Der Champion und der Bandit

Im italienischen Spielfilm «La leggenda del bandito e del campione» stehen die Rennfahrerlegende Constante Girardengo und der gefürchtete Gesetzlose Sante Pollastri im Mittelpunkt. Mit der Wahrheit wird dabei recht freizügig umgegangen.

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Bruno Angeli
Film, 30.01.2019

Die gemeinsame Passion zum Velo verbindet die in armen Verhältnissen aufgewachsenen italienischen Burschen Constante Girardengo (Simone Gandolfo) und Sante Pollastri (Giuseppe Fiorello).

Wir befinden uns in Novi Ligure im Jahre 1910. Die beiden Freunde sind mit ihren Rädern unterwegs und liefern sich ein Rennen mit einem Auto. Im Wagen sitzt per Zufall ein bekannter Masseur und Radsporttrainer. Für die neue, aufstrebende Sportart werden Talente gesucht. Und so werden die beiden gleich engagiert. Zwar gibt es kein Geld zu verdienen, doch es werden echte Rennvelos zur Verfügung gestellt und, vor allem: Es gibt Essen.

Die Familien der beiden Protagonisten kämpfen täglich darum, etwas auf den Tisch zu bekommen. Hunger ist denn auch der Grund, weshalb Pollastri auf die schiefe Bahn gerät.

Zum Freundeskreis der Velobegeisterten gehören zwei weitere Jugendliche. Da ist Mela (Raffaella Rea), in die sich beide Jungs vergucken. Und da ist Macista (Giuseppe Loconsole), der sich bei einem verunglückten Diebstahl, den er mit Sante verübt, einen Fuss schwer verletzt. Er wird für den Rest seines Lebens eine Gehhilfe benötigen und als Erwachsener seine ganze Energie dafür aufwenden, den Verbrecher Sante Pollastri zu schnappen.

Girardengo hingegen wird als Erwachsener mit zwei Giro-Gesamtsiegen, sechs Siegen bei Mailand–San Remo, neun italienischen Meistertiteln und weiteren Erfolgen der grösste Radsportchampion seines Landes werden. Pollastri lebt mittlerweile mit Mela zusammen in Paris und hat es mithilfe seiner Bande zu einem kleinen Vermögen gebracht. Doch sitzen ihm die italienische und die französische Polizei im Nacken.

So viel zur Handlung der RAI-TV-Produktion aus dem Jahr 2010. Die Filmmacher bezogen sich im Zweiteiler auf den Roman von Marco Ventura «Il campione e il bandito», nahmen sich aber – wie bei Filmumsetzunge oft üblich – einige Freiheiten punkto Handlung heraus.

Die Legende lebt weiter

Zwar wurden beide Hauptprotagonisten in Novi Ligure (Piemont) geboren, doch liegen ihre Geburten sechs Jahre auseinander. Die beiden gingen weder in die gleiche Schulklasse, noch waren sie gar in einer Clique miteinander unterwegs.

Girardengos Radrennfahrerkarriere nahm bereit im Italien des Jahres 1913 ihren Lauf, als Pollastri noch die Schulbank drückte. Sie waren nicht befreundet, aber sie kannten sich. Und sie hatten einen gemeinsamen Freund, den Masseur und Trainer Biagio Cavanna, wie es auch der Autor Mario Bocchio beschreibt.

Berühmt wurde die Legende um die beiden auch durch den Liedermacher Franceso De Gregori. Das Lied «Il bandito e il campione» kam 1993 heraus. Es beginnt mit: «Zwei Jungs aus dem gleichen Ort, zu schnell gross geworden mit einer gemeinsamen Leidenschaft für das Velo. Die Schicksale überschneiden sich in einer seltsamen Geschichte, die in unseren Tagen in Vergessenheit geraten ist.

Eine Geschichte aus alten Zeiten, vor jener der Motoren, als man um die Wette fuhr aus Wut oder Liebe.» Die Legende lebt weiter. Se non è vero, è ben trovato.



La leggenda del bandito e del campione (2 Folgen), Italien 2010

Regie: Lodovico Gasparini
Drehbuch: Andrea Purgatori, Debora Alessi. Frei nach der Romanvorlage von Marco Ventura «Il campione e il bandito».
Kamera: Carlo Montuori
Protagonisten: Constante Girardengo (Simone Gandolfo), Sante Pollastri (Giuseppe Fiorello), Mela (Raffaella Rea), Agostina (Sarah Maestri), Macista (Giuseppe Loconsole) und weitere
Musik: Mirko Guerra
Sprache: Italienisch
Bemerkungen: DVD als Import erhältlich oder über www.cede.ch