Nun ist es also offiziell: Die Firma Obike zieht sich mit ihren graugelben Velos aus Zürich, ja sogar aus ganz Europa zurück. Man hat es ja schon lange vermutet und reibt sich dennoch die Augen. Wie konnte eine solche Geschäftsidee die Öffentlichkeit so lange auf Trab halten?
Angetrieben von erwartungsfrohen Risikokapitalanlegern überschwemmten die Billigvelos von Asien aus letztes Jahr halb Europa. In Zürich erhoffte sich der damalige Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger einen Schub im Mobilitätsangebot und gewährte der Firma zehn Prozent der für Velos reservierten Abstellfläche im öffentlichen Raum. Auch die Velolobby frohlockte kurzzeitig und verstand die einfachst ausgestatteten Velos als einen Beitrag an ein velofreundliches Klima.
Nur: Bei den Nutzerinnen und Nutzern fielen die Zweiräder durch. Zu sperrig und schwer waren sie. Gerade in Zürich haben die Anbieter die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Erstens erlebt die Stadt derzeit einen Veloboomprozess, wo hochklassige, individuell gefertigte Räder gefragter sind denn je. Zweitens hat schon vor der Billigveloschwemme das Freefloating-System von Smide die Zürcherinnen und Zürcher auf den Geschmack gebracht. Zwar «Zürilike-teuer», aber dafür bestens funktionierend. Die Zeche bezahlt hat vorläufig eine gutgläubige Zürcher Transportfirma, die sich mit dem Rückzug von Obike ihre Investitionen wohl abschminken kann.
Das viel geschmähte (zu teuer, zu spät!) Publibike ist zwar erst vor ein paar Monaten in Zürich an den Start gegangen, rollt nun aber offenbar das Feld von hinten auf, neu auch in Bern. Als Tochterunternehmen der Post steht aber auch diese Firma unter Verdacht, ihr Projekt nur durch Quersubventionen am Leben zu halten. Dem Publikum schmeckt aber das Angebot: Nach O-und Limebikes hat man offenbar auf ein Produkt wie das Publibike gewartet. Der Vorwurf eines Korruptionsgeschmäckles kann dies nicht schmälern.
Daraus kann man Folgendes schliessen: Ein durchdachtes Mobilitätsangebot ist nicht zum Nulltarif zu haben. Und nicht immer bewahrheitet sich das Sprichwort, «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst». Manchmal läufts auch so: «Wer zuletzt lacht, lacht am besten». Zumindest vorläufig noch bei Publibike.
Siehe auch
Obike gibt auf
Foto: Herzi Pinki, CC BY-SA 4.0
Pete Mijnssen
Blog,
02.07.2018







