Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
25.11.2022
Die ETH startet mit «E-Bike City» ein Verkehrsprojekt in der Stadt Zürich. Ziel ist eine klimaneutrale Stadt, in der Mobilität neu gedacht wird. Dafür soll die Hälfte aller Verkehrsflächen dem Velo überlassen werden.
Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
25.11.2022
Die Ideen der Forschenden der ETH Zürich würden die grösste Schweizer Stadt komplett verändern. Für das Leuchtturmprojekt «E-Bike City» wird die urbane Mobilität komplett neu gedacht. Für CO2-neutralen Verkehr setzen die Forschenden vor allem auf E-Bikes, Velos und Trottinetts anstatt auf Autos.
«Wir wollen die Stadt nicht mehr vom Auto her denken, sondern aus Sicht von E-Bikes und anderen Mikromobilen wie Velos und E-Trottinetts», erklärt Projektleiter Kay Axhausen vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich.
Im Rahmen des Projekts untersuchen die Forschenden, wie die Stadt aussähe und welche Folgen es hätte, würde die Hälfte aller Verkehrsflächen ausschliesslich Mikromobilen zur Verfügung gestellt.
Als Ausgangslage gilt folgende Grundlage: Die meisten Strassen werden in eine Einbahnspur für Autos und eine Doppelspur für Zweiräder aufgeteilt.
Offiziell startet das Projekt Ende November, läuft während drei Jahren und kostet rund 1,7 Millionen Franken. Involviert sind sieben ETH-Lehrstühle aus den Bereichen Verkehrsplanung, Transportsysteme, Infrastrukturmanagement, ökologisches Systemdesign, Geoinformations-Engineering, Strassenverkehrstechnik und Raumentwicklung samt Stadtpolitik.
Mit dem Projekt E-Bike City werden die Verkehrsflächen komplett neu gedacht. (Illustration: Lukas Ballo ETH)
Ist die Erreichbarkeit verschiedener Orte innerhalb der Stadt gewährleistet? Dieser Frage und wie es für die Anbindung der Agglomeration an die Stadt aussieht, wollen die Forschenden nachgehen. Durch die neue Aufteilung der Strassen entstehen für den Autoverkehr sehr viele Einbahnstrassen und Sackgassen. Dennoch muss gewährleistet sein, dass Rettungsfahrzeuge, Polizei und Feuerwehr sowie Lieferdienste zügig ans Ziel kommen. Um das System aus Einbahnstrassen optimieren zu können, wird ein computergestütztes Werkzeug entwickelt. Axhausen betont: «Niemand stellt sich vor, dass ein Schlaganfallpatient auf dem Lastenfahrrad ins Spital transportiert wird.»
«Letztlich wollen wir für Zürich zeigen, wie das Strassennetz einer E-Bike-City konkret aussehen könnte und was das für den Verkehr und die Aktivitätsmuster der Bevölkerung bedeuten würde», sagt Axhausen. Es stellt sich auch die Frage nach der Akzeptanz bei der Bevölkerung. Es braucht eine Bereitschaft, sich mit dem Velo mit oder ohne Motor fortzubewegen und auf das Auto zu verzichten. Das neu erarbeitete Konzept soll sich auch auf andere Städte übertragen lassen.
Die Stadt Zürich verfolgt das ETH-Projekt interessiert, sagt die zuständige Stadträtin Simone Brander (SP) dem Tagesanzeiger. Unterstützt werde das Projekt aber nicht. «Die Priorität liegt [aber] auf dem Veloverkehr und nicht auf dem schnelleren E-Bike-Verkehr», so Brander. «Das hohe Tempo ist konfliktträchtig. Ausserdem tragen E-Bikes nur dann zur Erreichung der Netto-Null-Ziele bei, wenn sie Autofahrten ersetzen.»
Laut Axhausen möchten die Forschenden den konkreten Entwurf für Zürich bis 2025 vorlegen. «Bei unseren Studien sind wir ergebnisoffen. Wir wissen noch nicht, ob die E-Bike-City funktioniert.»
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