Swisstainable: Wo bleibt das Velo?

Schweiz Tourismus lanciert mit den SBB die Kampagne «Swisstainable unterwegs». Darin kommt das Velo nur am Rande vor. Dafür will die Organisation Frauenvelo-Sport fördern.

Pete Mijnssen, Chefredaktor (pete.mijnssen@velojournal.ch)
News, 10.07.2023

Velojournal: In der neuen Kampagne kommt das Velo vor, wird aber nicht explizit erwähnt, ausser beim Velotransport. Hat Schweiz Tourismus Angst vor ausländischen Velotouristen? 


Viviane Grobet, Schweiz Tourismus: Die Kampagne heisst «Swisstainable unterwegs». Das machen wir zusammen mit den SBB, darum ist der ÖV der Aufhänger und steht klar im Vordergrund. Bei einer anderen aktuellen Kampagne, der «100 % Women», ist das Velo der Aufhänger. Wir können im Rahmen einer Kampagne nicht alle Botschaften ausspielen, sondern müssen uns jeweils für einen Schwerpunkt entscheiden. In diesem Fall ist es der nachhaltige Verkehr im ÖV. Und bei der «100% Women»-Kampagne dafür das Velo.

2017 gab es eine Sonderkampagne zum Thema Velo. Die «Ride the Alps»-Serie hielt sich aber nicht lange. Wie hat Schweiz Tourismus diesen doch eher missglückten Sponsoringausflug analysiert?

«Ride the Alps» hatten wir sehr erfolgreich lanciert. Es gab ein grosses Medienecho und wir konnten wichtige Impulse setzen. Das ist unsere Aufgabe als Schweiz Tourismus, und nicht das Durchführen von Veranstaltungen. Das Ziel ist immer, dass solche Veranstaltungen danach selbstständig weiterlaufen und von den Leistungsträgern, den Partnern weitergeführt werden können. Schweiz Tourismus hat keine eigenen Produkte, die wir vermarkten. Auf der Webseite von Schweiz Tourismus sind aber alle Passevents aufgelistet und präsentiert. 

Wieso wird bei Velo-Anlässen auf die Regionen verwiesen, während bei der Grand Tour und auch bei Swisstainable mit der grossen Kelle und gesamtschweizerisch (und international) angerührt wird?


Schweiz Tourismus bearbeitet primär den ausländischen Markt. Dort spielt der ÖV eine grosse Rolle. Im Gegensatz dazu ist das Velofahren aus touristischer Sicht vor allem für den heimischen Markt interessant. Rund 65 % der Velo fahrenden Gäste kommen selbst aus der Schweiz. Bei den Gästen aus dem Ausland sieht es anders aus. Bei unserer letzten grossen Umfrage, dem Tourismus Monitor Schweiz, gab nur 1 % der ausländischen Gäste an, wegen dem Velofahren in die Schweiz gekommen zu sein. Das heisst nicht, dass wir deswegen das Velofahren international als unwichtig betrachten. Wir nehmen das Thema immer wieder auf mit unseren Partnern, zum Beispiel den Kantonen Graubünden und Wallis, die beim Thema Moutainbiken führend sind. 

Mit Veloland Schweiz verfügt die Schweiz wohl weltweit über das beste Netz an touristischen Fahrradrouten. Dennoch sagen Sie, dass nur einer von hundert Gästen zum Velofahren in die Schweiz kommt. Ist das Angebot einfach zu wenig bekannt?

Das würde ich so nicht sagen. Jeder fünfte Gast fährt während seines Aufenthalts in der Schweiz Velo, das ist viel. Nur ist der Hauptgrund nicht das Velofahren, warum Touristen in die Schweiz reisen. Wir sind ein Natur- und Outdoorland. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die wir im Ausland positionieren. 

Wie ist dann das Feedback zum Veloland Schweiz? 


Sehr positiv. Es gibt viele gut signalisierte Routen. Und auch die neuen Biketrails stossen auf überwiegend positive Zustimmung. 

Mit «100 % Women» steht das Velo neu im Fokus. Um was geht es hier?

Die Kampagne läuft im dritten Jahr. Während der ersten zwei Jahren stand der Bergsport im Vordergrund, nun das Velo. Mit «100 % Women» wollen wir mehr Vorbilder schaffen für Frauen im Outdoorsport. Bergsteigen und Velofahren sind immer noch sehr männerdominierte Sportarten. Mit verschiedenen Aktionen versuchen wir, Frauen mehr Gewicht zu geben und ihnen mehr Präsenz zu verleihen ...

... mit dem Velo? 

Genau. Aktuell läuft eine internationale Medienreise mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Ausland, die die Schweiz auf dem Velosattel kennen lernen. Oder wir veranstalten die CEO-Business-Challenge mit Frauen aus der Wirtschaft, die zusammen zum ersten Mal auf dem Flowtrail in Flumserberg unterwegs sind. Zudem haben wir eine Partnerschaft mit Komoot, wo wir attraktive Touren als Inspiration zum Velofahren präsentieren. Und es gibt die Challenges von Prominenten: Vor zwei Jahren bestieg Beatrice Egli einen Gipfel. Dieses Jahr fuhr sie zusammen mit einem Guide – als persönliche Challenge – erstmals auf einem Flowtrail mit dem Mountainbike.

Beatrice Egli schwingt sich für Schweiz Tourismus aufs Mountainbike.

Wie lange läuft denn dieser Schwerpunkt?

Sicher dieses Jahr. Danach evaluieren wir und schauen weiter. Die Velothemen kommen aber immer wieder, genauso wie alle unsere Outdooraktivitäten. Entscheidend ist, ob wir nochmals einen Impuls setzen können. 

Gibt es bei der Gästebewertung auch Feedback von Leuten, die sagen, auf der Strasse ist das Velofahren zu gefährlich?

Für politische Themen sind wir als nationale Tourismusorganisation nicht zuständig. Und was das Routennetz von Schweiz Mobil betrifft, reden wir Schweiz Mobil auch nicht rein. Wir sind dazu da, die Touristen dazu zu motivieren, in die Schweiz zu kommen. Das ist unsere Aufgabe. 

Die Schweiz hinkt im Vergleich etwa zu den autofreien Anlässen im Ausland (Stilfserjoch, französische Alpen) immer noch hintennach, welche Velo-Anlässe unterstützt Schweiz Tourismus?


Wir setzen auf die Mountainbike-WM 2025 im Wallis, oder auch die Rad-WM 2024 in Zürich. Dort stehen wir in Kontakt mit Zürich Tourismus. Für uns ist es aber besonders attraktiv, wenn ein Anlass verschiedene Regionen abdeckt.

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