Am Schluss wollten sogar zehn seiner Mitunterzeichner nichts mehr davon wissen: Nationalrat Hans-Peter Portmann ist mit seinem Vorstoss für höhere Velobussen deutlich gescheitert. Nur 62 der 191 anwesenden Ratsmitglieder unterstützen das Anliegen am 8. März. Das liegt weit unter dem Quorum der bürgerlichen Nationalrats-Mehrheit.
Im Vorfeld war gerätselt worden, was den ansonsten oft moderat wirkenden Thalwiler Banker und Oberst a.D. zu diesem Vorstoss geritten haben mag.
Neben den Velo-Interessenvertretern, die logischerweise mit Ablehnung reagierten, kam auch massive Kritik von bürgerlich-liberaler Seite. «Bürgerliche Abzocker» frotzelte die NZZ, ansonsten nicht im Rufe als velofreundlichste Stimme im Land stehend.
In die gleiche Kerbe schlug SVP-Mann Alfred Heer in der Debatte, auch er ansonsten nicht bekannt als Velofreund: «Seien Sie doch so ehrlich, und sagen Sie uns, dass Sie einfach die Velofahrer schröpfen möchten.» Das ausgerechnet ein Liberaler nach mehr Staat ruft, das hat Portmann viel Häme eingebracht.
Dieser sieht dennoch das Problem nicht bei sich. Vielmehr beklagte er sich auf dem Newsportal nau.ch, «dass die Parlamentarier vor dem Druck aus den Medien und der Velo-Lobby» eingeknickt seien. So klingts jeweils bei Politikern, wenn ihnen nichts Schlaues mehr einfällt.
Dabei hätte Herr Portmann das durchaus existierende Problem der fehlenden Velodisziplin analysieren können und mit mehr Kontrollen sogar den «Velolobbyisten» Matthias Aebischer und andere auf seiner Seite gehabt.
Die folgerichtige Frage hätte dann aber gelautet: Und wo sollen denn die Velofahrer hin, damit sie nicht mehr etwa aufs Trottoir ausweichen müssen? Genau: auf die Strasse! Dort legte sich aber Portmann ins Lotterbett mit einem Teil der «Autolobby», die im Fahrwasser seiner Motion auch gleich noch die Bussen lockern wollte für Raser, die mit massiv übersetzter Geschwindigkeit Stadt und Land unsicher machen.
Fazit: Wer Ruhe und Disziplin auf den Strassen will, muss dafür sorgen, dass Velofahrende Platz «auf der Strasse» finden und dort vorwärtskommen, auch auf Kosten von Autofahrspuren. Und das will die Autolobby ja oft genau nicht.
So hat Populist Portmann zwar auch hier eine Problemzone für sein Anliegen herausgesucht, aber ausser abstrusen Forderungen keine konstruktive Lösung angeboten.
Einmal mehr das Pferd am Schwanz aufgezäumt und Ursache mit Wirkung verwechselt. Denn wer dem Pferd, in dem Fall den Velofahrenden, nicht genügend Auslauf gibt, muss sich nicht wundern, wenn es über den «Hag frisst», sprich Regelverletzungen begeht.
Wer keine Velofahrer auf Trottoirs und in Fussgängerzonen will, muss attraktive Verbindungen schaffen. Ab auf die Strasse und Freier Auslauf, statt Revier!
Pete Mijnssen
Blog,
09.03.2018







