Während alle Verkehrsträger in den letzten Wochen in den Kriechgang schalteten, boomte das Zweirad. Wir werden diese Zeit wohl noch lange in Erinnerung behalten – diese Corona-gefährlichen, strahlenden Frühlingstage und die vielen Menschen auf dem Velo.
Zuerst zaghaft, dann um Ostern herum ein Velo-Boom, wie ihn die Schweiz wohl seit Anfang der 70er-Jahre nicht mehr erlebt hat. Diese Beobachtung hat nun auch eine ETH-Studie bestätigt (Velojournal berichtete).
Was bleibt vom Boom?
Jetzt, mit dem absehbaren Ende des Lockdowns, stellt sich die Frage, was davon übrigbleibt. Während die Branche vorsichtig optimistisch verspätete Frühlingsluft schnuppert, sprechen PessimistInnen von einer verpassten Chance für eine Velo-Offensive nach Corona.
Zwar sind in letzter Zeit viele neue Velo-Initiativen gestartet worden (noch vor der Pandemie), aber mit dem lauten Ruf nach Beenden der Notrechts-Regelungen wird sich das Klima bald wieder ändern.
Aus Angst vor Maskenpflicht und engen Platzverhältnissen werden viele Personen den ÖV meiden, hingegen wird sich in nächster Zeit ein veritabler Autoboom einstellen und die Strassen mit Verkehr füllen.
In den Worten von Autoimporteuer und EX-SVP Politiker Walter Frey klingt das so: «Das Auto ist unter diesen Umständen ein Schutzanzug auf Rädern.»
Damit spricht er wohl vielen Schweizer Autofahrenden aus der Seele. Und dann ist Schluss mit lustig für Velofahrten auf halbleeren Strassen!
Mit vereinten Kräften
Was haben Velolobby und die Velobranche dem entgegenzusetzen? Zwar wehrten sich sowohl der Berufsverband 2rad Schweiz als auch der Lieferantenverband Velosuisse gegen den Entscheid, erst am 11. Mai die Geschäfte öffnen zu dürfen. Aber eben unabhängig voneinander.
Pro Velo hat vor ein paar Tagen den Bundesrat aufgefordert, die rechtlichen Bedingungen zu schaffen, damit Kantone und Städte während der Coronakrise kurzfristig Velospuren provisorisch einrichten oder verbreitern können.
Das sind alles gute und wichtige Ansätze. Für eine gewichtige Einflussnahme auf die Politik ist das aber zu wenig. Andere sind da viel effizienter im Lobbyieren, etwa der Gastroverband.
Wollen Velolobby und die Branche in dieser ausserordentlichen Situation oder bei grossen Themen wie der Verkehrswende etwas bewirken, müssen sie lernen, mit einer Stimme zu sprechen.
Beim Bundesbeschluss Velo hat das funktioniert. Nun muss der Druck bei dieser Krise gemeinsam erhöht werden. Das lehrt die Geschichte: Nur gemeinsam sind wir stark!
Foto: Fabian Baumann







