US-Universität nimmt Velohelme unter die Lupe

Für Velohelme existieren unzählige Standards. Eine US-Universität wollte es genau wissen und hat nicht weniger als 86 Helme namhafter Markenhersteller im Labor getestet. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Investition in Systeme lohnt, die Gehirn und Wirbelsäule vor Rotationskräften und Seitenbeschleunigung schützen.

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Laurens van Rooijen
12.12.2019

Schon in den 90er-Jahren gab es verschiedene Testprotokolle und Standards für Velohelme. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Während in den Vereinigten Staaten der CPSC-Standard seit März 1999 allgemein anerkannt ist und der Snell-Standard nochmals strenger ausfällt, ist der CEN-Standard der EU etwas weniger streng.

Dafür hat sich, ausgehend von den Niederlanden, der für schnelle E-Bikes konzipierte, strengere Standard NTA8776 ausgebreitet. Angesichts dieser Vielfalt wollte das Virginia Polytechnic Institute and State University für Klarheit sorgen. Bei den Labortests wurden 86 Helmmodelle von namhaften Markenherstellern untersucht.

Sechs verschiedene Aufprallwinkel dienen im Labor dazu, gezielt verschiedene Zonen eines Velohelms dem Aufprall auszusetzen.

Labor simuliert Unfallszenarien

Im Labor wurden sowohl die lineare Beschleunigung, die Rotationsgeschwindigkeit und die Aufprallenergie gemessen. Jedes, der im Test berücksichtigten Modelle, wurde 24 unterschiedlichen Aufpralltests unterzogen, wobei sechs Winkel sowie zwei verschiedene Höhen und damit verschiedene Aufprallgeschwindigkeiten getestet wurden. Auf diese Weise sollten möglichst viele Unfallszenarien simuliert werden.

Um den Markt gebührend abzubilden, wurden möglichst verschiedene Helmmodelle getestet: Die Palette reicht von Skatehelmen, die auch für den Schneesport frei gegeben sind, bis zu ausgesprochen leichten Schalen für Rennvelofahrer. Die Resultate der Labortests flossen dann in eine Bewertung ein, die von null bis fünf Sternen reichen.

 

Die zehn am besten bewerteten Velohelme bieten alle ein System, das Kopf und Nacken vor Scherkräften und Querbeschleunigung schützt

Erfreulich ist, dass auch die schlechtesten Helme im Test noch immer mit zwei Sternen bewertet werden und laut den Erstellern der Studie somit «adäquaten Schutz» vor Kopfverletzungen bieten.

Fast 30 Helme wurden von Virginia Tech mit dem Maximum von Fünf Sternen ausgezeichnet. Dabei zeigt sich: Systeme, die den Kopf und die Wirbelsäule vor zu starken Scherkräften und heftiger Seitenbeschleunigung schützen, bieten mehr Schutz, insbesondere vor Hirnerschütterungen.

Daher ist die Investition in ein etwas teureres Modell mit einem solchen System – der Aufpreis beträgt bei vielen Herstellern rund zwanzig Franken – ebenso lohnend wie empfehlenswert.

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Die Resultate für alle von Virginia Tech getesteten Velohelme sind hier zu finden. Leider wurden keine Helme getestet, die dem Speed-Pedelec-Standard NTA8776 genügen, da dieser in den Vereinigten Staaten noch kaum bekannt ist.

 

Bilder: ZVG

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