Kurz vor Weihnachten schaffte es das E-Bike nochmals in die nationalen Schlagzeilen, zumindest bei den Tamedia-Titeln. Dort stand in fetten Lettern:
«E-Bikes sind schlechter als ihr Ruf.»
Die Aussage basiert auf einem Bericht des Bundesamts für Umwelt Bafu, wonach Elektroautos für die Umwelt schlechter sind als Hybridautos und E-Bikes schlechter als die Bahn. Es war ein Abschiedsgeschenk der scheidenden Umwelt- und Verkehrsministerin Doris Leuthard. Den Bericht etwas genauer gelesen, fällt auf, dass das E-Bike darin praktisch nicht vorkommt: Es wird ausser den E-Cargovelos einmal mehr vor allem die Auto-Mobilität analysiert und bewertet. Und da steht dann auch, dass Elektroautos einen schlechten Energiemix aufweisen. Das müsste der abtretenden Ministerin Leuthard als Tesla-Botschafterin auch zu denken geben.
Gehen wir der TA-Schlagzeile nach, figuriert das E-Bike in der Aufstellung tatsächlich an drittletzter Stelle bei den Belastungen. Am besten schneidet - wen wunderts - das Velo ab, gefolgt von Bahn und E-Bike. Das E-Bike rangiert allerdings weit «vor» dem Durchschnitts-ÖV und Elektroscooter. Am schlechtesten schneidet übrigens das Motorrad ab, noch vor dem benzinbetriebenen PW.
Warum also das E-Bike-Bashing? Um den E-Bike-Mobilitätsaposteln eins ans Bein zu treten – und weil sich die Öffentlichkeit oft über E-BikerInnen nerven müssen? Das mag alles zutreffen. Aber wer den Bericht durchliest, findet wenig Anhaltspunkte für die marktschreierisch verbreitete Schlagzeile.
Zwar ist es korrekt, dass ein auf E-Bike umsteigender Autofahrer Energie einspart, während ein auf das E-Bike umsteigender Velofahrer «mehr» Energie verbraucht. Das sind aber alles Verschiebungen im kleinen Bereich in einem doch eher mageren Bericht. Die grossen Verkehrs-Schritte plant der Bund mit der Förderung der Elektro-Automobilität. Und da gibt es noch viel zu überdenken und zu ergänzen; etwa welch wichtige Rolle das E-Bike in Zukunft zu übernehmen hätte. Inzwischen können wir als (motorlose) Velofahrende entspannt zurücklehnen und weiterhin unsere Energieautonomie geniessen!
Foto: ZVG







