unterwegs, der älteste Teilnehmer war 71 Jahre alt. Abenteuer pur eben.
Twerenbold hat das Angebot diversifiziert, aber die Fluss- und Excellence-Veloreisen erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit. Das Jubiläums-Flussschiff, auf dem 15 Jahre Veloreisen bei Twerenbold gefeiert werden, ist seit Wochen ausverkauft. Ein weiterer grosser Player, Baumeler, setzt auf Bewährtes, mit Gruppen-, aber auch mit individuell anpassbaren Angeboten. Neu ist Kärnten ein Schwerpunkt. Bei Eurotrek setzt man auf klassische E-Bike- oder Tourenvelo-Reisen entlang von Gewässern. Aber auch «Reisen von den Bergen bis ans Meer sind sehr populär und bieten eine tolle Möglichkeit, verschiedene Landschaften zu entdecken», konstatiert Reto Zingg. Auch hier wird das Gravelbike immer wichtiger und ist nun fester Bestandteil der Planung. Eurotrek wie auch Baumeler setzen auf individuelle Veloreisen mit Gepäcktransport. Das bedeutet: Mehr Unabhängigkeit während der Tour. «Egal ob Frühaufsteher oder Langschläfer, bei uns gestalten die Gäste ihren Velotag völlig frei», so Zingg.
Daniel G. Fuchs von Keksconsulting vermittelt Kultur- und Abenteuerreisen in Vietnam. Der Gründer Thomas Weigelt wisse «als Deutscher, was die europäische Kundschaft erwartet». Ein weiterer Kunde biete in Indien mit ILH Tour «tolle E-Fahrräder in Ladakh und im Himalaya» an. Und als besonderen Leckerbissen rühmt er die E-Velo-Reise in Rajasthan mit den berühmtesten Denkmälern Indiens. Das sei «ein absolutes Novum», so Fuchs. Thomas Wegmüller setzt Hoffnung auf Veloprojekte in Madagaskar oder neu auch in Uganda. Bei den letzten Weltmeisterschaften in Ruanda habe man gesehen, dass das «Radlerfieber auch in andere Kontinente zügelt.»
«Die Aussichten sind erfreulich, auch wenn wir feststellen, dass Herr und Frau Schweizer ihre Veloferien immer kurzfristiger planen», sagt Daniela Baade von Thurgau Travel. Bei beliebten Routen sei das eine Herausforderung, da die Kapazitäten auf den Schiffen oft frühzeitig erschöpft seien. Auch Twerenbold ist «mit den aktuellen Vorausbuchungen zufrieden». Diese lägen leicht über den Zahlen des guten Vorjahrs. Auch wenn der Süden im Frühling und Herbst der Klassiker bleibt, merke man auch ein grosses Interesse an Destinationen, die eher in nördlicher Richtung liegen, so Lohri. Eurotrek sieht 2026 eine höhere Nachfrage für individuelle Veloreisen in der Schweiz und in Europa als im Vorjahr. «Klassische Destinationen wie Italien, Spanien, Portugal, Deutschland oder Frankreich bleiben aber für Veloreisen wichtig», sagt Reto Zingg. Auch dieser Anbieter folgt dem Lockruf Albaniens oder Skandinaviens als Trend-Destinationen und baut dort das Angebot aus.
Thomas Wegmüller zieht ein Fazit: «Wenn kein Krieg losgeht, werden sicher wieder viele Velofahrende ihr Hobby bei zahlreichen Events und einigen Radferienveranstaltern geniessen. Mit Bikepacking und Gravelbiking gibt es auch mehr und mehr Radfans, die das Abenteuer in weniger bekannten Gegenden erleben wollen, was eher die Ausrüster als die Ferienveranstalter freuen wird.» Die Reisebranche und ihr Velovölklein bleiben aktiv und bunt.

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