Eigentlich bestätigen die Forscher der Wesley Marshall University of Colorado in Denver in ihrer Studie nur bekannte Tatsachen: Gute Veloplanung entlastet den Stadtverkehr und macht ihn sicherer. Und zwar für alle Verkehrsteilnehmerinnen.
Logisch, dass dies Zürcher Medienschaffende und Velofahrende aufhorchen lässt. Die rasante Zunahme des Veloverkehrs in den letzten Jahren geht einher mit hohen Unfallzahlen. Die Unfälle mit Velobeteiligung haben seit 2006 um rund 50 Prozent zugenommen. Soweit, so beunruhigend.
Obwohl das Ziel, das Radfahren in der Stadt Zürich zu fördern, unbestritten ist, werden Unfälle als Kollateralschäden in Kauf genommen. So steht im Masterplan Velo von 2012: «Es ist davon auszugehen, dass sich im Fahrwasser einer erfolgreichen Förderung des Veloverkehrs noch mehr Unfälle ereignen werden, wenn dem nicht durch geeignete Massnahmen entgegengewirkt wird.» Bislang haben die Behörden versagt, die Unfallzahlen bleiben konstant hoch.
Was wäre also zu tun? Mehr separate Velowege bauen, lautet das Rezept der amerikanischen Forscher. Schön und gut, aber wo bitte soll das geschehen in Zürich? Im Gegensatz zu den Industriestädten Basel und Winterthur, wo dank grosszügigen Strassen schon früh separate Velowege angelegt wurden, ist Zürich eine zu schnell gewachsene Provinzstadt, die aus den Nähten platzt.
«Bislang haben die Behörden versagt, die Unfallzahlen bleiben konstant hoch.»
Nicht zufällig wird in der grössten Schweizer Stadt und Wirtschaftsmetropole seit über dreissig Jahren der Kampf um Verkehrsflächen besonders heftig geführt. Dabei ist inzwischen sonnenklar, dass sich bei allem Politgetöse der motorisierte Individualverkehr auf dem Rückzug befindet.
Längst geht es nicht mehr um ideologische Grabenkämpfe, sondern schlicht um wirtschaftliche Überlegungen. Stau ist bekanntlich nicht profitabel und egal wie autofreundlich eine Stadt ist: Am Schluss stehen sich Autos und Lastwagen selber am meisten im Weg – und auch dem gut ausgebauten ÖV und den immer zahlreicheren Velos und anderen Individualgefährten.
Klar ist deshalb auch, dass dem Velo massiv mehr Platz eingeräumt werden muss (und leider auch etwa den Trottis, die auf Veloflächen fahren müssen). Trotzdem wird es sehr schwierig werden, getrennte Velowege zu bauen.
Für die Zürcher Verkehrsplanung kann es deshalb nur heissen: den Strassenraum teilen und gleichzeitig konsequent auf die schwächsten Teilnehmer ausrichten, um möglichst wenig Unfälle zu provozieren.
«Die Zürcher Politikerinnen und Planer müssen einfach endlich ihre Hausaufgaben machen.»
Das bedeutet: Autospuren abbauen, Tempo 30 flächendeckend einführen und Verkehrssignale konsequent auf den Langsamverkehr ausrichten (der dann eben auch nicht mehr «langsam» ist).
Zurückkommend auf die amerikanische Studie, lässt sich festhalten: Es ist positiv, dass im Autoland USA endlich das Velo entdeckt wird. In Zürich braucht es aber keine transatlantischen Heilversprechen.
Wie steht es doch im Masterplan Velo: Mit mehr Unfällen sei zu rechnen, «wenn dem nicht durch geeignete Massnahmen entgegengewirkt wird». Die Zürcher Politikerinnen und Planer müssten nun einfach endlich ihre Hausaufgaben machen.
Foto: Etienne Girardet / Unsplash







