Rupert Wimmer provoziert gerne: «Die Veloförderung ist aus einer Gesamtverkehrssicht nur bedingt notwendig.» So lautete der Titel eines Referats, das der Verkehrsleiter aus dem Tiefbauamt an einer Podiumsdiskussion vor Fachleuten der Interessengemeinschaft des öffentlichen Verkehrs IGÖV im vergangenen November hielt.
Das ist pikant, weil der Zürcher Gemeinderat ein paar Tage zuvor sechs neue Stellen für die Veloplanung beantragte und bewilligte. Pikant auch, dass der Vorsteher Richard Wolff darüber nur bedingt erfreut war, weil er «seine» Fachstelle schon personell aufgestockt hatte.
«Bern ist eine viel mehr verwinkelte und historisch gewachsene Stadt als Zürich.»
Mit dem Referat hat Wimmer auch demonstriert, wie die Zürcher Verkehrsplanung in ihrem Innersten tickt. Der Verkehrsleiter hat zwar recht mit der Aussage, dass der Verkehrsraum in Zürich knapp bemessen ist und es keine leichte Aufgabe sein wird, all die geforderten Wege wie Velo-Schnellstrassen umzusetzen.
Aber bitte sehr, warum schafft Zürich nicht, was Bern mit viel Elan vorführt – nämlich eine Velostadt zu werden? Dabei ist Bern eine viel mehr verwinkelte und historisch gewachsene Stadt als Zürich – und ähnlich hügelig. Es ist auch richtig, dass in Zürich die Velofahrenden bei schlechtem Wetter oft ihr Gefährt zuhause lassen.
Aber gerade Velostädte wie Kopenhagen und Amsterdam machen vor, wie das Velo im klimatisch wechselhaften Norden auch bei schlechtem Wetter zum Zug kommt. Schliesslich gibt es für uns Velofahrende längst die passende Kleidung.
Stimmte die Infrastruktur bezüglich Sicherheit und Zeitersparnis, dann würde auch Zürich eine Schlechtwetter-Velostadt. Der ehemalige Tiefbauamt-Vorsteher Filippo Leutenegger erkannte richtig, dass es die Velofahrenden braucht, um den chronisch überfüllten ÖV zu entlasten.
«Dem Velo muss dabei eine gleichberechtigte Rolle zukommen.»
Das hätte etwa eine Botschaft und These aus dem Tiefbauamt sein können und nicht die Forderung nach noch dichterem ÖV, der in der Innenstadt ja schon heute an die Grenzen kommt. Dieser Ruf ist genauso überholt, wie der nach der autogerechten Stadt (der Wimmer im Übrigen auch eine Absage erteilte).
Klar ist: Die Verkehrs- und Energiewende ist nur im Verbund mit den Langsamverkehrspartnern ÖV, Fussgänger und Velofahrerinnen zu schaffen. Dem Velo muss dabei vor allem in den Städten eine gleichberechtigte Rolle zukommen. Immer mehr Studien stützen diese These. Die Bedeutung des Fahrrads nimmt aus verschiedenen Gründen rasant zu.
Im Gegensatz dazu kommen aus der Zürcher Verwaltung überholte Ansätze zur Verkehrsplanung. Und: Es ist schon erstaunlich – ja schon fast skandalös, wie ein offizieller Vertreter der Stadt den seit Jahrzehnten geforderten Volkswillen nach Veloförderung auslegt.
Das hat System. Das Velo wird nach wie vor, allen politischen Vorgaben zum Trotz, als «nice to have» – als Zugabe – behandelt. Kein Wunder, gibt der Gemeinderat nun Gegensteuer.
Stellt sich bloss noch die Frage, ob Wimmer an der richtigen Stelle sitzt oder ob er der Fuchs im Hühnerstall in der neu aufzustellenden Fachstelle ist.
Pete Mijnssen ist Herausgeber und Chefredaktor Velojournal.
Titelfoto: Emilie Farris, Unsplash







