Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
Blog,
29.03.2022
Die populärste und älteste Krimiserie im deutschen Raum geht mit der Zeit. Fuhren die Kommissare früher ausschliesslich Auto, spielt das Velo inzwischen eine immer wichtigere Rolle. Wir haben hingeschaut.
Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
Blog,
29.03.2022
Noch immer spielen Autos in Krimis bei Verfolgungsjagden eine grosse Rolle. Nicht zuletzt, weil Autofirmen dafür viel Geld springen lassen. Aber velofahrende Kommissarinnen holen auf. Der augenfällige Trend hat auch mit dem Veloboom zu tun, der im Zuge der Corona-Pandemie in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Bei den über 20 verschiedenen «Tat-Orten» sind es oft eingespielte Teams, bei anderen kommen neue Gesichter hinzu. Wie etwa beim Zürcher Krimi mit den beiden Kommissarinnen Anna Pieri Zuercher als Isabelle Grandjean und Carol Schuler als Tessa Ott.
Sie lösten vor zwei Jahren den Luzerner Tatort mit Stefan Gubser und Delia Meyer ab. So ist der Vorteil der verschiedenen Drehorte nach über fünfzig Jahren manchmal überzeugend, aber oft wird statt Drehbuch-Glaubwürdigkeit krampfhaft Originalität zelebriert.

Kommissar Frank Thiel mit dem Handy am Ohr. (Foto: WDR/Filmpool Fiction / Wolfgang Ennenbach)
Gewisse Folgen sind denn auch schon fast zum Klamauk und zur Satire mutiert. Dazu gehören etwa der Münsterner-Tatort mit dem Duo Prahl und Liefers, alias Karl-Friedrich Boerne und Kommissar Axel Thiel. Letzterer ist bevorzugt mit einem «Klapprad» der frühen Siebziger unterwegs – oder auch mal mit einem Mountainbike aus den Neunzigerjahren.
Er soll auch im echten Leben keinen Führerschein haben und das Duo auch privat oft mit dem Velo unterwegs sein. Kein Wunder: Münster gilt ja als Fahrrad-Vorzeigestadt.
Unter polizeilichem Aspekt ist durchaus auch interessant zu sehen, dass ausgerechnet diese zwei Ermittler nicht gerade durch strassenkonformes Verhalten auffallen. So telefonieren sie mit dem Handy beim Fahren und sitzen zu zweit auf dem Velo. Alles verboten im echten Leben. Aber hey: Wir sind hier im Krimi! Und da gelten wohl auch andere Gesetze. Apropos: Schon mal eine dieser Ermittlungspersonen mit Helm gesehen? Eben!
Apropos «Klapprad»: Im letzten Hamburger Tatort fährt Novize Felix Wacker (Arash Marandi) stilecht mit einem Brompton-Faltrad vor. Sein Volvo fahrender Chef (Achtung Product Placement!) Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) schaut anfänglich verächtlich auf das Vehikel und lässt sogar das K-Wort fallen, später will er es dann aber selber.
In der Autostadt Stuttgart muss Tatort-Schauspieler Richy Müller als Kommissar Thorsten Lannert zwar von seinem Porsche schwärmen, aber auch er lässt sich schon mal mit einem sportlichen Velo eines lokalen Fahrradhändlers ablichten.
In Dresden fahren Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Karin Handczewski alias Oberkommissarin Karin Gorniak (Tatort Dresden) immer wieder mal mit dem Velo zum Tatort, Gorniak ist privat bekennende Lastenrad-Fahrerin. Der Mainstream hat die deutschen Tatorte also fest im Griff.
Und die Schweizer? Anna Pieri Zuercher als Isabelle Grandjean und Carol Schuler als Tessa Ott widerspiegeln recht anschaulich die gesellschaftlichen Veränderungen. Hier die elegante, aber etwas steife Grandjean und dort die szenige und mit einigen psychischen Problemen kämpfende Ott.
Während die französisch sprechende Zuercher ihren immer gut geföhnten Schopf nur im Auto spazieren fährt, kurvt Ott durchs nächtliche und gefährliche Zürich, als gäbe es kein Morgen. Dabei fährt sie mal ein Hipstervelo, in einem älteren Tatort ein aufgehübschtes Retro-Tour-de -Suisse Velo. Tsüristyle halt.
Allen Darstellerinnen und Darstellern ist eigen, dass sie sich mit ihren Velos schmücken und damit ihre Individualität ins Bild rücken. Zum Glück für die Velomarken, die dafür kein Geld in die Hand nehmen müssen – im Gegensatz zu den Autofirmen.

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