In einem Monat stimmen wir über den «Bundesbeschluss Velo» ab. Gestern hat das breit abgestützte Pro-Abstimmungskomitee informiert. Die Reaktionen in den Medien waren weitgehend wohlwollend bis positiv. Sogar die konservative «NZZ» kommentierte die geplante Verfassungsergänzung nach dem Motto «Nützt’s nüüt, so schadt’s nüüt» einigermassen milde.
Tagesanzeiger/Bund sind da zurückhaltender – dem Anliegen stünden noch emotionale Hürden entgegen: «Dem Gegenvorschlag zur Veloinitative wollen 48 Prozent zustimmen, 44 Prozent wollen ihn ablehnen. Und dies, obwohl im Pro-Komitee Vertreter aller Parteien sitzen.» Acht Prozent sind noch unentschieden. Geht man davon aus, dass ein Monat vor der Abstimmung die Meinungen weitgehenden gemacht sind, könnte es knapp werden.
Zwar steht noch etwa der wichtige Arena-Termin an, trotzdem stelle ich bei allen verkehrspolitischen Vernunftsargumenten eine nicht unerhebliche Anti-Velo-Stimmung in der Bevölkerung fest. Dazu könnte der vergangene Jahrhundertsommer beigetragen haben, der Velofahrende in rauen Scharen ins Freie gelockt und damit das Thema Velorowdys wieder mal hochgespült wurde. Das war letzte Woche etwa in einer Sendung auf SRF gut zu vernehmen.
Von ähnlichen Erfahrungen kann ich von einem Ausflug mit einer Sportgruppe im Zürcher Unterland berichten. Am letzten Samstag begegneten wir beim fast sechzig Personen zählenden Sporttrupp auf verkehrsarmen Strassen überdurchschnittlich vielen Autos. Diese hupten überdurchschnittlich oft und laut, obwohl wir uns trotz der Menge rücksichtsvoll verhielten. Ohne in solche Erlebnisse allzu viel hineinzuinterpretieren: Die Ungeduld auf den Strassen hat massiv zugenommen, ob per Auto, Velo und unter zu-Fuss-Gehenden. Kein Wunder sagte ein Autofan, dem ich die Bundesbeschluss-Broschüre unter die Nase hielt, spontan: «Von mir aus hätte ich am liebsten gar keine Velos, in der Verfassung schon gar nicht.»
Natürlich hat ihn der Hinweis auf den breiten politischen Rückhalt stutzig gemacht und vielleicht überdenkt er seine Position noch bis zum 23. September und merkt, dass Velofahrende einen essenziellen Beitrag zur «Verkehrsverschlankung» beitragen. Aber die toxische Mischung von Auto-Fundamentalisten und Fussgängeropposition könnte am Abstimmungstag durchaus matchentscheidend werden. Der Kampf um die verbleibenden 8 Prozent ist in vollem Gange. Ausschlaggebend wird sein, wie viele «mit den Füssen», also rein emotional, und wie viele ein darüber hinaus denkendes, kühl rechnendes Ja einlegen. Ich hoffe auf die kühl Rechnenden.







