Nun also doch: Zürich will dem Free-Floating-Wildwuchs einen Riegel vorschieben, nachdem man die Verleihanbieter während zwei Jahren an der langen Leine liess und aus Zürich ein Datenstaubsauger-Eldorado machte.
Wir erinnern uns an die Flut auf Zürichs Trottoirs durch gelbe OBikes, später Limebikes, Bird-Trottinette und wie sie alle heissen. Einem Teil ging der Schnauf ins kontinentale Europa glücklicherweise schon vorher aus. Obike machte vergangenen Sommer Pleite. Neuerdings sind es statt Velos Trottinette, die an allen möglichen und unmöglichen Orten herumstehen.
Das will der Stadtrat ändern. In Zukunft benötigen Verleihanbieter (Velo, Trotinette, Scooter etc.) eine Bewilligung des Sicherheitsdepartements, wenn sie mehr als 30 Fahrzeuge bereitstellen. Autosharingsysteme unterstehen künftig bereits ab mehr als drei Fahrzeugen der Bewilligungspflicht.
Zudem erhebt die Stadt Zürich eine Gebühr für die Nutzung des öffentlichen Raums. Ab dem 31 Zweirad beziehungsweise dem vierten Vierrad werden zehn Franken pro Fahrzeug und Monat fällig. Soweit so klar und wohl auch nicht wirklich schmerzhaft für die Anbieter.
Nicht alle einverstanden
Dennoch wehren sich das Zürcher Star-up-Unternehmen Smide (ursprünglich ein Innovationsprojekt der Mobiliar) und Pro Velo Zürich. Letztere Organisation wirft dem Stadtrat vor, seine eigene Verkehrs-Schwerpunktpolitik «integrierte Mobilität» über den Haufen geworfen zu haben.
Tatsächlich wird auf der VBZ-Plattform tatsächlich unter Sharing Economy auch die intelligente Nutzung von Fahrrädern und Cargobikes propagiert. Wie das vonstatten gehen soll, wird aber nicht näher beschrieben.
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Wildwuchs nützt niemandem
Die letzten zwei Jahre in Zürich zeigen aber, dass mit dem Free-Floating-Wildwuchs niemand zufrieden sein kann: Chaos bei den Abstellplätzen, mangelnde technische Standards, unzulängliche Organisation und vieles mehr. Das konnte wohl nicht gemeint sein mit «integrierte Mobilität».
Es ist deshalb richtig, dass die Verwaltung nun gehandelt hat und mit gleichen Ellen misst wie bei Gewerbe- und Gastrobetreibern, deren Nutzung des öffentlichen Grundes peinlich genau nach Quadratmetern abgerechnet wird.
Dennoch bleiben Fragezeichen: Was passiert mit den Daten, welche die Anbieter mit ihren Gefährten sammeln? Von der Posttochter Publibike mit ihren festen Standorten weiss man, dass sie diese an die öffentliche Hand zurückspeist. Das kann hilfreich sein bei der Veloplanung, da auf diese Weise Verkehrsströme gemessen werden können.
Es hätte dem Stadtrat gut angestanden, hier verbindlichere Vorgaben für Free-Floating-Anbieter zu definieren. Auch das wäre ein Schritt in Richtung «integrierte Mobilität».
Foto: Alan Bradley, Twitter







