Seit Kurzem gilt bei Berns Ampeln Dauergrün für den Fussverkehr. Für die Velofahrenden heisst dies umgekehrt Dauerrot, selbst wenn niemand die Strasse überqueren will.
Dauergrün für Fussgänger in Bern (Foto: pxhere.com)
Das Velo ist nicht nur das Fortbewegungsmittel der Zukunft, sondern auch das Fortbewegungsmittel der Stunde. In der Schweiz haben die täglich mit dem Velo zurückgelegten Kilometer seit der Inkraftsetzung der Corona-Massnahmen stark zugenommen, während sie bei allen andern Verkehrsarten massiv zurückgegangen sind.
Zahlreiche Städte weltweit haben rasch gehandelt und die Veloinfrastruktur in Windeseile ausgebaut, um das zusätzliche Veloaufkommen unter Einhaltung der Distanzregeln sicher abzuwickeln. In der Schweiz hat es der Bundesrat hingegen unverständlicherweise unterlassen, den Städten solche temporären Massnahmen überhaupt zu ermöglichen. Auch in Bern wurden bisher keine coronabedingten Massnahmen zugunsten des Veloverkehrs umgesetzt.
Michael Suter, Pro Velo Bern:
«Velos werden durch rote Ampeln ausgebremst, obwohl gar niemand die Strasse überqueren will.»
Der Berner Stadtpräsident hat das Velo in einem Video als nachhaltiges und gesundes Fortbewegungsmittel in Corona-Zeiten angepriesen. Gleichzeitig wirft die Stadt Bern den Velofahrenden mit derselben Begründung nun aber unnötig Knebel zwischen die Speichen.
#Corona: Den ÖV zu Stosszeiten meiden, mit dem Auto in die Stadt – schwierig. Zum Glück gibt es eine nachhaltige und gesunde Alternative: Einfach das Velo benutzen! Gute Fahrt! pic.twitter.com/UPZLJ9k75q
Weil bei den meisten Ampeln vor Kurzem eine «Daueranmeldung» für Fussgängerinnen und Fussgänger besteht, werden Velos auch dann durch rote Ampeln ausgebremst, wenn gar niemand die Strasse überqueren will. Für Velofahrende führt dies zu einem unnötigen Stopp- and-Go.
Pro Velo Bern fordert den Gemeinderat auf, diese Daueranmeldung für Fussgänger und Fussgängerinnen umgehend rückgängig zu machen. Und die Ampeln endlich velofreundlicher zu programmieren. Dies ist nicht nur angesichts der Zunahme des Veloverkehrs in Folge von Corona angebracht, sondern entspricht auch den Zielsetzungen der Velooffensive und Beschlüssen des Stadtrats. Es braucht rasch Massnahmen, die den Fuss- und Veloverkehr nicht gegeneinander ausspielen.
«Die Ampeltechnik wird den Bedürfnissen von Velofahrenden sowie Fussgängerinnen und Fussgängern bis heute viel zu wenig gerecht.»
Die einfachste und zugleich wirkungsvollste Massnahme ist, die Ampeln ausserhalb der Hauptverkehrszeiten mittels «orange blinken» als Bedarfsanlagen zu betreiben. Das Drücken des Anmeldeknopfes wird für den vortrittsberechtigen Fussverkehr dadurch ebenfalls unnötig – anders als bei der Daueranmeldung wird damit aber niemand schikaniert. ÖV und Fussverkehr haben weiterhin die Möglichkeit, sich anzumelden und Ampelanlagen zu aktivieren.
Ampeln sollen primär der Sicherheit schwächerer Verkehrsteilnehmenden, dem Bevorzugen des ÖV oder dem Dosieren des MIV dienen. Die Ampeltechnik wird den Bedürfnissen von Velofahrenden sowie Fussgängerinnen und Fussgängern aber bis heute viel zu wenig gerecht. Pro Velo Bern unterstützt die Stadt Bern gerne dabei, dies möglichst bald zu ändern.
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