Erbsenzählerei

In Zürich steigt der Veloverkehr an. Der Bericht «Stadtverkehr 2025» zeigt aber, dass die Stadt ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die Umsetzung des Masterplans Velo ist weit hinter dem Zeitplan.

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Blog, 12.07.2019

Zürich misst in regelmässigen Abständen den Verkehr auf Stadtgebiet. Die jüngste Auswertung zeigt, dass die Fuss-, Velo- und ÖV-Frequenzen zunehmen. Einen starken Anstieg stellt die Stadt beim Fahrradverkehr fest. «An den Zählstellen wurden im Jahr 2018 insgesamt 50 Prozent mehr Velofahrende gemessen als noch im Jahr 2012», heisst es im Bericht zum Programm «Stadtverkehr 2025».

Nicht auf Kurs

Die Zunahme des Veloverkehrs stellt die Stadt vor Probleme. So steigen nicht nur die gemessenen Frequenzen, sondern auch die Unfallzahlen. Und das «überproportional zur Zunahme des Veloverkehrs», wie der Stadtrat in einer Medienmitteilung schreibt.

Während die Stadt den Veloverkehr an verschiedenen Zählstellen fleissig misst, kommt sie beim Ausbau der Infrastruktur – und damit bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit – schleppend voran. Von den im Masterplan Velo versprochenen Massnahmen fehle jede Spur, monierte die Umweltorganisation umverkehR bereits vor zwei Jahren. «Bis Ende 2016 hätten die Haupt- und Komfortrouten entlang Sihl und Limmat sowie um das Seebecken realisiert werden sollen», sagte Geschäftsleiter Silas Hobi damals.

Und heute? Von einer durchgängigen Veloroute entlang des Seebeckens ist nichts zu sehen. «Die Umsetzung hinkt aufgrund von Projektanpassungen und -überprüfungen dem ursprünglichen Zeitplan hinterher», heisst es dazu nüchtern im Bericht der Stadt.

leiches gilt für die Strecken entlang von Sihl und Limmat. Und auch die Eröffnung des mit Trompeten und Fanfaren angekündigten Velotunnels unter dem Hauptbahnhof liegt in weiter Ferne.

Wie zögerlich der Ausbau der Veloinfrastruktur vonstattengeht, zeigt ein Blick auf die folgende Grafik. Innerhalb von sechs Jahren wuchs das Hauptroutennetz in der Qualitätsstufe A um gerade mal 3,4 Kilometer. Dazu muss man wissen, dass Velorouten mit Stufe A lediglich die Standardanforderungen erfüllen müssen. Diese sind bereits erfüllt, wenn ein durchgehender Radstreifen mit eineinhalb Meter Breite vorhanden ist. 

Qualität des Veloroutennetzes in der Stadt Zürich.

Werte Stadt Zürich, glanzvoll ist das nicht! 

Foto: ZVG