Abstand!

Der Strassenverkehr ist wegen der Coronakrise um ein Drittel zurückgegangen, der Veloverkehr nimmt zu. Das führt an schönen Tagen zu ungewöhnlichen Situationen und zeigt die Grenzen des Velonetzes auf

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Pete Mijnssen
Blog, 31.03.2020

Abstand halten ist das zurzeit wohl wichtigste gesellschaftliche Codewort. Auch im Verkehr, der zurzeit gemächlicher rollt, sollte man meinen. Auch wenn die meisten Autofahrer auf uns Velofahrende Rücksicht nehmen, gibt es noch immer mehr als genug Konfliktpotenzial.

So lassen sich bei der Fahrt zur Arbeit oder bei einem Ausflug auch jetzt gefährliche Situationen beobachten, seien es riskante Überholmanöver oder nervöse Autofahrer, die hinter Velogruppen herfahren.

In dieser neuen Situation werden die Sünden der fehlenden Veloplanung besonders offensichtlich. So tummeln sich in den Zürcher Naherholungsgebieten an schönen Wochenendtagen neben Rennvelofahrenden und Familien auch jetzt die offenbar unvermeidlichen Tempobolzer auf zwei oder vier Rädern. 

«Während Töffs zwar stinken und lärmen, aber meistens weiträumig überholen, sind es oft die überdimensionierten SUVs, die einem gefährlich werden.»

Obwohl die Ausflugsrestaurants allesamt geschlossen sind, führen diese ihre PS-Boliden spazieren und legen die bundesrätliche Empfehlung «zwischendurch auch mal an die Luft zu gehen» auf ihre Weise aus: indem sie ungerührt weiterhin die Luft verpesten.

Während Töffs zwar stinken und lärmen, aber meistens weiträumig überholen, sind es oft die überdimensionierten SUVs, die einem gefährlich werden. Oft fehlt ihren Lenkerinnen und Lenkern der Überblick über den rechten Rand ihrer überdimensionierten Karossen, wo wir dann in Nahkontakt mit diesen Blechmonstern kommen.

Mit fehlendem Abstand und damit verbundenem Anstand ist also auch in diesen Zeiten zu rechnen. Und: Während auf den Trottoirs und in den Läden nun zwei Meter Distanz vorgeschrieben sind, wird dieser Abstand auf der Strasse nicht eingehalten. 

«Die Zweimeter-Regel sollte auch beim Überholen gelten.»

Obwohl die meisten Velostreifen im Lande kaum einen Meter breit sind, wird knapp überholt, der geforderte Überholabstand von 1,5 Metern damit meist unterschritten. Das ist gefährlich und in diesen Zeiten, korrekt ausgelegt, eigentlich gegen die Regeln.

Die Zweimeter-Regel sollte deshalb auch beim Überholen gelten. Denn wir wissen alle, dass jetzt möglichst keine Unfälle passieren sollten. Wir wollen ja gesund bleiben und vor allem keine Spitalbetten für Corona-Patienten belegen. Das gilt aber auch für unsere Verkehrsgruppe: Gerade jetzt sollten wir uns vorbildlich verhalten und keine gefährlichen Verkehrssituationen provozieren. 

Pete MijnssenPete Mijnssen ist Herausgeber und Chefredaktor Velojournal.

Foto: Mirjam Graf