Eine Brücke als Schlüssel

In St. Gallen verbindet die Sitterbrücke die Stadt mit der Region Appenzell. Deren Verbreiterung wurde im Frühling eröffnet. Sehr zur Freude von Pro Velo, die früh eine Erweiterung der Brücke gefordert hatte.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
14.07.2023

Die Sitterbrücke ist ein imposantes Bauwerk. Das Bahnviadukt über die Sitter bei St. Gallen wurde zwischen 1853 und 1856 gebaut. In den Zwanzigerjahren wurde die Brücke verbreitert, sodass Züge auf einer Doppelspur den mehr als 60 Meter in der Tiefe liegenden Fluss überqueren konnten.

Nun wurde die strategische Verbindung zwischen der Stadt St. Gallen und ihrer Agglomeration erneut erweitert, diesmal jedoch für Personen zu Fuss und auf Velos. Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit konnte die neue Sitterbrücke Anfang Mai offiziell eröffnet werden.

Der Brückensteg wurde auf seiner Gesamtlänge von 209 Metern von einst zwei auf heute vier Meter verbreitert. Gleichzeitig wurden die Velo- und Fussverbindungen auf beiden Seiten der Brücke angepasst. «Dank der Verbreiterung von Gübsenweg und Sitterbrücke ist künftig eine komfortable und sichere Durchfahrt möglich.

Darüber hinaus werden Rad- und Fusswege sowie die angrenzenden Grünflächen mittels Grüngestaltung aufgewertet und ein attraktiver ökologischer Freiraum geschaffen», teilt die Stadt St. Gallen mit. Das Bauprojekt war Bestandteil des Agglomerationsprogramms St. Gallen-Bodensee. Die Baukosten von knapp fünfeinhalb Millionen Franken teilten die Stadt, der Bund (Agglomerationsprogramm) sowie der Kanton entsprechend untereinander auf.

Schlüsselprojekt für St. Gallen

Bei Pro Velo St. Gallen Appenzell freut man sich über die neue Veloverbindung. Im Gespräch mit Velojournal betont Präsident Jaap van Dam die «wahnsinnig strategische Lage» der Brücke.

Es habe zwar schon vorher einen Velostreifen auf der Brücke gegeben, der aber sehr schmal war. «Jetzt gibt es einen tollen Ausbaustandard.» Sowohl Fussgänger als auch Velofahrerinnen hätten gut Platz, und zwar in beiden Richtungen.

Für die Region sei die erweiterte Sitterbrücke zentral. Diese Ansicht teilt auch Michael Städler, der sich beim Pro-Velo-Regionalverband um Infrastrukturfragen kümmert und beruflich als Verkehrs- und Raumplaner tätig ist.

«Die Strecke ist eine Schlüsselstelle in der Veloverbindung zwischen Gossau, Winkeln, Herisau und St. Gallen. Sie hat eine wichtige Bedeutung für all jene Personen, die nicht auf der Hauptstrasse fahren wollen», erläutert Städler.

Die Verbreiterung der Brücke erhöhe die Fahrqualität stark. Und zwar nicht nur für den Ausflugsveloverkehr, sondern auch für Pendlerinnen und Pendler. Seit der Eröffnung habe die Strecke denn auch an Attraktivität gewonnen, loben van Dam und Städler unisono.

Teilstück der Velovorzugsroute

Auch die Stadt St. Gallen misst der verbreiterten Sitterbrücke eine hohe Bedeutung zu. Der Gübsenweg via SBB-Sitterbrücke sei ein wichtiger Bestandteil des Fuss- und Veloverkehrsnetzes der Stadt und des Kantons St. Gallen und zugleich ein Schlüsselprojekt der Veloschnellroute West-Ost. Diese soll in den nächsten Jahren sukzessive erweitert werden.

Das Ziel sei eine durchgehende Verbindung von Flawil bis ins Stephanshorn, «die sich im Sinne einer grünen Achse gut in den Stadt- und Grünraum einfügt». Bis es so weit sei, flössen aber noch einige Liter Wasser die Sitter runter, scherzt Städler.

So wichtig das Bahnviadukt über die Sitter für den Veloverkehr in St. Gallen ist, so lange dauerten die Vorbereitungen  für die Verbreiterung. Michael Städler weist darauf hin, dass Pro Velo bei der Einreichung des ersten Agglomerationsprogramms im Jahr 2007 darauf hingewiesen habe, dass es zu wenig Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr enthalte. In einem Workshop mit anderen Organisationen habe man darum damals verschiedene Vorschläge erarbeitet, darunter auch die Idee, die Sitterbrücke zu verbreitern.