Laurens van Rooijen,
Autor
(lvr@cyclinfo.ch)
News,
14.07.2023
Mit «smarten» E-Bikes hat Vanmoof viele Tech-Investoren angezogen. Während der niederländische Hersteller vor zwei Jahren noch ein Rekordinvestment verbuchte, kämpft er nun um seine Existenz.
Laurens van Rooijen,
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(lvr@cyclinfo.ch)
News,
14.07.2023
Die stylischen E-Bikes von Vanmoof waren bei Investoren aus der Tech-Szene beliebt. Doch nun steckt der Hersteller in akuter Geldnot. (Foto: ZVG)
Die Meldungen um Vanmoof überschlagen sich zurzeit. Am 1. September 2021 hatte der niederländische E-Bike-Anbieter stolz vermeldet, 128 Millionen US-Dollar von Investoren erhalten zu haben.
Inmitten der Covid-Pandemie versprachen sich viele Akteure schnellen Gewinn von durchgestylten E-Bikes. Hinter den Kulissen und auf verschiedenen Social-Media-Plattformen zeigten sich aber bald schwer wiegende Probleme, die diese Euphorie hätten ausbremsen müssen. Denn während Vanmoof viel Wert auf ein stimmiges Design legt und darum viele eigene Teile und Komponenten verbaut, wurde der Service-Aspekt sträflich vernachlässigt.
Zuletzt hingen die Hoffnungen auf eine Trendumkehr bei Vanmoof an der fünften Modell-Generation der durchgestylten E-Bikes. (Foto: ZVG)
Defekte E-Bikes von Vanmoof mussten daher auf Kosten des Herstellers zu Service-Centern transportiert, dort repariert und daraufhin wieder retourniert werden. Dies verursachte Millionenkosten, die nie budgetiert worden waren – kein Problem, so lange die Umsätze wuchsen und Investoren weiter Kapital bereitstellten.
Mit dem konjunkturellen Einbruch im Sommer 2022 änderte sich die Lage jedoch gravierend. Schon 2021 hatte Vanmoof das Kunststück fertiggebracht, bei einem Umsatz von 83 Millionen Euro einen Verlust von 78 Millionen Euro einzufahren.
Die Publikation der Zahlen für das Jahr 2022 steht derweil noch immer aus – ein alarmierendes Zeichen.
Ohne Touchpoints und Servicecenter kam auch Direktversender Vanmoof nicht aus. Die stationäre Präsenz (im Bild in Amsterdam) ging mächtig ins Geld. (Foto: ZVG)
Dennoch stellten Investoren nach einem Hilferuf der Firmengründer Taco und Ties Carlier Ende Januar 2023 nochmals zusätzliche Mittel zur Verfügung, um die Existenz des Unternehmens zu sichern.
Ende Juni meldete Vanmoof dann, dass aktuell keine E-Bikes über den Onlineshop bestellt werden könnten. Wurde dies zunächst mit Software-Problemen begründet, war kurz darauf davon die Rede, dass man sich für den Moment auf die Produktion und Auslieferung bereits bestellter Vanmoof-Elektrovelos konzentrieren wolle, ehe man wieder neue Bestellungen annehme.
Am Mittwoch wurde dann bekannt, dass Vanmoof beim Bezirksgericht Amsterdam einen Zahlungsaufschub erwirkt habe.
Führungslos: Während Präsidentin Gillian Tans (rechts) das Unternehmen im Frühjahr verlassen hat, sehen sich Ties und Taco Carlier nur noch als Co-Gründer. (Fotos: ZVG)
Dieser Zahlungsaufschub wurde nur im Zuge eines Insolvenzverfahrens gewährleistet. Das heisst, dass während der kommenden 60 Tage zwei vom Bezirksgericht bestimmte Verwalter an der Spitze des Unternehmens stehen werden.
Da Mitinvestorin Gillian Tans ihre Funktion als Präsidentin des Unternehmens bereits niedergelegt hatte und sich auch die beiden Firmengründer Taco und Ties Carlier nicht mehr als Co-CEOs sahen, war Vanmoof als Unternehmen mit rund 700 Angestellten zuletzt ohne operative Führung – eine mehr als nur bedenkliche Entwicklung, die nun in der Insolvenz mündet.

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