Vorab: Das gesamte Festivalprogramm vom Schiffbau-Areal in eine Lagerhalle in Zürich West zu verlagern, ist per se eine Sonderleistung. Die Frau- und Mannschaft um Urban-Bike-Festival-Organisator Erwin Flury hat da ganze Arbeit geleistet und alles gegeben. So wie man es von Sportsfreunden gewohnt ist. Der Bergpreis ist ja bekanntlich kein Zuckerschlecken.
Denn klar war von vorneherein: Einfach würde es nicht werden. Eine Veranstaltung, deren Popularität gerade auch von den zwischenmenschlichen Kontakten lebt – dem Sehen- und Gesehenwerden –, muss zwangsläufig Kompromisse eingehen. Grosse.
Danny MacAskill vor dem Loch Ness
Aber der Reihe nach: Am Wochenende vom 16./17. Mai gab es eine achtstündige Digitalausgabe des Urban Bike Festivals. Höhepunkt war der Bike-Stunt Superstar Fabio Wibmer, der eigens (und mit Sondergenehmigung) aus Österreich gekommen war.
Seine Tricks und auch die Zuschaltung von Danny MacAskill aus dem idyllischen Schottland werden viele für die verpasste Show bestimmt entschädigt haben. Zudem vermittelte die Übertragung am Bildschirm auch einen durchaus persönlich(er)en Zugang zu den beiden Stars, die man schon mehrmals zusammen auf dem Kalanderplatz gesehen hat.
Auch das ist ja eine durchaus sympathische Nebenerscheinung der vielen Corona-Shows im Netz: Viele Stars kommen einem näher. So erleben wir zurzeit ein grosses Stars-Unplugged-Programm.
Trial-Star Fabio Wimber ist sich Action vor der Kamera gewohnt.
Mix aus Sportshow, Unterhaltung und etwas Tiefgang
Und sonst? Da wurde mit viel Elan, Humor und lockeren Sprüchen Live-TV vermittelt. Über 60 Produktneuheiten wurden mit Kommentaren und Erklärungen in die Kamera gehalten, verschiedene ExpertInnen zu aktuellen Themen befragt, mit Quiz und sportlicher Action das Publikum unterhalten.
Auf dem Bildschirm ergab das einen quirligen Mix aus Show, Unterhaltung und etwas Tiefgang. Brot und Spiele eben. Alles vor fast leeren Rängen, unter Einhaltung der BAG-Richtlinien. In den packendsten Momenten mag man darob das karge Drumherum vergessen haben, auf die Länge stellte sich jedoch Dauerwerbesendung-Müdigkeit ein.
Die Sponsoren waren gut bedient, denn sie hatten ihren Auftritt auf garantiert. Dass dabei die Grenzen zwischen Berichterstattung und reiner Werbeplattform munter vermischt wurden, dürfte vor allem diejenigen ärgern, welche das Portemonnaie nicht so weit geöffnet hatten (oder nicht konnten).
So blieb bei Aussenbetrachtung ein bisweilen schaler Nachgeschmack der Käuflichkeit. Die Organisatoren halten gegenüber Velojournal fest, dass alle Aussteller zwei Produkte bewerben konnten und diese auch gezeigt wurden. Was diese Auswahlshow nicht bot, war etwa der Bicycle Lovers Contest, die beliebte Handmade-Show, die jeweils von Velo-Enthusiastinnen präsentiert wird.
«Richtiges» Festival wieder 2021?
Wie viele Personen an diesem Wochenende vor dem Bildschirm sassen und sich das Digitalfestival ansahen, das unterliegt der digitalen Logik. Laut Veranstalter waren über 30'000 Velo interessierte Menschen online. Wer auf Youtube oder Facebook reinschaute, sah dennoch jeweils nur einen Bruchteil davon im Stream.»
Der Veranstalter hält fest, dass eine messbare, nachträgliche Kalkulation sogar auf fast 40'000 Aufrufe kam. Offenbar wurde der Event auch im Nachhinein noch von vielen angeklickt, was ein klares Plus für dieses Format wäre.
Was man mit Sicherheit sagen kann: An diesem schönen Wochenende waren wieder Abertausende draussen auf dem Velo unterwegs. Nicht wenige davon in Vorfreude auf das Urban Bike Festival 2021 (und die Bikedays). Diese sollen dann wieder als Publikumsveranstaltung stattfinden. Und vielleicht auch als Livestream, wie Erwin Flury gegenüber Velojournal verriet.
Update: 28.05.2020
Fotos: ZVG







