Immer mehr Menschen schwingen sich in der Stadt Zürich auf den Velosattel. Der Anteil des Fahrrads am Gesamtverkehr ist von vier auf acht Prozent gestiegen. Die Stadt verzeichnet an ihren Zählstellen seit 2012 einen 50-prozentigen Zuwachs der Velofrequenz.
Die Freude darüber wird getrübt durch den Umstand, dass die Unfallzahlen ebenfalls kontinuierlich ansteigen. Dabei handelt es sich nicht nur um harmlose Stürze. Im Jahr 2018 waren vier von zehn im Strassenverkehr schwer verletzten Personen mit dem Fahrrad unterwegs.
Der Stadtrat zeigt sich besorgt und hat «Sicher Velofahren» ins Leben gerufen. «Der Strategieschwerpunkt ‹Sicher Velofahren› bildet eine Plattform für kleinere und grössere, kürzer- und längerfristige Projekte», heisst es dazu bei der Stadt Zürich.
Dazu gehört die Entschärfung der von der Stadt im Rahmen von «Velo sicuro» evaluierten «Velounfallherde». Die Entflechtung von Mischzonen – Fahrräder und Fussgängerinnen auf derselben Fläche – soll ebenfalls vorangetrieben werden. Und: Laut Mitteilung des Stadtrats geniesst der Ausbau der Veloinfrastruktur nach wie vor hohe Priorität.
Löblich aber längt überfällig
Dass die grösste Schweizer Stadt das Velofahren sicherer machen will, ist zu begrüssen. Und es ist dringend nötig. Denn die Verkehrsprobleme Zürichs sind hausgemacht. Ursache des Problems ist die mittlerweile jahrzehntelange Weigerung der Stadtbehörden, das Velo als das anzuerkennen, was es ist: ein vollwertiges Verkehrsmittel.
Dem Resultat begegnet man in Zürich auf jedem Pedaltritt. Radwege und -streifen lösen sich plötzlich in Luft auf. Und zwar meist dann, wenn es sie am dringendsten bräuchte. Auch das Zusammenführen von Fussgängern und Radfahrerinnen auf wenigen Metern Fläche, oft auf dem Trottoir, spricht Bände.
Und selbst bei Strassensanierungen wird, wenn überhaupt, zuletzt ans Fahrrad gedacht. Murks-Situationen wie an der Ecke Lager- / Langstrasse, wo der Veloverkehr nun Zickzack fahren muss, um die Strasse zu überqueren, oder Veloführungen zwischen Tramgeleisen wie an der Stampfenbachstrasse sind nicht anders zu erklären.
Ohne ein grundlegendes Umdenken beim Stadtrat und der Verwaltung bleiben «Masterplan Velo», «Velo sicuro» und «Sicher Velofahren» nichts anderes als Pflästerlipolitik. Mit Pflästerli verarztet man keine Schwerverletzten.
Foto: Timon Klauser, Unsplash







