Schlechte Stimmung auf Zürichs Strassen

Zwei von drei Zürcherinnen und Zürcher beurteilen das Verkehrsklima in der grössten Schweizer Stadt als schlecht. Das ergab eine Umfrage der Stadt bei rund 2100 Personen. Das Resultat wurde am zweiten «Tag der Verkehrssicherheit» präsentiert.

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Dave Durner
Blog, 07.11.2019

Gemäss einer Umfrage nehmen zwei Drittel der Zürcherinnen und Zürcher das Klima auf den Strassen als eher schlecht oder sogar ganz schlecht war.

Auffällig: Während sich bei den Fussgängerinnen «nur» rund die Hälfte unzufrieden zeigt, sind es bei den Velofahrenden und den Automobilisten jedoch drei Viertel. Diese Zahlen hat die Stadt Zürich in einer Umfrage erhoben und am 6. November am zweiten «Tag der Verkehrssicherheit» veröffentlicht.

Die 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung hatten die Gelegenheit, während der Präsentation selber abzustimmen. Erstaunlicherweise war das Resultat deutlich besser: Die Hälfte der Anwesenden empfand das Verkehrsklima in Zürich als nicht problematisch.

«Eine velofreie Stadt.»

Zuvor zeigte jedoch der Verkehrspsychologe Hardy Holte auf, was Verkehrsklima überhaupt ist und wie es entsteht. Und er veranschaulichte an einem konkreten Beispiel, wie mit auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Kampagnen Verhaltensänderungen erreicht werden können.

Schliesslich trafen sich eine Busfahrerin, eine Soziologin, eine Mitarbeiterin des polizeilichen Assistenzdienstes und ein Verkehrspsychologe auf dem Podium, um ausgewählte Resultate der Befragung zu diskutieren.

Sehr viel Überraschendes kam dabei jedoch nicht heraus. Einzig das freimütige Bekenntnis der Soziologin, sich auf dem Velo des Nachts selten an Rotlichter zu halten, wurde vom Publikum mit einem Raunen quittiert.

Einen kontroversen Schlusspunkt setzte die Mitarbeiterin des polizeilichen Assistenzdienstes. Die Frage, was sie sich wünschen würde, beantwortete sie mit: «Eine velofreie Stadt.»

«Ein deutlich zu grosser Teil applaudierte der Bemerkung.»

Das war etwas unglücklich formuliert, wie sich später herausstellte. Denn ganz so konkret meinte es die Frau nicht.

Zu denken geben muss jedoch die Reaktion eines Teils des Publikums, immerhin alles Verkehrssicherheitsfachleute: Ein deutlich zu grosser Teil applaudierte der Bemerkung. 

Schliesslich wurde noch der Studienpreis für Verkehrssicherheit verliehen. Dieser ging an Laura Ringel. Sie hat in ihrer ETH-Masterarbeit die Dunkelziffer von Velounfällen untersucht.

Wie von Experten vermutet, beträgt diese zwischen 80 und 90 Prozent. Ausserdem hat sie verschiedene Orte in Zürich identifiziert, an denen sich noch deutlich mehr Velounfälle ereignen, als bisher bekannt war.

Dave Durner

Dave Durner ist Geschäftsführer Pro Velo Kanton Zürich.


Hinweis

Ein ausführliches Interview mit Laura Ringel erscheint im nächsten Regionalteil Zürich des Velojournals und auf www.provelozuerich.ch/magazin.

Foto: Emilie Farris, Unsplash