Zürcher Veloförderung ohne Vision

Wenn sich die Zürcher Medien unisono kritisch zur Veloförderung äussern, dann steht die Umsetzung des Masterplans gerade wieder einmal zur Debatte.

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Pete Mijnssen
Blog, 25.06.2019

Die «NZZ» titelte kürzlich: «Velotunnel unter dem Hauptbahnhof wird zu Drama» und der «Tages-Anzeiger» schrieb: «Neue Velo-Wirren: Haifischzähne auf dem Trottoir.» Aber auch im Gemeinderat (Legislative) gibt die Velolücke Rämistrasse seit Längerem zu reden. Dort müssen nun verschiedene, (teure) Projekte neu geprüft werden und auch der geplante Velotunnel unter dem Hauptbahnhof wird immer teurer.

Pro Velo liegt im Dauerclinch mit der Verwaltung. Die Lobbyorganisation ärgert sich gerade wieder einmal über die ihrer Meinung nach mangelhaft umgesetzte Veloverkehrsführung wie sie an der Ecke Lang – Lagerstrasse aufgepinselt wurde. Obwohl die Langstrasse seit Jahren einer der grössten Knackpunkte im Zürcher Velonetz ist, wurde ausgerechnet dort die Veloführung verschlimmbessert.

All dies zeigt: Trotz des 2012 lancierten Masterplan Velo, der hochfliegende Erwartungen schürte, hapert es immer wieder bei der Realisierung. So werden jeweils grosse Entwürfe präsentiert, Postulate eingereicht und überwiesen, aber bei der Umsetzung gibt es Bruchlandungen zuhauf.

Dieses offenbar fundamentale Unverständnis für simple Veloanliegen hat System: Seit dem Abgang von Urs Walter vor vier Jahren und dem frühen Tod von Frans de Baan 2010 wurde die einst hochkompetente Velofachstelle laufend personell und finanziell abgebaut. Das ging so weit, dass der ehemalige Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger einen Praktikanten zum Velobeauftragten machte und gleichzeitig dessen Geringschätzung bei keiner Gelegenheit verhehlte.

Unter dem neuen Vorsteher Wolff ist der Freiraum für die Velofachleute sicher grösser geworden, aber ein jahrelanger «Braindrain» lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen beheben. Vielmehr müssten mit den hochgesteckten Zielen des Masterplans Velo und den neuen Forderungen aus Lokal- und Bundespolitik das Fachwissen massiv verbessert und auch neue Stellen bewilligt werden.

Und es braucht dazu auch die zuständigen StadträtInnen, die hinstehen und ihre Mitarbeitenden mit Visionen antreiben. So wie es etwa die Gemeinderätin Ursula Wyss in Bern macht. Sonst verkommt Veloförderung einmal mehr zur reinen Lippenpropaganda und damit zu einer weiteren Legislaturperiode der verpassten Chancen.

Foto: Fabian Baumann