Big wheels keep on turning: Fahren bald alle mit 32 Zoll-Rädern?

Keine Velokategorie ist in der Schweiz derzeit so begehrt wie Gravelbikes. Zugleich steht mit 32 Zoll ein neuer Laufradstandard vor der Markteinführung. Bringen die grossen Räder Vorteile? Und wer profitiert?

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@cyclinfo.ch)
News, 15.07.2026

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Ende Mai in den schier endlosen Weiten des US-Bundesstaates Kansas: Nach über 21 Stunden im Sattel fährt der Schweizer Robin Gemperle beim Gravel-Rennen Unbound XL als Führender Richtung Ziel. Als er dort ankommt, hat er über 350 Meilen (563 Kilometer) in den Beinen – und wegen schwieriger Witterungs- und Streckenverhältnissen auch einen Halbmarathon zu Fuss bewältigt. 

Für Aufsehen sorgt das Gravelbike des Siegers: Denn der Schweizer war auf einem Prototyp von Scott Sports mit Laufrädern der Dimension 32 Zoll unterwegs. Bei 700c-Felgen, wie sie an Rennvelos und Gravelbikes üblich sind, beträgt der Durchmesser des Felgenbetts 622 mm. Beim neuen Laufradstandard 32 Zoll sind es 686 mm – satte 64 mm mehr.

Je rauer der Untergrand, desto grösser die Vorteile

Der Sieg von Robin Gemperle beim Unbound XL passt bestens zu zwei Grosstrends bei den sportlichen Velos: Gravelbikes, also Rennvelos mit breiteren, leicht profilierten Reifen und Lenkern mit ausgestellten Enden, haben die klassische Gümmeler-Zielgruppe deutlich erweitert und dabei jünger und weiblicher werden lassen. Zugleich tauchen an Fachmessen immer mehr Komponenten und Anbauteile für 32-Zoll-Laufräder auf. Wie schon vor 15 Jahren, als bei Mountainbikes die Umstellung von 26 auf 29 Zoll richtig Fahrt aufnahm, versprechen sich Hersteller von diesen grösseren Laufrädern ein Plus an Laufruhe und Effizienz auf unebenem Untergrund. 

Messungen des Rollwiderstands durch das Bundesamt für Sport (Baspo) belegen diesen Zusammenhang. Je rauer der Untergrund, desto grösser die Vorteile von grösseren Rädern. Und je weniger die Schläge von Federelementen geschluckt werden, desto spürbarer werden diese Vorteile. Das ist ein Grund, weshalb 32-Zoll-Laufräder viel Potenzial für Gravelbikes haben. Der andere ist, dass sich die Veloindustrie in dieser Kategorie am ehesten darüber einig ist, welche Einbaumasse die Achsen aufweisen sollen: Wenn möglichst breite Schlappen passen sollen, kommen Boost-Steckachsen mit 110 mm Breite vorne und 148 mm hinten zum Einsatz. Wenn für maximale Effizienz der horizontale Abstand zwischen den Füssen minimiert werden soll, werden auch Einbaubreiten von 100 mm vorne und 142 mm hinten zum Thema.

Beim Mountainbike noch kein Thema 

Bei Mountainbikes ist die Unsicherheit bezüglich der Achsmasse deutlich grösser. Darum hat bisher noch kein namhafter Hersteller eine passende Federgabel für 32-Zoll-Laufräder gezeigt. Dafür schlägt die Stunde der kleinen Nischen- und Customproduzenten: Sie demonstrieren nun, wie schnell sie aus einem Konzept fahrbare Prototypen und in einem nächsten Schritt fertige Rahmen bauen können. Ein Beispiel im Mountainbike-Segment ist Stoll Bikes: Auf dem «P32»-Carbonfully der Schaffhauser gewann Felix Stehli im Frühjahr eine Cape-Epic-Etappe. An der Sea Otter Classic und bei Events wie den Craft Bike Days oder Beyond Normal Cycling waren Gravelbikes mit 32-Zoll-Laufrädern mit von der Partie. Und sorgten prompt für Aufsehen. 

Bei einer Podiumsdiskussion an der Cycle Week zum Thema 32 Zoll waren sich Christian Bättig vom Importeur Chris Sports, Valentin Wendel vom BMC-Entwicklungslabor Impec Lab und Thomas Stoll von Stoll Bikes einig: Grosse Laufräder spielen ihre Vorzüge bei Gravelbikes voll aus. Aber sie werden die bewährten 700c-Laufräder nicht auf so breiter Front ersetzen, wie dies mit 26-Zoll-Rädern bei Mountainbikes passiert ist. 

Der Grund liegt im Fitting: Durch die grösseren Laufräder rückt das Steuerrohr und damit der Lenker um 64 mm nach oben. Kleinere Menschen dürften daher kaum auf Velos mit diesen grossen Rädern passen. Wo genau die Untergrenze liegt, müssen die Hersteller noch herausfinden.

Nur etwas für grosse Menschen? 

Wer als Trendsetter schon im Sommer 2026 auf ein Gravelbike mit 32-Zoll-Laufrädern umsatteln möchte, sollte wohl mindestens 1 Meter 70 gross sein und einige Details beachten. Rahmen und Gabeln lassen sich bei Custom-Schmieden bestellen – vorerst meist aus Stahl oder Titan, von Herstellern wie Ruchti Cycles oder Salsa. Das kostet zwar deutlich mehr, dafür liegen auch Massfertigungen drin. 

Bei den Laufrädern wird die Auswahl schon geringer: Der deutsche Carbon-Spezialist Bike Ahead bietet seine so auffälligen wie exklusiven Sechsspeichen-Räder bereits in der Dimension 32 Zoll an. Die Regel sind aber eher Laufräder mit gesteckten Alufelgen und breitem Felgenprofil. Hier liegt noch einiges Potenzial zur Optimierung brach. Das gilt so auch für die Reifen, wo bis jetzt für Gravelbikes noch keine Modelle kommerziell verfügbar sind. 

Wegen der grösseren Laufräder müssen zudem auch kleinere Kettenblätter als üblich montiert werden, und bei den Bremsscheiben sollte eher die nächstgrössere verbaut werden. Das führt dann schon einmal dazu, dass Mountainbike-Komponenten an Gravelbikes auftauchen.

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