Das Coronavirus hat unser Leben gerade fest im Griff. Obwohl es erst ein paar Tage her sind seit dem «Lockdown-light», kommt mir der Stillstand bereits ewig vor. Während draussen die Kirschbäume schon beinahe unverschämt blühen, fühle ich mich an den Öko-Klassiker «Der stumme Frühling» aus den 60er-Jahren erinnert.
Er steht als Metapher für die blühende Stadt, in der sich eine seltsame, schleichende Seuche ausbreitet. Damals ging es um Umweltgifte, heute um das unsichtbare hochgefährliche Corona-Virus, welches sich weltweit rasant ausbreitet.
«Die Ausdünnung des öffentlichen Verkehrs und des motorisierten Individualverkehrs lässt auf einmal Platz für uns!»
Neben den obligaten Hygienechecks beschäftigt uns, wie und wo wir uns ausserhalb der eigenen vier Wände noch sicher bewegen können. Mit dem Home-Office ist über Nacht etwas ironischerweise zur Normalität geworden, was lange beinahe aussichtslos als Massnahme gegen Verkehrsstau und überfüllten ÖV propagiert wurde. Plötzlich ist vieles möglich, dank Notrecht.
Noch ist es zu früh, etwas über die längerfristigen Auswirkungen auf die Mobilität zu sagen. Jedenfalls ist die Ausdünnung des öffentlichen Verkehrs und des motorisierten Individualverkehrs im Moment stark spürbar und lässt auf einmal Platz für uns!
«In vielen Schweizer Städten sind die meisten Velowerkstätten geöffnet.»
Gerade jetzt ist nämlich das Velo das ideale Fortbewegungsmittel für Kurz- und Mittelstrecken. Das gilt vor allem für diejenigen, die direkte Wege haben, sei es zum Einkaufen oder zum Arbeitsplatz. Dazu passt im Moment das Wetter. In diesen schönen, milden Tagen ist jeder Aufenthalt im Freien gut, um das Immunsystem zu stärken – und gegen den Lagerkoller. Das schreibe ich in der Hoffnung, dass unsere Bewegungsfreiheit nicht noch mehr eingeschränkt wird.
Auch das darbende Kleingewerbe, vorab unsere Veloservice-Zentren sollten jetzt von uns nach Kräften unterstützt werden. Es sind die KMUs, die Stütze unserer Wirtschaft, die am meisten von der Krise betroffen sind. Es könnte sonst ein böses Erwachen geben nach der Krise, viele könnten diese wirtschaftlich nicht überleben. In vielen Schweizer Städten sind die meisten Velowerkstätten geöffnet, wegen den Corona-Regeln ist aber eine Voranmeldung nötig. Und jetzt los!
Velohändler trotzen der Krise
Fb. Weil die Ladenlokale geschlossen sind, setzten verschiedene Händler auf Heimlieferungen. So hat etwa der Krienser Velolanden Velociped kurzerhand einen Lieferservice aufgezogen. Man berate Kunden am Telefon und liefere ihnen dann das Gewünschte nach Hause, heisst es bei Velociped. Die Landekette Veloplus hat die Logistik verstärkt, damit Onlinebestellungen so rasch als möglich bearbeitet werden können. Eine kreative Lösung hat der Zürcher Händler Velo Zürich gefunden: Um direkten Kundenkontakt zu vermeiden, wurden vor den Schaufenstern Veloparkplätze installiert. Auf Voranmeldung können Velos dort zur Reparatur abgestellt und danach auch wieder abgeholt werden. Das System mit der Voranmeldung kommt offensichtlich gut an. Laut Geschäftsführer Thomas Ernst waren am Freitagmorgen alle achtzehn Fenster belegt.
Pete Mijnssen ist Herausgeber und Chefredaktor Velojournal.
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