Der Kauf eines weiteren «Billy»-Regals für meine Büchersammlung stand schon länger an. Mit dem Lockdown und der daraus resultierenden Aufräumwüterei in den eigenen vier Wänden wurde die Anschaffung des Regals plötzlich dringender. Der Möbelriese, der besagtes Regal schon seit Ende der 1970er-Jahre äusserst erfolgreich verkauft, bietet schon länger die Möglichkeit des Onlineshoppings mit anschliessender Lieferung.
Da sich die Distanz von meinem Zuhause zur nächsten gelb-blauen Filiale auf nur knapp 13 Kilometer beläuft – eine Entfernung, die sich problemlos mit dem Velo bewältigen lässt –, kam eine solche Lieferung für mich aber eigentlich nicht infrage. Andererseits wären die Kosten für die Lieferung höher gewesen als das Bücherregal selbst. Und dieser Service sowohl für die Umwelt wie auch für mein Portemonnaie völliger Unsinn.
«Nach einer knappen Stunde in der Leitung der Hotline wurde mir jedoch zugesichert, dass es möglich sein sollte, die Ware in einen Veloanhänger zu laden.»
Für meinen Wunsch, das Regal selbst abholen zu können, hat das schwedische Unternehmen zur Zeit eine Lösung namens «click & collect». Ein Service, den ich grundsätzlich interessant finde und der meines Erachtens die Einkaufstour massiv vereinfacht: Online eingekaufte und bezahlte Waren werden von Mitarbeitenden des Möbelhauses auf einen ausgewählten Zeitpunkt hin in der gewünschten Filiale zur Abholung bereitgestellt. Die zehn Franken Gebühr dafür sind es absolut wert.
Einkaufsfahrt mit Tücken
Ganz so einfach war es dann aber doch nicht. Denn das Möbelhaus befindet sich in der Agglo und ist damit (noch) sehr auf Kunden mit Auto ausgerichtet. Im Anhang der Bestätigungsmail befand sich ein Dokument mit Hinweisen und Verhaltensregeln rund um die Abholung.
Daraus war zu entnehmen, dass die Bestellung in der Tiefgarage abgeholt und währenddessen die Fenster des Fahrzeugs geschlossen bleiben sollen. Offensichtlich war nicht angedacht, sich die Bestellung anders als in einem rollenden Blechkasten mit geschlossenen Fenstern abzuholen.
Nach einer knappen Stunde in der Leitung der Hotline wurde mir jedoch zugesichert, dass es möglich sein sollte, die Ware in einen Veloanhänger zu laden. Ein Hauch Nervosität blieb bei mir trotzdem zurück.
Die knapp 13 Kilometer lange Fahrt stadtauswärts war dank des Velowegs entlang eines Flusses und fast keinem Verkehr durch das Quartier sehr gemütlich. Ein Zustand, an den ich mich durchaus gewöhnen könnte. Je näher ich der Agglomeration kam, desto weniger Menschen waren unterwegs.
Um den Möbelriesen herum wirkte alles wie ausgestorben. In der Tiefgarage vor dem Schalter standen nur drei Fahrzeuge in der Schlange. Ansonsten herrschte gähnende Leere in der sonst so gut genutzten Tiefgarage. Um möglichst viel Kontakt zu vermeiden, mussten jeweils lediglich die letzten vier Ziffern der Bestellnummer genannt werden.
«Je näher ich der Agglomeration kam, desto weniger Menschen waren unterwegs.»
Und schon wurde einem ein Parkplatz zugewiesen. Elf solcher Parkplätze mit je mindestens drei Parkplätzen dazwischen waren ausgeschildert. Dem Velo mit Anhänger wurde der Spezialparkplatz Nummer 11 zugewiesen.
Mit viel Sicherheitsabstand brachten die Mitarbeitenden die Waren auf entsprechenden Wagen zu den Kunden. Die Mitarbeiterin mit meinem Regal auf dem Wagen, musste zuerst ihre Kollegen nach dem Parkplatz Nummer 11 fragen. Häufig wurde der wohl noch nicht benutzt.
Die Warenannahme war denkbar einfach. Der Warenschein lag zuoberst, bereit zur Überprüfung. Da alles seine Richtigkeit hatte, musste ich nur noch das Regal in den Anhänger hieven und gut festzurren, schon ging es wieder retour. Trotz ausladender Fracht im Anhänger kam ich keinem Fahrzeug in die Quere und holperte gemütlich und zufrieden über den Kiesweg zurück Richtung Stadtgrenze.
So einfach war Einkaufen beim schwedischen Möbelhaus für mich noch nie.
Fotos: Julie Nielsen







