Dres Balmer,
Autor
(dres.balmer@bluewin.ch)
Blog,
09.11.2021
Ein Festival beschäftigt sich mit Literatur und fragt, was sie mit Frauensport zu tun hat. So liefert sie einen Beitrag zur Velokultur im Land.
Dres Balmer,
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(dres.balmer@bluewin.ch)
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09.11.2021
Bei der Lesung von Simona Baldelli (2. v. l.) im Les Halles in Zürich war auch Marlen Reusser (rechts) zu Gast. (Foto: August Pfluger)
Dieses Jahr ist Simona Baldellis Roman «Die Rebellion der Alfonsina Strada» auf Deutsch erschienen. Man erinnert sich: Alfonsina Strada ist die Radprofi, die 1924 als erste und letzte Frau am Giro d’Italia teilnimmt. Dazu bietet das Buch- und Literaturfestival «Zürich liest» am 31. Oktober 2021 eine Veranstaltung von überraschender Dynamik.
Das Restaurant Les Halles ist für das Vorhaben prädestiniert. Dort hängt der Himmel voller Velos, an den Wänden wird dem Zweirad grafisch gehuldigt. Auf dem Podium ist ein Frauenquartett: die Autorin Simona Baldelli, die Schauspielerin Wanda Wylowa, die zweisprachige Moderatorin Laura Scuriatti und die Schweizer Radprofi Marlen Reusser.
In einer deutsch-italienischen Lesung derselben Romanseiten hören die Menschen im Saal, wie das Mädchen Alfonsina im Geheimen die Kunst des Radfahrens lernt. Dann erklärt Frau Baldelli ihr literarisches Handwerk und was sie beim Recherchieren gefunden hat auf der Wildbahn des Profisports, der schon in den 1920er Jahren, zumal für Frauen, brutal ist.
«Auf dem Podium ist ein Frauenquartett: die Autorin Simona Baldelli, die Schauspielerin Wanda Wylowa, die zweisprachige Moderatorin Laura Scuriatti und die Schweizer Radprofi Marlen Reusser.»
Ein Jahrhundert nach Alfonsina Strada ist die Radprofi Marlen Reusser hier im Saal anwesend. Wie Strada wird auch sie als Exotin und Rebellin im Radsport bezeichnet. Was geschieht heute auf der Wildbahn? Reusser kennt sich da aus. Sie ist eine Grösse im internationalen Radsport, und sie eckt mit kritischen Äusserungen zu Sport und Gesellschaft an.
Sie ist selbstbewusst und stolz auf ihre Leistungen. Die helvetische Pflichtübung der verklemmten Bescheidenheit ist ihre Sache nicht.
Bei der Frage, wie Frauensport unterstützt werden soll, stört sie das Wort «unterstützt», welches das verstaubte Cliché der Frauen als schwaches Geschlecht aufwärmt. Die Athletinnen müssen sich, wie ihre Kollegen, in der gigantischen Sport-Industrie mit allem Drum und Dran ihren Platz schaffen, und sie sind auf gutem Weg.
Alfonsina Strada lernt das Velofahren, Marlen Reusser verschafft einer neuen Generation Öffentlichkeit. Welche Jahrhundert-Reise – an einem Abend!
Dies ist die letzte «Zürich liest»-Ausgabe, die Violanta von Salis mitgeleitet hat. Nach elf Jahren übergibt sie an Martin Walker und unternimmt Neues.
Im Internet zu finden ist dieser schöne Kurzfilm «Alfonsina e la bici» von den Têtes de Bois.

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